Kommunalwahl 2020

Gemeinderätin aus Kranzberg: „Jetzt müssen alle bereit sein für einen Neustart“

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Nach der Wahl in Kranzberg: Gemeinderätin richtet flammenden Appell an politische Fraktionen.
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Mit einem flammenden Appell hat sich eine Kranzberger Gemeinderätin an ihre Gremiumskollegen gewandt. Dazu zählen auch fünf neue Räte.

VON MANUEL ESER

Kranzberg – Als Bürgermeister haben die Wähler Hermann Hammerl ein Traumergebnis beschert. Eine Fraktionsmehrheit hat der 59-Jährige im Gemeinderat aber nicht. Im Gegenteil: Seine FWG hat im Vergleich zur Wahl 2014 sogar einen Sitz eingebüßt. Kopfzerbrechen bereitet ihm diese Situation allerdings nicht. Schließlich stünde in der Gemeinde Parteienpolitik nicht im Vordergrund. „Es geht um Sachentscheidungen. Da setze ich auf eine gute Zusammenarbeit.“

Den Eindruck, dass der Gemeinderat in sich tief gespalten ist, teilt Hammerl nicht. „Ich habe nachgesehen: 90 Prozent der Entscheidungen, die wir im vergangenen Jahr getroffen haben, sind einstimmig ausgefallen“, betont er. Bei den restlichen zehn Prozent der Beschlüsse habe es lediglich ein oder zwei Gegenstimmen gegeben, was in der Demokratie ohnehin legitim sei. Und letztlich gebe es nur drei Themen, bei denen es sehr entgegengesetzte Meinungen gebe: das Mehrgenerationenhaus, die Mittagsbetreuung an der Schule und Sanierung oder Neubau einer Turnhalle. „Da geht es eben auch um Prestige.“

Appell von Kieslinger: „Zankereien wollen die Leute nicht mehr“

In seiner Fraktion kann Hammerl auf die etablierten Kräfte setzen. Sämtliche FWG-Räte im neuen Gremium haben bereits dem alten angehört. „Das ist eine Bestätigung des Wählers, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Sonja Kieslinger (FWG), die nach Hammerl die meisten Stimmen als Kandidatin auf sich vereint hat. Es sei ein Vorteil, in der schwierigen Lage mit altbewährten Kräften am Start zu sein. Kieslinger mahnte aber auch an: „Jetzt müssen alle bereit sein für einen Neustart. Zankereien wollen die Leute nicht mehr.“

CSU-Vorsitzender: „Gräben zuschütten“

Das sieht auch Roland Haslbeck (CSU) so. „Wir müssen die Gräben zuschütten.“ Dazu könnten gerade auch die neuen Räte beitragen, zu denen der CSU-Vorsitzende selbst ebenfalls zählt.

Frische Kräfte bieten die drei anderen Fraktionen im Gemeinderat: CSU, KGL und SPD. Wahlgewinner ist dabei die SPD. Erlitt Anton Hierhager als Bürgermeister-Kandidat mit 34 Prozent der Stimmen eine herbe Niederlage, hat er als Gemeinderat die drittmeisten Stimmen aller Bewerber geholt. Zudem hat seine Liste als einzige Fraktion einen Sitz dazugewonnen. Neben Hierhager vertritt auch seine Tochter Verena Nerl künftig SPD-Positionen im Gemeinderat.

Neue Rätin: voller Tatkraft und ohne Scheu

In einem Gefühlsspektrum zwischen Schockstarre und kämpferischer Vorfreude befand sich Verena Nerl dann auch nach der Wahl. „Dass mein Vater bei der Bürgermeisterwahl nur so wenige Stimmen erhalten hat, finde ich jammerschade“, sagt sie. „Ich werde mich aber voller Tatkraft für unsere guten Ideen einsetzen. Und ich scheue mich auch nicht davor zurück, mich mit anderen im Diskurs auseinanderzusetzen.“

Für eine kritische Haltung und Diskussionsfreude stand auch Sebastian Ströhl. Der KGL-Rat wurde aber trotz aussichtsreichem Listenplatz nicht mehr in den Rat gewählt. Ströhl nahm es positiv auf. „Ich bin nicht traurig“, versichert er. „Im Gegenteil: Ich freue mich, dass frische Kräfte neue Impulse bieten.“ Für ihn sei es ein Abschied ohne Wehmut: „Es waren tolle Jahre, in denen ich für meine Überzeugungen gekämpft habe. Ich verlasse das Gremium mit geradem Rücken.“

Der neue Gemeinderat in Kranzberg

So setzt sich das Gremium künftig zusammen:

FWG (6): Sonja Kieslinger, Ursula Enghofer, Monika Mühl, Silvia Tüllmann, Georg Hammerl und Georg Neumair

CSU (4): Andreas Adldinger, Franz Braun, Roland Haslbeck (neu) und Petra Horneber (neu)

KGL (4): Florian Vierthaler, Martin Oberprieler, Konrad Neumair (neu) und Rudolf Wildgruber (neu)

SPD (2): Anton Hierhager und Verena Nerl (neu)

Nicht mehr im Gremium: Sebastian Ströhl (ursprünglich FWG, später KGL), Johann Halbinger und Johanna Haslbeck (CSU) sowie Wolfgang Badhorn und Anton Westermeier (KGL).

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