„Da ist noch Luft nach oben“

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Panoramatour zeigt die „Neue Mitte“

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Schöne neue Welt: Auf einer Panoramatour im Internet kann man sich virtuell auf dem Karl-Lederer-Platz umsehen

Am Karl-Lederer-Platz wird groß gebaut. Wie die „Neue Mitte“ nach der Zentrumsgestaltung aussehen soll, zeigt eine Panoramatour im Internet. Sie kommt nicht bei jedem gut an.

Geretsried – Eine dezente Fahrspur, viel Aufenthaltsfläche mit etwas Wasser und ein paar Bäumen, auf der junge Menschen entspannt abhängen. Das ist die „Neue Mitte“ am Karl-Lederer-Platz. So sieht sie zumindest in der Visualisierung aus, durch die sich neugierige Bürger im Internet klicken können. Eine 360 Grad-Panoramatour macht es möglich.

Während die Bauarbeiter am Karl-Lederer-Platz noch voll am Werk sind, ist das Ergebnis der Zentrumsgestaltung auf dem Informationsportal der Stadt zur „Neuen Mitte“ bereits seit gut zwei Wochen zu sehen. Nachdem die Stadt am Mittwoch über das soziale Netzwerk Facebook auf die Panoramatour aufmerksam machte, wird die Umgestaltung rege kommentiert. Von „Betonwüste“ über „ist noch Luft nach oben“ bis hin zu „mir gefällt’s“ reichen die Urteile.

Wer die Diskussionen des Stadtrats im Laufe dieses Jahres aufmerksam verfolgt hat, weiß, dass das ein oder andere Detail des virtuellen Karl-Lederer-Platzes nicht vorhanden sein wird, wenn der echte im Herbst eröffnet wird. Da wären zum Beispiel die Überspannung des Platzes mit Lampen an Stahlseilen, ein sogenannter Sternenhimmel, und die Mediensäule, die den Aufzug zur Tiefgarage ummanteln hätte können. Beides wurde im Stadtrat abgelehnt.

Dass Änderungen in der Ausgestaltung vorbehalten sind, darauf weist die Stadt auf ihrer Internetseite hin. Den Grund für diese Abweichungen nennt Ute Raach, geschäftsführende Beamtin im Rathaus, auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Panoramatour wurde erstellt, als der Stadtrat noch nicht alle Details beschlossen hatte. Online steht das Angebot erst jetzt, weil noch „Kleinigkeiten technischer Art überarbeitet werden mussten, damit es auf unserer Homepage funktioniert“.

Schlimm findet Raach es nicht, dass die Panoramatour nicht auf dem neuesten Stand ist. „Es geht um den Gesamteindruck“, sagt die geschäftsführende Beamtin. Die Ansicht würde Stadträten und Bürgern zeigen, wie der Platz im Großen und Ganzen aussehen wird. „Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen. Es ist spannend, so eine Rundschau zu haben“, findet Raach. Der virtuelle Rundgang wurde im Rahmen des Baustellenmarketings erstellt. „Die Panoramatour soll helfen, eine bessere Vorstellung zu haben und Lust auf den Platz machen.“ Kosten: 4500 Euro.

Ob die Panoramatour nochmal aktualisiert wird, sei nicht besprochen. „Ich halte es aber nicht für notwendig. Der Platz ist ja bald in live begehbar“, erklärt Raach. Aktuell wird noch an den neuen Wohn- und Geschäftshäusern PulsG und Centrum20 gearbeitet. Seit Mai wird der Karl-Lederer-Platz wiederhergestellt und umgestaltet. Wie berichtet soll die Oberfläche aus eingefärbtem Bitumen bestehen, für Aufenthaltsqualität sollen ein Wasserfilm, Pflanzen, Sitzgelegenheiten und Kunstobjekte sorgen. Nachts erhellen Lichtstelen und Effektbeleuchtung den Platz. Wie der Verkehr geregelt wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Was in den Facebook-Kommentaren zum umgestalteten Karl-Lederer-Platz überwiegt, ist der Wunsch nach mehr Grün. Davon ist bei dem virtuellen Rundgang nicht viel zu sehen. Allerdings bildet die Panoramatour auch in Sachen Bäume nicht exakt die Planung ab. „Der Stadtrat hat sich für 18 große Exemplare, teils mit Unterpflanzung entschieden“, erklärt Raach. Mehr als das Grün am Wasserfilm wird es aber nicht geben. Entsprechend der Anregungen aus dem veranstalteten Bürgerworkshop vereine der Platz Aufenthaltsqualität und Veranstaltungsfläche. Aber: „Man hat versucht, die Bäume so groß und üppig als möglich zu machen.“

Dass Visualisierung und Realität so ihre Unterschiede haben, merkt man auch an anderen Dingen. Auf dem virtuellen Karl-Lederer-Platz sind weder Senioren noch Kinder zu entdecken. Dafür immer wieder die gleichen jungen Menschen. Fahrräder stehen überall auf dem Platz verteilt – trotz ausreichender Fahrradständer.  sw

Die Panoramatour

findet man im Internet auf www.neuemitte-geretsried.de

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