In Sachen Bürgerbeteiligung war 2018 viel in Geretsried geboten. Bürgermeister Michael Müller will damit weitermachen - aber etwas anders als vergangenes Jahr.
Geretsried – Fast 500 Lebkuchenherzen mit dem Stadtwappen hat Bürgermeister Michael Müller vergangenes Jahr verteilt. In Sachen Bürgerbeteiligung waren in Geretsried neue Formate geboren worden. Es gab eine Planungswerkstatt, bei der Geretsrieder ihre Ideen zur Gestaltung der „Neuen Mitte“ einbringen konnten. Unter dem Titel „Dein Geretsried – Dialog direkt“ tourte der Rathauschef mit der Verwaltung durch die Stadtteile.
In diesem Jahr wird es zwar keine Lebkuchenherzen geben, mit der Bürgerbeteiligung soll es das aber nicht gewesen sein. „Wir wollen weitermachen“, sagt Müller im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Ergebnis aus der Klausurtagung, die der Stadtrat im Februar abgehalten hat, soll das Stadtleitbild 2025 heuer in aktualisierter Form gedruckt und an alle Haushalte verteilt werden. Es stammt aus dem Jahr 2001 und wurde vor etwa sechs Jahren fortgeschrieben.
Zuletzt hatte der Bürgermeister das Stadtleitbild als „buntes Wünsch-dir-was“ kritisiert und eine Priorisierung gefordert. Der Stadtrat klassifizierte nun die Zielvorgaben und Handlungsempfehlungen danach, was erreicht wurde, was derzeit bearbeitet wird, was noch offen und was nicht umsetzbar ist.
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„Wir konnten in den vergangenen Jahren einen großen Teil der im Leitbild enthaltenen Themen anpacken und umsetzen“, so Müller. Der Bewegungsparcours entspringt beispielsweise dem Stadtleitbild. Einige Punkte seien jedoch überholt, zum Beispiel im Bezug auf die Energiewende, da das Geothermieprojekt in Gelting gescheitert ist. Mit der Neuauflage solle die aktuelle Situation transparent dargestellt werden. „Die Hotline zum Stadtleitbild besteht weiterhin“, so der Bürgermeister. Geretsrieder können sich mit Fragen und Anregungen telefonisch an die Pressestelle im Rathaus wenden.
Daneben möchte Müller bestehende Angebote fortsetzen. Neben seiner wöchentlichen Bürgersprechstunde halte er weiterhin einmal pro Quartal eine offene Bürgersprechstunde auf dem Grünen Markt ab. „Da ist die Hemmschwelle geringer“, weiß Müller. Die Bürgerversammlungen will er weiterhin in den Stadtteilen abhalten. Nach Stein findet sie heuer im Feuerwehrhaus in Gartenberg statt. Ein fortlaufender Prozess, der oft vergessen werde, sei außerdem die Bürgerbeteiligung im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“. Hier kann jeder Geretsrieder Projekte vorschlagen, über die die sogenannten Quartiersbeiräte – sie bestehen wiederum aus Bürgern – in Stein, am Johannis- und am Neuen Platz abstimmen.
Die Vorschläge, die Bürger bei der Planungswerkstatt eingebracht haben, sind in die Oberflächengestaltung des Karl-Lederer-Platzes eingeflossen. „Wir befinden uns in der Umsetzungsphase“, berichtet Pressereferent Thomas Loibl. Zu gegebener Zeit solle ein Beteiligungsprozess für die Egerlandstraße, an der als nächstes gebaut wird, folgen. Müller: „Ein Termin steht noch nicht fest.“ Für den Bürgermeister war die Planungswerkstatt in ihrer qualifizierten Form der richtige Weg, wie er sagt. „Man sorgt sich natürlich immer, was da raus kommt, weil es davon abhängt, wie engagiert die Bürger sind.“ Doch es seien gute Ergebnisse herausgekommen, die den Stadtrat in seiner Entscheidung stärken würden.
Hilfreich seien für ihn auch die Gespräche anlässlich der Reihe „Mein Geretsried – Dialog direkt“ gewesen. Sicher könne er nicht jedes Problem lösen. Heraus stach für ihn aber die Wohnungssuche. Die Einzelschicksale blieben ihm im Hinterkopf. „Das bestärkt mich, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.“ Die Reihe sei ein gutes Format gewesen. „Wir haben andere Bürger erreicht, als ins Rathaus kommen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Format anlassbezogen fortgesetzt wird.
sw