Bio-Gemüse aus der Region

Geacker hat sich gelohnt

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Ackern gern: (v. li.) Ulla Biermann, Mitbegründer Heiner Schwab, Günter Hausler sowie Andreas und Felizitas Zens.

Freude unter den Hobby-Gärtnern: „Lenggriesa Acker“ wirft in der vierten Sommersaison einen sehr guten Ertrag ab.

Lenggries – Längst rührt fast niemand mehr einen Finger, wenn es um die Beschaffung der täglichen Mahlzeiten geht. Ganz bequem wird Gemüse und Obst im Supermarkt gekauft. Ob es aus Kolumbien oder der Türkei stammt, ist völlig egal. Um dieser Lebenseinstellung entgegenzuhalten, setzt sich die Lenkungsgruppe „Ackern im Oberland“ für eine ganzjährige Selbstversorgung mit Bio-Gemüse in der Region ein.

Solch’ einen Acker gibt es seit Ende 2015 auch in Lenggries. Heiner Schwab von der Aktionsgruppe Zivilcourage im Landkreis und Rose Beyer von der Kreisgruppe des Bund Naturschutz haben ihn gegründet. Ihr Ziel: Das Wissen rund um den ökologischen Ackerbau fördern und weitergeben. Zum Konzept gehört, dass jede beteiligte Person in irgendeiner Form bei den Aufgaben der zehn Arbeitsgruppen mitarbeitet. Dazu gehören beispielsweise das Auf- und Abbauen des Elektrozauns, die Pflege der Werkzeuge oder Hilfe bei der Bepflanzung.

Jetzt zur Erntezeit zahlen sich die vielen Mühen aus. Andreas Zens (47) zum Beispiel nimmt regelmäßig über einen Zentner Tomaten und massenhaft Kürbisse, Zucchini und Brokkoli mit nach Hause. „Meine Frau kocht dann alles ein oder stellt Ketchup und Sauerkraut her“, so Zens. Er ist von Anfang an mit dabei, um seinen fünf Kindern eine bewusste und gesunde Ernährung vorzuleben. „Wenn jeder mal sein Essen selbst anbauen würde, hätten wir eine ganz andere Wegwerfkultur.“

Für eine Familie zu viel Obst und Gemüse

Auch Ulla Biermann kann sich über den diesjährigen Ertrag nicht beschweren. „Für meine Familie alleine ist es sogar zu viel, wir verschenken viel an unsere Nachbarn“ so Biermann. Sie findet es faszinierend, dass aus einem Stück brauner Erde ein fülliger Gemüsegarten entstehen kann. Die 63-jährige Lehrerin betreibt seit zwei Jahren eine eigene Parzelle. „Jedes Jahr steht man vor neuen Aufgaben, heuer haben mich zum Beispiel Kartoffelkäfer und Wühlmäuse geplagt.“

Sein erstes Jahr als Selbstversorger hat Günter Hausler (Kellner, 58) fast hinter sich gebracht. „Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß und ich finde es wichtig, dass die Menschen anfangen, mehr auf ihren ökologischen Fußabdruck zu achten“, so Hausler. Da ist regionales Biogemüse aus eigenem Anbau ein guter Start. „Früher war es normal, dass man bei den Eltern auf dem Feld mitgearbeitet hat.“ Diese Tradition will auch Andreas Zens wieder aufleben lassen – und seine Kinder sind begeistert. Es scheint zu klappen. Zur Demonstration zieht Tochter Felizitas mit einem Handgriff ein Bündel riesiger Karotten aus der Erde, das sogleich genüsslich verspeist wird.

Bewerbung um Parzellen im Internet möglich

Abgeschlossen wird die Saison mit dem Erntedankfest. Der allmonatliche Stammtisch im „Altwirt“ wird aber auch während der Wintermonate weitergeführt. Für nächstes Jahr können sich Interessierte über die Internetseite des Ackers für eine Parzelle bewerben. „Wir geben am Anfang einige Vorbereitungskurse und helfen bei der Bepflanzung“, erklärt Initiator Heiner Schwab. Für solche Instruktionen sind auch erfahrenere Hobby-Gärtner noch dankbar. „Ich bin den netten Profis sehr dankbar“, sagt Ulla Biermann. „Denn manchmal ist man sich nicht sicher, ob da jetzt Unkraut oder die erwünschte Kürbispflanze aus dem Boden sprießt. (Theresas Pfund)


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