Fliegerhorst

Fursty: Stadt Fürstenfeldbruck will wieder mit Nachbarn reden

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Die Hauptwache des Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck. (Archivfoto)
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In Bruck geht die Planung für den Fliegerhorst in kleinen Schritten voran. Im Raum steht aber weiter der Konflikt mit den Nachbarkommunen. Aus der Stadt kommen vorsichtige Signale der Annäherung.

Fürstenfeldbruck – Laut Tagesordnung sollte es um den Sachstand der Vorbereitung eines Architektenwettbewerbs für den Fliegerhorst gehen. Der Konversionsausschuss des Stadtrates sollte erfahren, was in den fünf Monaten seit seiner letzten Sitzung in dieser Sache passiert ist. Scheinbar nicht viel, zumindest wenig, was öffentlich zu verkünden wäre. Zu erfahren war, dass es jetzt zwar einen Zeitplan gibt. Ob der zu halten ist, scheint fraglich. Die Aufgabenbeschreibung für den Wettbewerb wird wohl nicht im ersten Halbjahr 2021 fertig sein. Das war so, auch pandemiebedingt, erwartbar und schafft zeitlich noch kein Problem.

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck: Einbindung der Bürger

Produktiv war die Sitzung insofern, als die Verwaltung noch einen etwas präziseren Eindruck bekam, was die Ausschussmitglieder bei der Auslobung des Wettbewerbes in der Aufgabenbeschreibung gerne berücksichtigt hätten. Die ÖDP etwa will eine frühzeitige und breite Einbindung von Bürgern in den Prozess, der die Optionen für Nachnutzung nach dem Abzug der Bundeswehr im Jahr 2026 aufzeigen soll. Beschlusslage ist ein Stadtviertel, das Wohnen und Arbeiten vereint. Details sollen in den nächsten Jahren, unter anderem in dem Wettbewerb, erarbeitet werden.

Auch die SPD-Fraktion möchte dabei ein besonderes Augenmerk auf einem breit angelegten Dialog wissen. Die CSU möchte das Thema Bürgerbeteiligung lieber mit einem überschaubaren Kreis von Akteuren angehen und regte einen Konversionsbeirat an, analog zu den bereits bestehenden Beiräten für Sport, Umwelt, Senioren und Menschen mit Behinderung. Beteiligung mit „Workshops, in denen mit Klebepünktchen abgestimmt wird wie im Klassenzimmer“, sei aus der Zeit gefallen, sagte CSU-Fraktionschef Andreas Lohde. Und Finanzreferent Klaus Wollenberg (FDP) mahnte schließlich noch an, das Verfahren so zu gestalten, dass es nicht nur städtebauliche Ziele verfolge, sondern auch die Grundlage für wirtschaftliche Impulse schaffe.

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck: Versöhnliche Geste

Das eigentlich spannende Thema der Sitzung aber war, obwohl nicht explizit Teil der Tagesordnung, das Verhältnis zu den anderen Anliegerkommunen des Fliegerhorstes. „Wir strecken die Hand aus“, sagte Brucks OB Erich Raff (CSU). „Verletzter Stolz, egal auf welcher Seite, darf jetzt nicht im Weg stehen.“ Christian Stangl (Grüne) sowie Klaus Wollenberg sprachen ihm für die „versöhnliche Geste“ Dank aus.

Verständnis für die jüngsten Vorstöße aus Emmering, Maisach und Olching äußerte Andreas Lohde. „Ich kann die Bürgermeister vestehen“, sagte er. Dass diese nun selbst ein Verkehrsgutachten erstellen, müsse man aber abwenden.

Im Dezember hatte die Stadt den Rathauschefs der Nachbarkommunen in einem Online-Workshop Details zum Brucker Verkehrsentwicklungsplan (VEP) vorgestellt. Thema waren auch Szenarien für die Zahl künftiger Wohnungen und Arbeitsplätze auf dem Fliegerhorst. Da aber die innerörtlichen Folgen dieser Neuansiedlungen für Emmering, Maisach und Olching nicht Teil des VEP sind, verkündeten die drei Kommunen, ein eigenes Verkehrsgutachten zu beauftragen. Das wiederum wurde im Brucker Stadtrat als Retourkutsche für die Ablehnung des interkommunalen Zweckverbandes gesehen.

Maisach und Emmering haben selbst Vorstellungen zur Nutzung des heute noch militärisch genutzten Teils des Fliegerhorstes auf Brucker Flur. Olchinger Interessen sind durch die Verkehrserschließung berührt. Im Gespräch war deshalb, die Ziele in einem Zweckverband zu bündeln, der auch die Planungshoheit erhalten hätte.

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck: Kein Molloch

Dass der Brucker Stadtrat das letztlich abgelehnt hat, verteidigte Stangl erneut, beteuerte aber, Bruck verfolge auch weiterhin nicht jene theoretischen Maximalszenarien, die in den Nachbarkommunen offenbar Befürchtungen geweckt haben.

Auch Lohde versicherte, man wolle „keinen Molloch“. Aber der Bund brauche Geld. „Und da gehen zusammen mit großen Zahlen eben die Alarmglocken los.“ Wenn die Bundeswehr 2026 abzieht, hat due Stadt zwar die Planungshoheit. Eigentümerin bleibt aber die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BIma). Für die BIma, die sich zu ihren Zielen bedeckt hält, bedeutet mehr Baurecht auch mehr Erlös beim Verkauf. Ist sie unzufrieden, könnte sie die Pläne der Stadt theoretisch ausbremsen.

Lohde forderte, die von den Nachbarn gewünschten Verkehrszahlen müsse Bruck liefern. Da habe das Büro, das den VEP erstelle, schlicht nicht so gearbeitet wie beauftragt. Raff kündigte an, dass man in den nächsten Tagen erneut mit anderen Bürgermeistern reden werde.

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