VonThomas Steinhardtschließen
Ein Medizin-Campus mit landes- und sogar europaweiter Bedeutung: Das und nicht weniger soll auf einem Teil des früheren Militärgeländes zwischen Bruck und Maisach entstehen. Die Chancen stehen offenbar nicht schlecht.
Fürstenfeldbruck – „Es ist ein neues und hochspannendes Kapitel für die Entwicklung des Landkreises“, sagte Landrat Thomas Karmasin jetzt bei der Vorstellung der Pläne zur Entstehung eines „Biodroms“ zwischen Fürstenfeldbruck und Maisach. Auf einer Fläche des früheren Fliegerhorst-Areals soll künftig hochmoderne Forschung und Entwicklung im Kampf gegen verschiedene Krankheiten wie etwa Krebs oder Alzheimer möglich sein.
Hochleistungs-Zyklotron
Kern des geplanten Campus soll ein Hochleistungs-Zyklotron werden, wie es bislang in Deutschland nur eines gibt. Darin werden in einem Teilchenbeschleuniger Nuklide für die Anwendung im Bereich der Radiopharmazie und Nuklearmedizin hergestellt. Um das Zyklotron könnten sich weitere Einrichtungen etwa aus der Biotechnologie ansiedeln. Forschung, Lehre und Therapie könnten Hand in Hand an einem Standort verwirklicht werden. Vorbild könnte beispielsweise Martinsried im Würmtal sein.
Standort ist ideal
Hinter der Idee steht Karl-Heinz-Jansen, früher Geschäftsführer der in Bruck ansässigen Firma Sykam, und nunmehr Rentner, wie er bei der Vorstellung der Pläne lachend sagte. Er berichtete von dem großen Interesse mehrerer Firmen und verschiedener Forschungsinstitute. „Der Standort ist ideal.“ Jansen erzählte von vorläufigen Zusagen und einer gewissen Dynamik der Entwicklung.
Im Hintergrund steht auch die Tatsache, dass in ganz Europa immer mehr Kernkraftwerke stillgelegt werden, mit deren Hilfe die medizinischen Nuklide bisher hergestellt werden. Das eröffne die Chance, Investoren zu finden. Das Hochleistungszyklotron (Vier Hektar Platzbedarf) würde als erstes errichtet. Es erzeugt die in der Medizin hoch begehrten Nuklide ohne strahlendes Material wie etwa Uran, wurde bei der Vorstellung betont.
Theranostik
Trotz großer Standort-Konkurrenz etwa in Paris oder Mailand wolle ein internationales Forschungs- und Betreiber-Konsortium in Fürstenfeldbruck/Maisach eine solche Anlage errichten. Standort-Vorteile: Die Nähe zu den Münchner Universitäten, zur Uni Augsburg, zu schon vorhandenen biotechnologischen Clustern und die günstige Anbindung zum Flughafen München genau wie zur Autobahn oder S-Bahn. Das betonte Barbara Magg von der Wirtschaftsförderung im Landkreis. Ein Ziel der Planung ist die Verschmelzung von Diagnostik und Therapie zur neuen Disziplin der Theranostik. Längerfristig ist daher auch der Bau einer Tagesklinik geplant.
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Insgesamt stehen auf den bereits nicht mehr militärisch genutzten Flächen mehr als 14 Hektar zur Verfügung. Es handelt sich um das ehemalige Flugvorfeld auf Maisacher Flur sowie die mit Flughallen überbauten Flächen auf Brucker Gelände, wobei der größere Teil auf Maisacher Areal liegt.
In die Gremien
Die Initiatoren des Projekts wollen nach fast zwei Jahren internen Gesprächen nun offiziell auf die zuständigen Gremien in Fürstenfeldbruck und Maisach zugehen. Für den Landkreis bestehe die Herausforderung darin, das Vorhaben planerisch zu begleiten, sagte Landrat Thomas Karmasin. Er berichtete auch von einer zustimmenden Haltung in Bruck und Maisach.
Die Idee des Biodroms beeinträchtige das städteplanerische Vorgehen der Stadt Fürstenfeldbruck auf dem jetzt noch vom Militär genutzten Areal, das die Luftwaffe bis 2026 verlassen will, nicht, sagte Karmasin. Er und Jansen hoffen, dass das Thema im anstehenden OB-Wahlkampf nicht zum Gegenstand unsachlicher Debatten wird. Der Landrat: „Wenn wir das nicht hinbekommen, sind wir selber schuld.“
Das weitere Vorgehen für einem Campus auf dem Fliegerhorst-Gelände besteht nun in der Entwicklung eines Masterplans durch einen Architekten. Daraus könnte dann ein vorhabensbezogener Bebauungsplan entstehen. Jansen hofft auf eine wirklich zeitnahe Entwicklung. Die Grundsteinlegung könnte theoretisch dann in etwa drei bis fünf Jahren stattfinden.
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