Nach negativem Bescheid der Flugsicherung

„Schlag für die Energiewende“: Pläne für Windkraftanlagen in Gauting eingestellt

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Der Bau von Windkraftanlagen im Gebiet der Gemeinde Gauting ist in weite Ferne gerückt.
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Die Bürgerwind GmbH steigt aus dem Projekt der Gautinger Windkraftanlagen aus. Grund ist der negative Bescheid der Deutschen Flugsicherung und die mangelnde Kooperationsbereitschaft des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen.

Gauting - Man kann es getrost einen Paukenschlag nennen: Die Bürgerwind Gauting GmbH & Co. KG zieht sich aus dem Projekt zur Umsetzung von Windkraftanlagen in Königswiesen und Buchendorf zurück. Auch die Kraillinger Windkraftanlagen werden nicht weiterverfolgt. „Das ist nach dem negativen Votum der Luftsicherung wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll“, erklärt Ingenieur Robert Sing bei einer Pressekonferenz am Freitag im Gautinger Rathaus. „Es gibt es kein grünes Licht für den Bau der Anlagen.“ Dabei geht es weniger um das Sichtflugverfahren, das auch anderen Standorten wie in Fuchstal geändert werden konnte. Ein grundlegendes Problem stellt offenbar der Anflug im Instrumentenmodus von Nordosten auf den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen dar. „Das alles hinzubiegen, ist fast unmöglich“, so Sing. Dafür bräuchte es Gesprächsbereitschaft nicht nur von der Flugsicherung, sondern auch vom Flughafenbetreiber. All das mit ungewissem Ausgang.

Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger ist enttäuscht. „Wir hätten die Windräder für die Energiewende dringend gebraucht“, sagte sie. Landrat Stefan Frey versteht die Entscheidung von Sing. Für ihn zeigt der Vorgang, dass weder Kommunen noch Landkreise genügend politisches Gewicht haben. Aus Konsequenz hat er einen Brief an Ministerpräsident Markus Söder geschrieben, in dem er dringend darum bittet, eine Stelle im Bayerischen Wirtschaftsministerium zu schaffen, die all das koordiniert. „Nicht jeder Vorhabensträger kann bei Null anfangen.“ Nicht gut zu sprechen ist er auf den Betreiber des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen, der sich Gesprächen über veränderte Flugrouten über Monate verweigert hat. „Dafür habe ich kein Verständnis“, sagte er am Freitag.

Zum Hintergrund: In der Gemeinde Gauting existiert seit 2012 rechtsgültiges Baurecht für Windenergieanlagen in den sogenannten Konzentrationsflächen. In den Jahren 2021 und 2022 wurden durch die Gemeinde daher umfangreiche Prüfungen zur örtlichen Machbarkeit bei der Ingenieurbüro Sing GmbH in Auftrag gegeben. Im weiteren Verlauf wurde die Bürgerwind Gauting GmbH & Co. KG gegründet, welche die weitere Projektentwicklung und das damit verbundene Risiko übernahm. Laut Sing hat das Unternehmen inzwischen einen sechsstelligen Betrag investiert. Dieses verpflichtete sich, das Projekt nach erfolgreicher Umsetzung mit anschließender Bürgerbeteiligung zu betreiben. Gegen das Projekt gab es allerdings auch Widerstand, eine Bürgerinitiative wollte eine Entscheidung Pro oder Kontra im Rahmen eines Bürgerentscheids. Dessen Rechtmäßigkeit erkannte der Gemeinderat allerdings nicht an.

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Wie Sing am Freitag erläuterte, wurde im Januar 2024 der Antrag auf Vorbescheid beim Landratsamt Starnberg für insgesamt sieben Windenergieanlagen zur luftfahrtrechtlichen Prüfung eingereicht. Nach Eingang der Stellungnahmen durch die Deutsche Flugsicherung und die militärische Luftfahrtbehörde wurde klar, dass das Sichtanflugverfahren des Sonderflugplatzes Oberpfaffenhofen von den Planungen betroffen sein wird. Weitere Konfliktpunkte, sowohl militärisch als auch zivil, wurden in den Stellungnahmen nicht genannt.

Die ablehnende Stellungnahme leitete das Unternehmen zur Prüfung an das Berliner Expertenbüro für Flugverfahrensplanung Airsight weiter. Das Büro hat festgestellt, dass neben den genannten Ablehnungsgründen aus dem Vorbescheidsantrag noch weitere luftfahrtrechtliche Restriktionen bestehen. Insbesondere geht es um den Anflug von Nordosten auf den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen. Sollte es hier zu Schwierigkeiten im Instrumentenanflug kommen, wäre eine Kollision mit den Windkraftanlagen nicht auszuschließen. Königswiesen liegt Luftlinie sechs, Buchendorf zehn Kilometer vom Flughafen entfernt.

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Den Glauben, dieses Problem im Gespräch mit der Deutschen Flugsicherung und dem Flugplatzbetreiber lösen zu können, hat Sing nicht mehr. „Der zeitliche Aufwand und die Kosten sind nicht absehbar“, sagte er am Freitag. Ob sich irgendwann ein anderer Investor finden wird und ob je in Gauting eine Windkraftanlage stehen wird, ist aktuell nicht seriös vorauszusagen. „Das wäre ein Blick in die Glaskugel“, so der Landrat. Für ihn ist nur eines klar: „Das ist ein Schlag für die Energiewende.“

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