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Weniger Straftaten und eine Steigerung bei der Aufklärungsquote: So lässt sich die Bilanz der Polizeiinspektion Gauting für 2022 zusammenfassen.
Gauting – Die Zahl der Straftaten ist in Gauting rückläufig. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 617 Delikte erfasst. Das sind 57 oder auch 14 Prozent weniger als im letzten Vor-Pandemie-Jahr 2019. Die Aufklärungsquote ist indes gestiegen: 66 Prozent aller angezeigten Fälle wurden aufgeklärt. Das bedeutet gegenüber 2019 eine Steigerung von 4,9 Prozent. „Damit liegt die Belastung der Gautinger Bevölkerung mit Straftaten im Jahr 2022 bei 35,2 Fällen pro 1000 Einwohner“, erklärt Inspektionsleiter Andreas Ruch. Da es bayernweit 47 Fälle pro 1000 Einwohner sind, sagt er: „In Gauting lebt man sicherer als in Bayern.“
Schockanrufe sind ein großes Thema
Seit dem 1. Januar betreut die Gautinger Inspektion die Gemeinde Gilching mit. Die Bilanz bezieht sich jedoch auf das Jahr 2022, als zum Zuständigkeitsbereich der Inspektion die Gemeinde Gauting mit den Ortsteilen Hausen, Unter- und Oberbrunn sowie Gut Hüll, Frohnloh sowie die Gemeinde Krailling mit dem Ortsteil Pentenried gehört. Das entspricht 19 345 Einwohnern. Im vergangenen Jahr war Gauting noch die kleinste der drei Inspektionen im Landkreis. „Das hat sich durch die Übernahme von Gilching geändert“, so Ruch. Derzeit wird ein neues Inspektionsgebäudes an der Ammerseestraße gebaut. Fertig wird es wohl 2024.
Die Verkehrsbilanz 2022
Die PI Gauting verzeichnet für das vergangene Jahr 478 Unfälle, davon 80 mit Personenschaden. Leicht verletzt wurden 78 Bürger, schwer 19 und einer tödlich. Dabei handelt es sich um einen 81-jährigen Radfahrer, der im Juli zwischen Hochstadt und Oberbrunn von einem Lkw erfasst wurde. „Der positive Trend des Jahres 2021, keine Verkehrstoten beklagen zu müssen, setzte sich damit nicht fort“, so Oberkommissar Josef Schmid. Unfälle unter Alkoholeinwirkung zählte die Polizei vier, Unfallfluchten 102 (wovon 49 geklärt wurden). Hauptunfallursachen waren ungenügender Sicherheitsabstand (219), Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren (113), Geschwindigkeit (16) sowie Fehler beim Überholen (15). Unfallhäufungspunkte im Inspektionsbereich gibt es im Moment nicht. Die „Hauser Kreuzung“ bei Königswiesen wird von den Behörden weiterhin „kritisch beobachtet“.
Ein Schwerpunkt der angezeigten Straftaten liegt bei Diebstählen. 2022 waren es 138, 2019 waren es noch 123. Die Zahl ist also gestiegen. Positiv ist der Trend beim Diebstahl speziell von Fahrrädern, hier ging die Anzahl an Delikten von 48 vor der Pandemie auf 43 im vergangene Jahr zurück. Das entspricht einem Rückgang von 10,3 Prozent. Dieser Erfolg verdankt sich zivilen Fahndungsmaßnahmen mit Hilfe der 2021 angeschafften, nicht als Polizeiräder identifizierbare E-Bikes. „Mit ihrer Hilfe konnte im letzten Jahr zwei Fahrraddiebe auf frischer Tat erwischt werden konnten“, so Ruch.
Ein wichtiger Gradmesser für das Sicherheitsgefühl der Bürger ist die Zahl der Wohnungseinbrüche. Hier verzeichnet die Polizei nur einen einzigen Fall. 2019 waren es noch sechs. Bayernweit beträgt der Rückgang in diesem Deliktsbereich 34,5 Prozent, in Gauting gar 83,5 Prozent.
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Ein deutlicher Anstieg ist dagegen im Bereich Rauschgift erkennbar. Im Jahr 2022 betrug die Anzahl festgestellter Delikte 55 Fälle, gegenüber 32 Fällen im Jahr 2019. Dabei konnten insgesamt 50 Tatverdächtige ermittelt werden, davon zwölf weiblich. Was die Verbreitung pornographischer Schriften angeht, wurden der Gautinger Polizeiinspektion im vergangenen Jahr zehn Fälle angezeigt. 2019 wurden nur fünf Fälle aktenkundig. Die Verdoppelung hängt mit einer Gesetzesänderung zusammen. „Insbesondere in Chatgruppen von Jugendlichen und durch das Versenden von Nacktfotos tritt diese Kriminalitätsform häufig auf“, so Ruch. Die Gautinger Polizei setzt auf Prävention, etwa durch ihre Jugendbeamten in den Schulen.
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Ein Dauerbrenner sind nach wie vor die falschen Polizeibeamten. Insbesondere durch Schockanrufe bei Senioren versuchen die Anrufer, ihre Opfer um deren Ersparnisse zu bringen. „Glücklicherweise bleiben die allermeisten Fälle dank intensiver Öffentlichkeitsarbeit in den Medien und durch Vortragsarbeit vor Ort im Versuchsstadium stecken“, erklärt Polizeichef Andreas Ruch. Aber: Am 30. März 2022 war die Masche erfolgreich, als eine 85-jährige Gautingerin um ihren Goldschmuck im Wert von 25 000 Euro gebracht wurde.
Ende November übergab eine 89-jährige Gautingerin Unbekannten sogar 75 000 Euro. Ihr wurde am Telefon vorgegaukelt, dass sie mit dem Geld ihre Tochter vor der Haft verschonen könnte. Diese, so die Betrüger, hätte einen tödlichen Unfall verursacht.
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