VonVolker Ufertingerschließen
Die Grünen wollten erreichen, dass die Gemeinde die Patenschaft für Notinseln für Kinder übernimmt. Der Gemeinderat hat dies am Dienstag abgelehnt.
Gauting – Wie es heißt, sind in jüngerer Vergangenheit Kinder in Krailling und in Gauting von Fremden angesprochen worden. Viele Eltern waren sehr besorgt. Spätestens diese Vorkommnisse waren für die Gautinger Grünen der Anlass, so genannte Notinseln in Erwägung zu ziehen, die Kindern und Jugendlichen in großen und kleinen Not- und Gefahrensituationen Fluchtpunkte aufzeigen, in denen sie Schutz, Hilfe und Ansprechpartner finden. Dazu sollten unter anderem das Rathaus, der Einzelhandel, Apotheken und die Gastronomie zählen. Hinter dem Konzept steht die Kinderschutzstiftung „Hänsel + Gretel“.
Daraus wurde nun ein Antrag. Denn: Für das Konzept braucht es eine Koordinierung, und die soll laut Grünen beim Rathaus liegen. Wie Dr. Michaela Reißfelder-Zessin, zugleich Sozialreferentin des Gemeinderats, in der Sitzung am Dienstag erläuterte, sei das Notinsel-Projekt ein „kleiner, aber sinnvoller Baustein für ein kinderfreundliches Gauting“. Ehrenamtliche seien bereit, alles zu stemmen, was die Stiftung vorschreibt, von einer Einmalzahlung über 750 Euro bis zur Verwaltung. Sie versicherte: „Es sind keine Personalkapazitäten von Seiten der Gemeinde eingeplant.“ Starten würde das Projekt auch nur unter der Bedingung, dass die Gemeinde kein finanzielles Risiko trägt. Notinseln gäbe es bereits in 230 Standorten in Deutschland, darunter auch in Geretsried. „Dort hat man gute Erfahrungen gemacht. Wir könnten jemanden einladen, der uns davon berichtet“, schlug Reißfelder-Zessin vor.
Lesen Sie auch: Die Bilanz der Gautinger Polizei 2022
Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Harald Ruhbaum (MiFü) und Erster Vorsitzender des Gewerbevereins Zusammen für Gauting, hatte sich erkundigt. So wie kolportiert hätten sich die Vorfälle in Krailling und Gauting nicht abgespielt, sagte er. „Das hat sich nach meinen Recherchen alles in Wohlgefallen aufgelöst.“ Für die Händler sei es eine Selbstverständlichkeit, Kindern in Not zu helfen, da brauche es nicht zwingend eine Organisation. „Wenn etwas ist, kann man immer reinkommen, das ist doch klar.“
Matthias Platzer (CSU) konnte nicht nachvollziehen, warum die Gemeinde überhaupt involviert werden soll. Dies bedeute Mehrarbeit für die Rathausmitarbeiter. „Am Ende fällt doch wieder Verwaltungsaufwand an“, sagte er. Dem schloss sich Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger an. „Im Namen meiner Mitarbeiter sage ich: Das können wir nicht übernehmen.“ Das Personal sei ohnehin knapp und stark gefordert. „Warum soll immer die öffentliche Hand bürgerschaftliches Engagement übernehmen?“, fragte sie. Zudem sei Gauting in der glücklichen Lage, im Zentrum eine Schule zu haben. „Dort kann man sich immer hinwenden.“
Lesen Sie auch: Ein schwarzer Tag für Gauting jährt sich
Auch die FDP zeigte sich skeptisch. Markus Deschler bezweifelte, dass so etwas viel bringt – außer Marketing für die Stiftung. Britta Hundesrügge sagte: „Es ist eine Sache des gesellschaftlichen Zusammenhalts, so etwas ohne Institutionen zu schaffen.“ Dr. Andreas Albath (UBG) erklärte das Anliegen für „ehrenwert“, erinnerte aber an den Erziehungsauftrag der Eltern. An Ende wurde der Antrag mit 8:20 Stimmen abgelehnt. Dafür hatte außer den Grünen nur die Fraktionsgemeinschaft MfG/Piraten votiert.
