- VonMax-Joseph Kronenbitterschließen
Das Schwimmbad auf dem Fliegerhorst beeindruckt mit seiner Architektur. Heute steht die Halle unter Denkmalschutz. Mosaike und Emporen erzeugen ein mystisches Flair.
Fürstenfeldbruck - Dass der Sport einen hohen Stellenwert innerhalb der Gesamtanlage des Fliegerhorstes besitzt, ist am Baustil der Sport- und Schwimmhalle unzweifelhaft zu erkennen. Das Hallenbad steht sogar unter Denkmalschutz: als „integral erhaltendes Gebäude mit qualitätvoller Ausstattung“, so das Resümee einer differenzierten Untersuchung.
Seinen Körper mit Sport fit zu halten, gehörte schon 1936, dem Jahr der Erbauung der Sport- und Schwimmhallen und der olympischen Sommerspiele in Berlin, zu den soldatischen Tugenden. An der Tatsache, dass Sport auf den Dienstplänen nicht nur der Lehrgangsteilnehmer der Offizierschule, sondern aller Soldaten steht, kann man erkennen, dass das auch heute noch der Fall ist.
Gut 300 Meter südlich des neuen Towers gelegen, erhebt sich die nach Osten geöffnete Dreiflügelanlage über den ein paar Treppenstufen tiefer gelegenen Rasensportplatz. Der nördliche, bei einer Bombardierung 1945 schwer beschädigte Sporthallenbau ist mit der Schwimmhalle über einen eingeschossigen Trakt verbunden. Daran angebaut und zum Sportplatz orientiert, liegt ein offener Kolonnadengang mit zwölf Betonstützen, die ein überdimensioniertes, zierendes Holzgebälk tragen.
Serie zu Furstys denkmalgeschützten Gebäuden
Im Zuge der derzeit für das Jahr 2030 geplanten Aufgabe des Fliegerhorstes durch die Bundeswehr und der Konversion des Geländes spielt der Denkmalschutz eine ehebliche Rolle. Denn viele Gebäude auf Fursty gelten als Mischung des Heimatstils und der sogenannten Bayerischen Postbauschule, für die es in der Stadt Bruck noch weitere Beispiele gibt.
Viele Gebäude mit baukünstlerisch wertvollen Details sind noch im originalen Bauzustand von 1936 bis 38 erhalten. Dekorative Gestaltungselemente, vorwiegend in Repräsentationsräumen und an Fassaden, überraschen denjenigen, der eine strenge „Militär-Architektur“ erwartet. Fachleute sprechen von der „architecture parlante“, einer sprechenden Architektur, die die militärische Funktion des Gebäudes ausdrückt. Das Tagblatt stellt in einer Serie die markantesten, unter Denkmalschutz stehenden Bauwerke vor.
Das ist Teil 3 der Serie. Hier geht es zu Teil 1, der Kilometerbau sowie Teil 2, das Offizierskasino.
Objekt der Begierde
Während vor vielen Jahren zusätzlich zur alten Sporthalle unweit eine neue gebaut wurde, ist die Schwimmhalle – nicht zuletzt wegen einer bauunterhaltenden und energieeinsparenden Sanierung in den Jahren 2006 bis 2008 – noch immer stark frequentiert. Und nach Abzug der Offizierschule Objekt der Begierde der Sportvereine rund um den Fliegerhorst. „Viele Brucker haben in dieser Halle bei den Amerikanern nach dem Krieg das Schwimmen gelernt“, berichtet Oberstleutnant Markus Würmseher.
Und das Innere ist optisch noch wie damals. „Die umfassende Sanierung hat dem Denkmalwert keinen Abbruch getan“, so Würmseher, der vor seiner Tätigkeit als Dozent an der OSLw als freischaffender Architekt arbeitete.
Besondere Emporen
Die schwarzen Steinmosaiken auf weißem Boden, die Seegetier und den Meeresgott Neptun darstellen, wurden nach der Sanierung an gleicher Stelle wieder eingebaut. Die Starterblöcke sind ebenso aus Granit wie die Randeinfassung des 25-Meter-Beckens mit fünf Bahnen bei einer Wassertiefe von 3,45 Meter.
Eine Besonderheit sind die eingezogenen Emporen an den beiden Stirnseiten der Halle, die Zuschauern einen hervorragenden Blick in die Halle bieten. Dorthin führt ein aufwändig gestalteter, von einem Rundfenster belichteter Treppenaufgang. Kurvig modellierte Granitplatten – heutzutage unbezahlbar – decken die Mauern an den Treppenwangen ab. Oben finden sich schmiedeeiserne Gitter mit Ausbauchungen als Absturzsicherung, daneben Nagelfluh-Konsolen, ein Naturstein-Material, das in den 1930er Jahren und so auch im ganzen Fliegerhorst sehr häufig verwendet wurde.
Relativ unauffällig ist die Wärmeschutzverglasung in den riesig großen Fensterrahmen auf der Südseite. Deutlich auffälliger sind dagegen die Strahler, die das Segmentbogen-Tonnengewölbe als oberen Raumabschluss effektvoll und vielfarbig beleuchten. Die Sanierung umfasste sogar den Einbau von Unterwasserstrahlern. Diese Idylle schätzt auch die Schwimmmeisterin: „Ich genieße die fast mystisch beleuchtbare Halle, wenn es vor Dienstbeginn draußen noch dunkel und herinnen totenstill ist.“

