Es konzentriert sich auf Königswiesen und Buchendorf

Infoabend im Bosco: Gemeinde will acht Windkraftanlagen bauen

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Standen Rede und Antwort: Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger hatte als Referenten Matthias Simon vom Bayerischen Gemeindetag (2.v.r.) sowie Ingenieur Robert Sing (r.) eingeladen, der die acht Windkraftanlagen auf Gautinger Gebiet umsetzen soll. Die Moderation übernahm Sebastian Pohl (l.).
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Dass Gauting Windkrafträder bekommt, war schon länger bekannt. Seit Mittwoch ist auch bekannt, wo: Vier im Königswieser und vier im Buchendorfer Forst.

Gauting – Etwa 150 Bürgerinnen und Bürger kamen am Mittwoch zur Infoveranstaltung Windkraft ins Gautinger Bosco. Lange Zeit blieb die dreistündige Veranstaltung sachlich, erst am Schluss wurde es hitzig, einige Windkraftgegner gaben emotionale Statements ab („Ich will nicht im Industriegebiet Wald spazieren gehen“). Die juristischen Grundlagen der Planung erläuterte Matthias Simon, beim Bayerischen Gemeindetag zuständig für Baurecht. Die Planung als solche Robert Sing aus Landsberg am Lech, Kooperationspartner der Gemeinde. Er hat auch die Berger Windräder realisiert. Die Moderation des Abends übernahm Sebastian Pohl von der Firma vom Mediatorenbüro Brainding. Vor der Pause standen die Fachvorträge der Experten auf dem Programm. Danach wurden Fragen beantwortet, die die Besucher vor der Pause auf Zetteln notieren konnten. Erst ganz am Schluss konnten direkt Fragen gestellt werden. Der Starnberger Merkur fasst die wichtigsten Punkte zusammen.

Wie viele Windkraftanlagen plant die Gemeinde?

Die Gemeinde geht mit acht Windkraftanlagen in die Planung. Theoretisch wäre es möglich, 16 Stück zu errichten, der Gemeinderat hat sich aber auf die Hälfte verständigt. „Wir mussten einen Kompromiss zwischen dem Eingriff in die Natur und dem dringenden Bedarf nach erneuerbarer Energie finden“, sagte der Referent für Umwelt und Energie im Gemeinderat, Hans Wilhelm Knape (Grüne). „In diesem Zwiespalt befinden wir uns.“ Der Beschluss wurde nahezu einstimmig im Oktober in nicht öffentlicher Sitzung gefasst. Jetzt geht es an die konkrete Planung, daher auch jetzt die Infoveranstaltung.

Wo sollen die Anlagen stehen?

Es sollen jeweils vier Windkraftanlagen im Königswieser Forst sowie im Wald bei Buchendorf errichtet werden. Ursprünglich waren drei weitere Flächen im Gespräch, nämlich bei Unterbrunn, Oberpfaffenhofen und südlich des KIM. In Unterbrunn und Oberpfaffenhofen stehen jedoch Belange der militärischen und zivilen Luftfahrt entgegen. Südlich des KIM weht der Wind zu schwach. Dort wäre Platz für zwei Anlagen gewesen.

Wer sind die Eigentümer der Flächen?

Die Flächen im Königswieser Forst gehören dem Freistaat Bayern (Bayerische Staatsforsten). Er ist auch Eigentümer von zwei Flächen in Buchendorf, eine weitere gehört der Gemeinde. Diese sieben Standorte sind gesichert, bei einem achten ist die Gemeinde optimistisch.

Wer darf bauen?

Grundsätzlich jeder, der einen Antrag stellt. Windkraftanlagen sind nämlich im Wald (Außenbereich) qua Gesetz privilegiert und brauchen laut Matthias Simon vom Bayerischen Gemeindetag nicht die Zustimmung des Gemeinderats. Er verwies darauf, dass der Landkreis Starnberg schon vor zehn Jahren im Außenbereich Vorrangflächen (Konzentrationsflächen) ausgewiesen hat. „Das hat der Steuerung gedient. Anderswo in Bayern gibt es Wildwuchs“, sagte er.

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Eben weil es jedem Investor freisteht, eine Windkraftanlage zu errichten, will Gauting das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen und die Bürger am Gewinn beteiligen. „So bleibt die Wertschöpfung in der Gemeinde“, sagte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. Für ein Ratsbegehren, wie von der Umweltinitiative Umwelt – Energie – Gauting gefordert, sieht sie angesichts der Rechtslage „keine Möglichkeit“.

