„Wir stehen in den Startlöchern“

Sinn Power aus Gauting entwickelt schwimmende Fotovoltaikanlagen

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Energiegewinnung von morgen: Im kretischen Hafen Heraklion steht eine Teststation von Sinn Power.
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Die Welt braucht dringend Energie. Die Firma Sinn Power aus Gauting leistet dafür einen ebenso einfachen wie genialen Beitrag.

Gauting – Ein Blick auf den Globus zeigt: Die Welt besteht aus deutlich mehr Wasser als Erde. Das Verhältnis liegt bei 71 und 29 Prozent, um genau zu sein. Diesen Umstand macht sich Sinn Power, mit Sitz an der Germeringer Straße in Gauting, zunutze. Das Unternehmen entwickelt PV-Anlagen für Lagunen, Seen und Ozeane. „Auf das Wasser auszuweichen, ist ein logischer Schritt“, sagt Pressesprecherin Eva-Maria Völkel. Die Kapazitäten auf dem Land sind begrenzt, auch wegen vieler Bebauungsbeschränkungen. Anders auf dem Wasser, wo schier unbegrenzt Platz zur Verfügung steht. Und effektiv ist es auch noch. „PV-Paneele können dort ertragreicher sein, weil die Reflexion durch das Wasser und der kühlende Effekt den Output maximieren“, so Völkel.

Seit einem Jahr sind die Anlagen marktreif

Gegründet hat das Unternehmen Philipp Sinn (44) vor acht Jahren. Der Sohn des bekannten Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn hat auf einer Privatschule in Nymphenburg Abitur gemacht, auf dem Kings College in London Wirtschaftsingenieur studiert und in München in Maschinenbau seinen Master gemacht. Wegweisend ist das Thema seiner Dissertation gewesen: über die Gewinnung von Strom aus den Bewegungen von Wellen. Marktreif sind die schwimmenden PV-Anlagen – Standardgröße 72 x 72 Meter – seit über einem Jahr. Und sie kommen genau zur richtigen Zeit.

Philipp Sinn, Unternehmensgründer

Sinn Power bietet drei verschiedene Plattformlösungen. „SOcean“ wurde speziell für den Hochseebereich entwickelt und hält Wellenhöhen von bis zu 20 Metern stand. Die „SLagoon“ eignet sich für küstennahe Bereiche. Dort können sich die Wogen immerhin noch bis auf 8,5 Metern auftürmen, ohne dass die Technik Schaden nimmt. Die „SLake“ ist für Seen mit moderatem Wellengang gedacht. „Es handelt sich immer um Lösungen, die genau auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmt sind und weit über klassische Freiflächen-Anlagen hinausgehen“, so Völkel. „Wir sind da sehr kreativ.“ Die Homepage nennt aktuell sieben realisierte Projekte.

Anfragen kommen aus der ganzen Welt

Wichtig für Sinn Power war das sogenannte Osterpaket zum beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien. Dort wurde definiert, wie künstliche Gewässer für schwimmende PV-Anlagen genutzt werden können. „Wir sind jetzt so weit, unsere Lösungen zu realisieren“, erklärt Eva-Maria Völkel. „Wir stehen insbesondere in den Startlöchern, ,SLake‘ auf Deutschlands Seen zu bringen.“ Erste Anfragen kommen aus dem Industriesektor – Stichwort Kies- und Betonwerke. Auch im Mittelmeerraum hat Sinn Power Aufmerksamkeit erregt. Es geht um die Stromversorgung von Häfen und Hafenstädten. Und auch aus Indien und anderen Ländern landen immer wieder Anfragen auf dem Schreibtisch von Philipp Sinn.

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Sein Unternehmen hat mehr als 30 Mitarbeiter an drei Standorten: Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Gauting, die Produktionshalle liegt in Gilching. Weitere Standorte sind in Bodrum in der Türkei und Heraklion in Griechenland. In der Hafenstadt von Kreta wird seit 2016 getestet, in welchem Maß sich aus den Bewegungen von Meereswellen Strom gewinnen lässt.

Die Anlagen amortisieren sich extrem schnell

Die schwimmenden PV-Anlagen von Gauting fallen in eine Zeit, in der ökonomisch und ökologisch ein großes Umdenken stattfindet. „Viele Unternehmen möchten fossilen Brennstoffen den Rücken kehren und suchen nach grünen und effizienten Alternativen“, so Völkel. Auch der Faktor Geld spielt längst eine Rolle. „Angesichts der explodierenden Energiekosten rentiert sich die Installation einer schwimmenden PV-Anlage sehr schnell. Dadurch können Unternehmen eine langfristige Stromstabilität erzielen und sich vom Energiemarkt unabhängig machen.“ Man muss kein Prophet sein, um zu wissen: Sinn Power gehört die Zukunft.

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