VonVolker Ufertingerschließen
18 Tage lang tobte der Wiesn-Wahnsinn – und Erik Berthold war mittendrin. In der Hühnerbraterei Ammer trat er täglich zwischen 12 und 17 Uhr auf.
Gauting – 7,2 Millionen Gäste, 6,5 Liter Bier, Sonne ohne Ende: Das jüngste Oktoberfest war eine Wiesn der Superlative. Seinen Teil zum Gelingen beigetragen hat auch Berufsmusiker Erik Berthold. Zusammen mit Otto Göttler aus Zankenhausen (Landkreis Fürstenfeldbruck), bekannt vom Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn, rockte Berthold täglich zwischen 12 und 17 Uhr die Hühnerbraterei Ammer, eines der mittleren Zelte. „Es war wahnsinnig schön, aber auch wahnsinnig anstrengend“, sagt er nach 18 Tagen Entertainment nonstop.
Der Eindruck, den er mitgenommen hat, war der beste. „Die Leute waren auffällig friedlich und gut drauf“, sagt der Deutsch-Amerikaner (59), der viele Jahre lang das „Acoustic Corner“ in Oberpfaffenhofen betrieben hat. Woran das liegt, darüber kann er nur spekulieren. Lag es daran, dass die Leute heutzutage weniger Bier trinken als früher? Oder dass Polizei und Security so auf Zack sind? „Das ganze Drumherum ist heute viel professioneller geworden“, sagt er. „Kein Vergleich mehr mit früher. Es geht extrem zivilisiert zu.“
Den Wirt kennt Berthold aus dem Gautinger JUZ
Sein Bezug zum Ammer-Zelt rührt von seinen Gautinger Tagen her. Im Jugendzentrum lernte er einst den heutigen Gastronom Josef Schmidbauer kennen. Das Ammer-Zelt war Ende der 1990er-Jahre etwas altmodisch und nur zum Essen und Trinken da, zur Ausstattung gehörten unter anderem Teppichböden. Dass da plötzlich der Erik mit Gitarre auftauchte, kam einer kleinen Sensation gleich. In den vergangenen Jahren dürfte Berthold um die zehnmal dort aufgetreten sein, auch auf der „Oiden Wiesn“ war er schon zu hören. „Ich schau halt immer, ob es sich ergibt“, sagt er. Ein fester Termin im Kalender ist das Oktoberfest für ihn nicht zwingend.
Während sich die Millionen Besucher dem Vergnügen hingaben, bedeutete die Wiesn für den Musiker harte Arbeit. Inklusive Bühnenaufbau und -abbau war er täglich von 10 bis 19 Uhr vor Ort. „Gut, dass ich seit einem Jahr in Sendling wohne“, sagt er. „Da hatte ich kurze Wege.“
Gesund bleiben, war eine Herausforderung
Eine Herausforderung war es auch, angesichts von Millionen Besuchern und 1300 Arbeitskräften irgendwie gesund zu bleiben. „Vor allem die ersten Tage sind gefährlich, da ist die Wiesn ein totaler Hotspot.“ Auf Empfehlung seines Arztes habe er täglich zweimal inhaliert und sich abends immer geduscht. „Wenn die Stimme mal weg ist, ist sie weg“, weiß er aus Erfahrung. Lotterleben war für ihn also keine Option. „Dann schaffst du das nicht.“
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Die Musik, die er spielte, war populär – und musste es auch sein. „Ich spiele lieber Folk, Blues und Country und will natürlich, dass die Leute deswegen auf meine Konzerte gehen.“ Auf der Wiesn hingegen trat er als Dienstleister auf und gab den Leuten, was sie hören wollten – etwa Austropop. Immer wieder gefragt wurde nach „Country Roads“ von John Denver. „Das spiele ich immer gerne.“ Anderes hat er aus Niveaugründen abgelehnt. „Bei ,Cordula Grün‘ war bei mir Schluss.“
Insgesamt ist Berthold froh, dass es in Bayern Tourismus gibt und die Musik einfach dazu hört. Floßfahrten, die Wiesn: All das bringt Geld. Ob er sich die Strapaze namens Münchner Oktoberfest 2024 wieder antut, steht dennoch längst nicht fest. „Jetzt muss ich mich erst mal erholen.“