Wie groß ist der Abstand zur Wohnbebauung?

Der Abstand zur Wohnbebauung zwischen den Anlagen im Königswieser Forst nach Hausen, Oberbrunn und Unterbrunn beträgt mindestens 1,1 Kilometer, in Buchendorf mindestens 1,2 Kilometer. Eine Wertminderung der Häuser ist nicht zu erwarten. „Das ist deutlich zu weit weg“, so Simon. In Mörlbach und Neufahrn, die an die Berger Windräder angrenzen und wo der Widerstand anfangs groß war, ist kein Wertverlust der Immobilien eingetreten.

Welche Dimension haben die Anlagen?

Die sogenannte Nabenhöhe – also die Stelle, an der die Rotorblätter zusammenlaufen - beträgt 167 Meter (zum Vergleich Berg: 149 Meter), die Gesamthöhe 255 Meter. Der Rotordurchmesser liegt bei 175 Metern. Der Flächenverbrauch beträgt 6000 Quadratmeter während der Errichtung und 3000 Quadratmeter während des Betriebs (permanenter Flächenverbrauch). Der für diesen Zweck abgeholzte Wald wird an anderer Stelle neu gepflanzt. Das Fundament reicht – anders als oft behauptet – nur einen halben Meter in die Erde.

Wie teuer ist ein Windrad?

Der Bau eines Windrads kostet laut Sing aktuell etwa zehn Millionen Euro. Darin enthalten ist das Geld für einen Rückbau. Das unterscheidet die Windkraft von Energieformen wie dem Atomstrom, wo die Folgekosten und -lasten den nächsten Generationen aufgebürdet werden. Ebenfalls darin enthalten sind die Kosten für juristische Auseinandersetzungen. „Es ist noch gegen jede Anlage geklagt worden“, so Sing.

Wie hoch ist der Ertrag?

Der Ertrag einer topmodernen Windkraftanlage liegt laut Sing bei etwa elf Millionen Kilowattstunden pro Jahr, also 44 Millionen Kilowattstunden bei vier Windkraftanlagen im Königswieser Forst. Damit könnten etwa 10 000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Etwa so viele Haushalte umfasst die Gemeinde Gauting insgesamt.

Warum müssen im windschwachen Bayern überhaupt Windkraftanlagen errichtet werden?

Tatsächlich wäre der Ertrag etwa an der Nordseeküste größer. Laut Sing läge er etwa beim Doppelten. Allerdings ist Bayern wegen der mangelhaften Verbindung zwischen dem Norden und dem Süden darauf angewiesen, vor Ort Windenergie zu erzeugen. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit in Gauting liegt bei 20,5 Stundenkilometern.

Welche Gefahr geht von den Anlagen für Vögel aus?

Dadurch, dass die neuen Anlagen höher sind als die früheren, hat sich die Gefahr für Rotmilan und andere Vögel reduziert. Um einige Anlagen herum hat sich deren Population sogar vervielfacht. In Fuchstal, wo das Ingenieurbüro Sing ebenfalls Anlagen realisiert hat, schalten sich die Anlagen automatisch ab, wenn sich etwa Fledermausschwärme im Abstand von 300 Metern nähern.

Wie lange bleiben die Windkraftanlagen stehen?

Die EEG-Vergütung läuft in 20 Jahren aus, doch das bedeutet nicht zwingend den Rückbau in 20 Jahren. „Sie werden erst dann abgebaut werden, wenn die laufenden Kosten höher als die Erlöse sind“, so Sing.

Wie funktioniert die Bürgerbeteiligung?

Damit die Wertschöpfung in der Gemeinde bleibt, ist eine Betreibergesellschaft nach Berger Vorbild („Bürgerwind Berg“) zu gründen. Ihr Sitz wäre im Gautinger Rathaus. 20 Prozent würde „S&T Bürgerenergie Planungs-GmbH“ von Robert Sing halten, zu 80 Prozent können sich die Bürger beteiligen. „Es ist ein Investitionsprojekt der Gautinger“, so Knape.

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Der Mindestanteil liegt bei 5000 Euro. Die Gemeinde will aber dafür Sorge tragen, dass man sich auch mit geringeren Beträgen beteiligen kann, und zwar über eine Kooperation mit der Energiegenossenschaft Fünfseenland. Die Rendite schätzt Sing auf sechs Prozent. Nächstes Frühjahr soll die Kartierung beginnen, in Juni oder Juli der Antrag eingereicht werden. Die Betreibergesellschaft könnte sich Mitte 2025 gründen.

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