Die Mittenwalder Bergwacht kündigte kurz vor dem G7-Gipfel an, beim Rettungsdienst für das Treffen auszusteigen. Die Forderungen zur Gleichberechtigung führen zum Erfolg.
Mittenwald – Die Bombe hat die Bergwacht Mittenwald vor acht Tagen platzen lassen: Knall auf Fall kündigte Bereitschaftsleiter Heinz Pfeffer an, er und 36 weitere Kameraden würden beim Rettungsdienst für den G7-Gipfel in Elmau (26. bis 28. Juni) auf Schloss Elmau aussteigen. Wenige Tage vor dem Polit-Großereignis dürften da wohl einige im Planungsstab im Landratsamt mächtig ins Schwitzen geraten sein. Auslöser des Streiks, der letztlich nur ein paar Tage dauern sollte, war das liebe Geld.
Vor G7-Gipfel 2022 in Elmau: Bergwacht Mittenwald kündigte Ausstieg beim G7-Einsatz an
Denn der Bergwacht und auch anderen Rettungsorganisationen stinkt schon lange, dass sie beispielsweise bei Sonderschichten wie G7 nicht ähnlich bezahlt werden wie die Feuerwehren. Wobei Streikführer Pfeffer unterstreicht: „Uns geht und ging es immer um eine Gleichbehandlung und nicht um die Höhe von Beträgen.“ Inzwischen verrichten die Rebellen aus Mittenwald wieder brav ihren Dienst. Wenige Tage nach ihrem Ausstand soll eine Einigung bei der Kostenerstattung für die Hilfsorganisationen erzielt worden sein. Roland Ampenberger, der Pressesprecher der Bergwacht Bayern, spricht vom vergangenen Mittwoch. Zufall? Hinter den Kulissen soll es dem Vernehmen nach ordentlich geknarzt haben im Gebälk. Einige in den heimischen
Blaulicht-Verbänden sollen sogar stinksauer gewesen sein, weil durch den plötzlichen Wegfall der Mittenwalder Bergwacht noch mehr ehrenamtliche Arbeit anfiel. Viele halten zwar die Aktion von Pfeffer und Co. als das grundsätzlich richtige Signal in einem seit Jahre schwelenden Konflikt, den Zeitpunkt aber unmittelbar vor den Großkampftagen für den völlig falschen.
Und was sagt der Ober-Rebell aus Mittenwald dazu? Nichts! Heinz Pfeffer teilt lediglich mit, man sei wieder dabei, ansonsten verweist er auf Bergwacht-Sprecher Ampenberger. Der belässt es in der Causa Mittenwald bei pflegeleichten Allgemeinplätzen. „Die Bergwacht ist halt vielfältig.“ Kein Wort darüber, ob man sich die Karwendel-Rebellen zur Brust genommen habe.
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Diskussionen um Erstattung zeigen Erfolg: Bergwacht kehr zur G7-Einsatz-Familie zurück
Einiges deutet jedenfalls darauf hin. Einsatzleiter Klemens Reindl, zugleich Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes, will nicht zu den Kopfwäschern gehören. „Ich habe das natürlich mitgekriegt, hatte aber keinen Kontakt zu den Kollegen aus Mittenwald.“ Zum Bereitschaftsleiter dort meint der Bad Kohlgruber: „Der Pfeffer ist halt der Pfeffer, ein gestandenes Mannsbild, der seine Wirkung kennt.“ Zum Thema Gleichbehandlung ergänzt Reindl: „Wir haben auf allen Ebenen diskutiert – intensiv, nachhaltig und durchaus streitbar.“ Mit einer für ihn letztlich „guten Lösung“.
In der am 22. Juni in Kraft getretenen sogenannten Erstattungsrichtlinie erhalten demnach alle beteiligten Organisationen – von der Bergwacht bis zu den Maltesern – jeweils 75 Euro pro Einsatztag. Zum Vergleich: Die Feuerwehren bekommen 16,40 Euro die Stunde, was angeblich durch das Bayerische Feuerwehrgesetz so verankert sein soll. Ein Modus, mit dem letztlich die BergwachtRebellen aus Mittenwald leben können. Sie sind in die G7-Einsatz-Familie zurückgekehrt. Was deren Chef Klemens Reindl nur begrüßen kann. „Wir kämpfen alle an derselben Front – allerdings mit unterschiedlichen Waffen und Ansätzen.“
In München findet am Samstag (25. Juni) eine Großdemo der Kritiker des G7-Gipfels statt. Die Polizei rechnet mit 20.000 Demonstranten. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen GAP-Newsletter.