Große Sicherheitsbilanz zum Gipfel

„Demütigende Kontrollen, Schikane und Einschüchterung“: Vernichtende Demo-Kritik nach G7-Gipfel

  • schließen

Die Demonstrationen im Rahmen des G7-Gipfels in Elmau fanden unter strengen Auflagen statt. Dafür gibt es teils heftige Kritik in der Gipfel-Bilanz.

Elmau/Garmisch-Partenkirchen – Der monatelange Ausnahmezustand in Garmisch-Partenkirchen und Region hat ein Ende. Das Wort endlich ist zwar selten zu hören, schwingt aber stets zwischen den Zeilen mit – auch bei den Bilanzierungen der Politik. So sagte zum Beispiel der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder: „Jetzt ist aber auch mal wieder gut.“ Doch Bilanz zieht nicht nur die Politik.

Auch die Organisatoren der G7-Demonstrationen sowie deren Unterstützungsgruppen ziehen ein Fazit. Nach strengen Sicherheitsmaßnahmen beim G7-Gipfel in Elmau und massiver Polizeipräsenz fällt dieses allerdings alles andere als positiv aus.

G7-Gipfel in Elmau: Die Bilanz der Sicherheits-Organisation – mit Ungereimtheit

Am Dienstag, 28. Juni, zogen auch die Sicherheitskräfte eine erste Bilanz. Justizangaben zufolge kamen während des G7-Gipfels 15 Menschen in Gewahrsam, zwei Haftbefehle wurden verhängt – nur einer davon im Rahmen einer G7-Demo. Bayerns Landespolizeipräsident Michael Schwald zufolge gab es sieben Festnahmen, 1400 Identitätsfeststellungen und 11 Ingewahrsamnahmen. Der Grund für die Abweichung ist derzeit unklar.

Auch die Bundespolizei zog ein Fazit – immerhin hatte sie zwischen 14. und 28. Juni wieder Grenzkontrollen eingeführt. Dabei wurden mehr als 362.000 Menschen kontrolliert, 438 offene Haftbefehle vollstreckt und 2309 Personenfahndungstreffer festgestellt. 108 Verstöße gegen das Waffengesetz, 3355 Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, 405 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und 147 Urkundendelikte wurden festgestellt.

G7-Gipfel in Elmau: „Ermittlungsausschuss“ übt heftige Kritik

Auf Seiten der Demo-Organisation, vor allem des Bündnisses „Stop G7 Elmau“, gab es schon während des politischen Gipfeltreffens teils heftige Kritik. Als „absolut entwürdigend“ zum Beispiel beschrieb Franz Haslbeck, einer der Organisatoren, die Demo-Auflagen.

G7-Gipfel in Elmau: Als Großdemo geplant, doch nur wenige sind da – der Protestzug in Bildern

