Gaststätte wird grundlegend saniert

Gasthof Zur Post in Bad Wiessee: Bald macht der Pächter das Licht aus

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Verabschieden sich in den Ruhestand: Kurt Geiß und seine Frau Darinka. Mit dem Weggang der Pächter schließt die Post für eine umfangreiche Sanierung für mindestens eineinhalb Jahre ihre Pforten.
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Anfang November sagt Kurt Geiß Servus. Mit 75 tritt der langjährige Wirt des Gasthofs Zur Post in Bad Wiessee den Ruhestand an. Mit seinem Abschied geht eine längere Schließung des Betriebs einher.

Bad Wiessee – Großartig zum Nachdenken oder gar Zukunftspläne schmieden kommt Kurt Geiß momentan nicht. Noch herrscht Hochbetrieb in seinem Gasthof im Herzen Bad Wiessees. „Wir haben zuletzt noch viele Veranstaltungen hereinbekommen, da hat sich wegen Corona einiges aufgestaut“, berichtet der Gastronom, der seit 34 Jahren die gemeindeeigene Traditionswirtschaft führt. Die Post ist nicht nur Gaststätte und Hotel, mit ihrem Saal ist sie auch das Kultur- und Bürgerzentrum des Ortes. Ein Treffpunkt, der bald fehlen wird: Am 1. November, Allerheiligen also, ist der letzte Öffnungstag, dann schließt die Post ihre Pforten. Und wird sie auch so bald nicht wieder öffnen.

Sanierung der Post: Gemeinderat hat Planungsauftrag vergeben

Der Pächterwechsel zwingt die Gemeinde zum Handeln. Um den Betrieb fit zu machen für die Zukunft, muss er grundlegend saniert werden. „Dazu gibt es keine Alternative“, betont Bürgermeister Robert Kühn (SPD) einmal mehr. Wie umfangreich die Sanierungsarbeiten ausfallen werden, wird sich schon bald herausstellen. In nicht-öffentlicher Sitzung hat der Gemeinderat laut Kühn jüngst die Aufträge an den Architekten und die jeweiligen Fachplaner vergeben. Jetzt müssten die Experten darüber urteilen, wie das Gebäude zeitgemäß hergerichtet und umgestaltet werden kann. „Davor hatten wir ja nur Studien darüber, was theoretisch möglich wäre“, sagt Kühn. Neben der Sanierung war bisher auch immer von einem Teilabbruch des im vorderen Bereich denkmalgeschützten Komplexes die Rede.

Vergabeverfahren: Für alle Gewerke gab‘s ausreichend Bewerbungen

Die Gemeinde hat den Planungsauftrag im Rahmen der so genannten Vergabeverordnung (VgV) erteilt. Die VgV ist immer dann anzuwenden, wenn es sich um einen öffentlichen Auftrag handelt, der einen gewissen Schwellenwert überschreitet. Wie der Bürgermeister mitteilt, erhielt den Zuschlag ein Gmunder Architekt und somit ein hiesiges Büro. Auch die einzelnen Fachplaner stammen allesamt aus der Region. „Wir hatten das Glück, dass sich bei allen Gewerken mehrere gute Büros beworben haben.“

Ambitionierter Zeitplan: Gaststätte soll zur Saison 2024 wieder öffnen

Bei der Umsetzung der Maßnahme will die Gemeinde keine Zeit verlieren. Prozesse wie die Untersuchung der Bausubstanz oder Vermessungsarbeiten könnten bereits anlaufen, während der scheidende Pächter noch mit dem Ausräumen seiner Habseligkeiten beschäftigt ist. Der Zeitplan für die Post-Sanierung sei „wahnsinnig ambitioniert“, sagt Kühn. Doch er steht: Bis zur Saison 2024 sollen Gasthof und Hotel – dann frisch renoviert – wieder eröffnen.

Viele Klagen über vorübergehende Komplettschließung der Post

Klagen darüber, dass der Betrieb zwischenzeitlich nicht zur Verfügung steht, bekommen sowohl Noch-Pächter Geiß als auch Bürgermeister Kühn immer wieder zu hören. Vereine fragen, wo sie künftig ihre Versammlungen abhalten sollen, „und die Hoteliers sorgen sich darüber, wo ihre Gäste essen gehen sollen“, berichtet Kühn. Ihm ist bewusst, dass die Wiesseer ihre Post schmerzlich vermissen werden. Er verweist aber auf die Alternativen im Ort und darauf, dass der Betrieb nach der Erneuerung wieder auf Jahrzehnte gesichert sein werde. Dass der Gasthof in öffentlicher Hand bleiben soll, ist dabei ausdrücklicher Wunsch der Gemeinde.

Pächter Kurt Geiß hatte zum Schluss noch viele Krisen zu meistern

Unter der langjährigen Regie von Kurt Geiß und seiner Frau Darinka lief der Betrieb mit dem Gasthof und den 42 Hotelbetten stets reibungslos. Die jüngsten Krisen mit Corona, dem Personalmangel und zuletzt den gestiegenen Energiekosten haben dem 75-Jährigen allerdings arg zu schaffen gemacht. „Das hätte ich nicht mehr gebraucht“, seufzt er. Im Moment sei er nur erleichtert darüber, dass sein Wirte-Dasein bald vorbei sei und er Zeit zum Durchschnaufen habe.

Mitarbeiter bleiben der Post bis zum Ende treu

Konkrete Pläne für die Zukunft habe er noch nicht, meint Geiß. „Wir müssen erst einmal schauen, wie es ist, wenn wir nichts mehr zu tun haben.“ Für den Wiesseer ein ungewohntes Gefühl. Als Wirt hat Geiß nicht nur über 30 Jahre lang die Post geführt, sondern viele Jahre auch den ehemaligen Wienerwald in Bad Wiessee und den Gasthof Guggemos in Tegernsee. Dass ihm seine Mitarbeiter in der Post bis zuletzt die Treue hielten, freut den künftigen Ruheständler besonders: „Das ist ein tolles Zeichen.“

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