VonAlois Ostlerschließen
Aus dem ehemaligen Discounter am Friedzaunweg in Kochel wird eine Produktions- und Lagerhalle für Hundefutter. Die geplante Nutzungsänderung für den früheren PennyMarkt sorgte am Dienstag für Aufsehen in der Kochler Gemeinderatssitzung.
Kochel am See – „Ich bin unmittelbarer Nachbar und mache mir Sorgen“, sagte Ralf Burmeister. Als Zuhörer nutzte er zu Beginn der Gemeinderatssitzung die „Frageviertelstunde“. Nach Bekanntwerden der Pläne habe er sich gleich schriftlich an die Gemeinde und ans Landratsamt gewandt. Burmeister befürchtet Geruchs- und Lärmbelästigungen, wenn in der ehemaligen Supermarkt-Halle künftig Hundefutter produziert und abgefüllt werden soll. Konkret wollte Burmeister wissen, auf welcher Gebäudeseite die Abluftventilatoren angebracht werden sollen. „Wenn hier täglich tonnenweise Fleisch verarbeitet wird“, dann sei das seiner Meinung nach mit Unannehmlichkeiten für die Anlieger verbunden.
Hier müsse vor allem darauf geachtet werden, dass der Immissionsschutz eingehalten werde, ergänzte Gemeinderat Jens Müller (UWK) im Anschluss an die Wortmeldung. Der Rechtsanwalt ist selbst Anlieger am Friedzaunweg und wies deshalb darauf hin, dass „der Leidensdruck der dortigen Bewohner zwischen Bahnhof und Gerwebegebiet nicht unbeträchtlich“ sei. Er vertraue aber auf das Versprechen des Antragsstellers, dass die Nutzungsänderung keine Beeinträchtigungen für die Anwohner zur Folge habe.
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Das versichert Max Ketterl auch im Gespräch mit unserer Zeitung. Der 64-jährige Unternehmer aus Benediktbeuern ist Gründer und Inhaber der „Loisachtaler Hundenaturkost“. Mit der Firma hat er sich vor fünf Jahren selbstständig gemacht – als Hundeliebhaber nach schlechten Erfahrungen mit gängigem Industriefutter. Die Nachfrage nach hochwertiger Hundenaturkost habe rasch zugenommen. „Der Markt für ehrliches Futter ohne chemische Zusätze wächst ständig“, sagt Ketterl. Bisher werden die Produkte der „Loisachtaler Hundenaturkost“ von einer kleinen Firma produziert und abgefüllt. Ketterl vertreibt das Futter vorrangig in Bayern und Baden-Württemberg. Wegen der großen Nachfrage wolle er künftig selbst in die Produktion einsteigen. Dafür eigne sich der ehemalige Penny-Markt, den seine Firma bereits als Lagerhalle nutze.
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In Kochel soll laut Ketterl – vorbehaltlich der noch ausstehenden Genehmigung durch das Landratsamt – tierisches Fleisch verarbeitet und in einem speziellen Herstellungsverfahren in Dosen abgefüllt werden. Erst dann werde es gegart und so haltbar gemacht. Das sei mit keinerlei unangenehmen Gerüchen verbunden. „Hier wird Fleisch in Top-Qualität angeliefert und verarbeitet – wie das vergleichsweise auch in einer Metzgerei geschieht.“ Für die Nachbarn sei das auch nicht mit Lärm verbunden. Der ist nach Einschätzung Ketterls künftig wesentlich geringer als früher von hunderten Autofahrern, die am Supermarkt ihre Einkäufe erledigt haben.
Die eigentliche Behandlung der beantragten Nutzungsänderung durch den Kochler Gemeinderat war dann unspektakulär. Das gemeindliche Einvernehmen wurde einstimmig erteilt, da das geplante Vorhaben grundsätzlich zulässig sei. Bürgermeister Thomas Holz wies darauf hin, dass man die Sorgen und Bedenken der Anlieger ernst nehme. Das Kreisbauamt sei angehalten, die Immissionen zu überprüfen.
Das Gebäude am Friedzaunweg war bis 2016 von Penny als Supermarkt genutzt worden. Der Lebensmittel-Discounter gab den Standort damals auf, weil er zu klein war. Im Sommer 2016 hat dann ein Kochler Dachdecker-Unternehmen den Markt gekauft.