In Garmisch-Partenkirchen hat die Großdemo gegen den G7-Gipfel begonnen.
In Garmisch-Partenkirchen hat die Großdemo gegen den G7-Gipfel begonnen. © Daniel Quero Espino
Die Anzahl der Teilnehmer bei der G7-Demo in Garmisch-Partenkirchen ist überschaubar.
Die Anzahl der Teilnehmer bei der G7-Demo in Garmisch-Partenkirchen ist überschaubar. © Daniel Quero Espino
Aktivisten bereiten sich mit Bannern auf dem Marsch durch den Markt Garmisch-Partenkirchen vor.
Aktivisten bereiten sich mit Bannern auf den Marsch durch den Markt Garmisch-Partenkirchen vor. © Daniel Quero Espino
Verschiedene Organisationen sind bei der Demo gegen den G7-Gipfel in Garmisch-Partenkirchen vertreten.
Verschiedene Organisationen sind bei der Demo gegen den G7-Gipfel in Garmisch-Partenkirchen vertreten. © Daniel Quero Espino
„Für das Leben statt G7“ ist auf einem der Banner bei der Demo in Garmisch-Partenkirchen zu lesen.
„Für das Leben statt G7“ ist auf einem der Banner bei der Demo in Garmisch-Partenkirchen zu lesen. © Daniel Quero Espino
Mehrere Aktivisten bei der G7-Demo tragen zusammen ein riesiges Banner.
Mehrere Aktivisten bei der G7-Demo tragen zusammen ein riesiges Banner. © Daniel Quero Espino
Mit selbstgebastelten Schildern haben sich die Demonstranten von „Stop G7 Elmau“ ausgestattet.
Mit selbstgebastelten Schildern haben sich die Demonstranten von „Stop G7 Elmau“ ausgestattet. © Daniel Quero Espino
Einmal quer durch Garmisch-Partenkirchen verläuft die Route des Demonstrationszugs gegen G7.
Einmal quer durch Garmisch-Partenkirchen verläuft die Route des Demonstrationszugs gegen G7. © Daniel Quero Espino
Nicht nur in Deutsch und Englisch sind die Banner verfasst. Auch spanische Schriftzüge sind in der Menge zu lesen.
Nicht nur in Deutsch und Englisch sind die Banner verfasst. Auch spanische Schriftzüge sind in der Menge zu lesen. © Daniel Quero Espino
Neben der Demonstration der G7-Gegner in Garmisch-Partenkirchen demonstrierte Oxam mit Verkleidungen und Darstellungen für einen besseren Klimaschutz.
Neben der Demonstration der G7-Gegner in Garmisch-Partenkirchen demonstrierte Oxfam mit Verkleidungen und Darstellungen für einen besseren Klimaschutz. © Daniel Quero Espino
„Brave movement“ hat in Garmisch-Partenkirchen im Rahmen des G7-Gipfels eine Karikatur aufgestellt.
„Brave movement“ hat in Garmisch-Partenkirchen im Rahmen des G7-Gipfels eine Karikatur aufgestellt. © Daniel Quero Espino
Der Zug der G7-Demo marschiert einmal vom Bahnhof durch Garmisch-Partenkirchen und wieder zum Bahnhof.
Der Zug der G7-Demo marschiert einmal vom Bahnhof durch Garmisch-Partenkirchen und wieder zum Bahnhof. © Daniel Quero Espina
Das Bündnis „Stop G7 Elmau“ fordert globale Gerechtigkeit. „Klima schützen, statt aufrüsten“ ist auf dem Banner zu lesen.
Das Bündnis „Stop G7 Elmau“ fordert globale Gerechtigkeit. „Klima schützen, statt aufrüsten“ ist auf dem Banner zu lesen. © Daniel Quero Espino
Die Aktivisten des Bündnis „Stop G7 Elmau“ haben bei der Demo zahlreiche Banner dabei.
Die Aktivisten des Bündnis „Stop G7 Elmau“ haben bei der Demo zahlreiche Banner dabei. © Daniel Quero Espina
Am Rande der G7-Demo in Garmisch-Partenkirchen gibt Bürgermeisterin Elisabeth Koch ein Interview dem BR.
Am Rande der G7-Demo in Garmisch-Partenkirchen gibt Bürgermeisterin Elisabeth Koch ein Interview dem BR. © Daniel Quero Espino

Nun teilte auch die Gruppe „Ermittlungsausschuss“, die sich für die Rechte von Demonstranten im Konflikt mit Polizei und Justiz einsetzt, gegen die Sicherheitsmaßnahmen beim G7-Gipfel in Elmau aus. „Durch möglichst viele, teils demütigende Kontrollen, durch Schikane und Einschüchterung sollten Menschen daran gehindert werden, an angemeldeten Versammlungen teilzunehmen“, heißt es im Statement.

Zwischen Anwohner-Ärger, Snack-Bilanz und Politik-Lob

Lob gab es dagegen von der Sicherheits-Organisation. „Die Strategie der Deeskalation durch starke Präsenz ist aufgegangen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Bayern, Jürgen Köhnlein. „Bayern kann Gipfel“, ließ ein stolzer Söder verlauten. Und auf Twitter fällte die bayerische Bundespolizei ein ganz eigenes Fazit: Unter anderem 383.164 Getränkeflaschen und 80.294 Schokoriegel habe das Versorgungsteam ausgegeben. Einzig Herrmann kritisierte die Zusammenarbeit mit dem Secret Service.

Am glücklichsten über das Gipfel-Ende dürften aber die Anwohner Garmisch-Partenkirchens selbst sein: Nach dem Verkehrschaos durch die Biden-Abfahrt und ständigem Hubschrauber-Lärm darf die idyllische Region endlich wieder durchatmen – und sich auf den alltäglichen Zustrom, ganz normaler Touristen freuen. (fhz)

Rubriklistenbild: © CHRISTOF STACHE / various sources / AFP

Kommentare