Es ist eines der größten Wohnbauprojekte in Bayern: 768 Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Lorenz-Areal entstehen. Am Dienstagabend nahm der Bebauungsplan die vorletzte Hürde.
Geretsried – Die Stadt steht unverändert hinter den Plänen für das ehemalige Lorenz-Areal. Wie berichtet möchte die Krämmel-Unternehmensgruppe an der Banater Straße ein neues Quartier mit 768 Wohnungen, einer Kindertagesstätte, einem Boarding-House und einer Bäckerei mit Café bauen. Der Entwicklungs- und Planungsausschuss bereitete am Dienstag den Weg: Das Gremium empfahl dem Stadtrat einstimmig, den Bebauungsplan als Satzung zu beschließen.
Vorangegangen war eine vierstündige Sitzung, in der vier Rathausmitarbeiter die eingegangenen Stellungnahmen und die Antworten der Stadt in verteilten Rollen vorlasen. Zweimal lag der Bebauungsplan aus, während dieser beiden Fristen äußerten sich Behörden, Firmen und Bürger zu dem Vorhaben. Zusammen mit den Abwägungen durch das Bauamt füllt der Schriftverkehr 98 Seiten. Stellungnahmen werden nicht immer in dieser Genauigkeit öffentlich behandelt. Offensichtlich ist die Stadt darauf bedacht, im Verfahren besonders sorgfältig zu arbeiten und keine Angriffsfläche zu bieten.
Die Bauer Group droht wie berichtet mit einer Klage. „Unsere Mandantschaft wird sich gegen die Planung erforderlichenfalls auch gerichtlich zur Wehr setzen“, las Michael Schlenz vom Geretsrieder Bauamt aus der Stellungnahme des Anwalts des Unternehmens an der Bayerwaldstraße vor. Das Verfahren würde sich über mindestens fünf bis zehn Jahre hinziehen, währenddessen sei keine relevante Bautätigkeit möglich.
Die Beanstandungen sind vielfältig: Auf 15 Seiten kritisiert der Anwalt den Standort als „nicht geeignet“ und die schalltechnischen Betrachtungen aus diversen Gründen als „offensichtlich fehlerhaft“. Bedenken äußert er auch hinsichtlich der verkehrlichen Auswirkungen, des Brandschutzes und der städtebaulichen Verträglichkeit.
Zudem forderte der Anwalt im Namen der Bauer Group eine Prüfung der Leistungsfähigkeit des Vorhabenträgers, also der Krämmel-Unternehmensgruppe. Ein Scheitern des Vorhabens „auf halbem Weg“, das in mehreren Bauabschnitten umgesetzt werden soll, hätte eine „irreparable städtebauliche Katastrophe“ zur Folge, zitierte Schlenz den Vertreter des Kompressorenherstellers.
Neben der Stellungnahme Bauers gab es weitere Einwände und Hinweise. Das Kreisbauamt hofft beispielsweise, dass die geplante städtebauliche Lösung auf dem Wohnungsmarkt akzeptiert wird und kein neues „Neuperlach-Süd“ entsteht. Und Anwohner der Egerlandstraße kritisierten unter anderem das Ausmaß der Hochhaussiedlung. „Wir wollen nicht in einer scheußlichen Stadt leben, sondern in Geretsried. Wohnraum ja, aber nicht in der Masse“, heißt es in ihrer Stellungnahme.
In ihren Abwägungen betont die Stadt im Wesentlichen den dringenden Bedarf an Wohnraum. Aus diesem Grund werde der Trennungsgrundsatz von Wohnen und Gewerbe überwunden. Bei der Vergabe soll das Geretsrieder Modell zum Tragen kommen – je 30 Prozent geförderte und freifinanzierte sowie 40 Prozent Eigentumswohnungen. Geretsrieder Bürger bekommen den Erstzugriff. „Das Vorhabengebiet ist derzeit der bestgeeignete Standort zum zeitnahen Schaffen von dringend bezahlbarem Wohnraum“, las Anne-Sophie Schmidt, Fachbereichsleitung Bauen, vor.
Hinsichtlich des Immissionsschutzes verweist das Bauamt auf Gutachten. „Die umliegenden gewerblichen Nutzungen werden in ihren Tätigkeiten nicht tangiert“, heißt es. Auch die Verkehrssituation wurde gutachterlich untersucht. An der Einmündung Elbe-/Blumenstraße ist eine Ampel nötig. Der Knotenpunkt sei jedoch gesondert zu betrachten, da er auch ohne das Bauvorhaben überlastet ist und optimiert werden müsse.
Speziell in Bezug auf die Stellungnahme der Bauer Group betont die Stadt gemeinsame Gespräche, in denen sie und der Vorhabenträger sich „durchaus sehr konstruktiv auf den Betrieb zubewegt“ hätten. Sie sei sich dem Prozessrisiko, das immer besteht, bewusst. „Die Stadt hat aber im Zusammenwirken mit den beteiligten Fachplanern das Möglichste getan, um alle Belange zu einem gerechten Ausgleich zu bringen.“
sw
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