Der Stadtrat hat in Sachen Lorenz-Areal die Richtung vorgegeben. Es ist jetzt ein Wohngebiet. Die Firma Bauer fühlt sich dadurch in ihrer Existenz bedroht.
Geretsried – Der Geretsrieder Stadtrat hat dem Wohngebiet auf dem ehemaligen Lorenz-Areal an der Banater Straße den Weg geebnet. Das Gremium beschloss die Änderung des Flächennutzungsplans, womit die bisherige Sondergebietsfläche für großflächigen Einzelhandel in Wohnfläche umgewidmet wird. Die Stadträte Dominik Irmer (Freie Wähler) und Arthur Wolfseher (SPD) stimmten dagegen. Robert Lug (Freie Wähler) und Günther Fuhrmann (FDP) fehlten.
Einer der Zuhörer war mit der Entscheidung nicht einverstanden und kritisierte die Stadträte, als sich unter dem Tagesordnungspunkt „Aktuelle Viertelstunde“ die Gelegenheit dazu bot. „Sind Sie sich bewusst, dass sie mit so einem Beschluss die Existenz der Firma Bauer bedrohen?“, fragte Stephan Oberacher aus Thanning. Als Beauftragter des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft vertrete er das Familienunternehmen, das 500 Mitarbeiter an der Bayerwaldstraße beschäftigt. Die Familie fürchte eine Klagewelle eine Woche nachdem die ersten Menschen eingezogen sind.
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Stadtrat Lorenz Weidinger (Freie Wähler) verwies auf die mindestens 15 Sitzungen, in denen das Wohnbauprojekt behandelt worden sei, und auf die drei Gutachter, die einhellig zu dem Schluss gekommen seien, dass nicht mit Klagen der Bewohner in Richtung der benachbarten Betriebe zu rechnen sei. Ob die Kommune denn bereit sei, das Rechtsrisiko zu übernehmen, erwiderte Oberacher. Bürgermeister Michael Müller wurde daraufhin deutlich: „Wir bedrohen nicht die Existenz irgendeiner Firma.“ Es würden entsprechende Auflagen für den Bauherren festgelegt, um den Immissionsschutz zu gewährleisten. „Wir beachten Recht, Gesetz und notwendige Grenzwerte“, so Müller.
In einer Sondersitzung hatten Investor Korbinian Krämmel, Architekt Klaus Kehrbaum, Verkehrsgutachter Martin Heinze und Schallschutzgutachter Jens Hunecke vergangene Woche über den Sachstand des Projekts informiert (wir berichteten). Auf dem ehemaligen Lorenz-Areal soll ein neues Quartier mit 768 Wohnungen, einer Kindertagesstätte, einem Boarding-House sowie anderen Einrichtungen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität gebaut werden.
Im Laufe des Verfahrens hatte der Kompressoren-Hersteller Bauer die Befürchtung geäußert, dass die Lärmbelästigung durch das umliegende Gewerbe zu Konflikten mit den Bewohnern führen könnte. Laut Schallschutzgutachter Hunecke sollen bauliche Maßnahmen dafür sorgen, dass der Lärm von außen nicht in das Quartier dringt.
Details wie diese sind im Bebauungsplan festgelegt, der nächste Woche nochmal ausgelegt wird. Laut Stadtbaurat Rainer Goldstein werde der Stadtrat Anfang nächsten Jahres darüber beraten. Der nun geänderte Flächennutzungsplan legt als Instrumentarium der Stadt fest, welchen Zweck das derzeit brachliegende Areal künftig erfüllen soll: Wohnen.
Auslegung
Der vorhabensbezogene Bebauungsplan der Stadt Geretsried für das Wohngebiet an der Banater Straße wird erneut ausgelegt. Zu sehen sind die Unterlagen von Donnerstag, 20. Dezember, bis einschließlich Donnerstag, 31. Januar, in der Schautafel vor Zimmer 18 im Erdgeschoss des Rathauses sowie im Internet auf www.geretsried.de unter aktuelle Nachrichten. Während der Auslegungsfrist können Stellungnahmen abgegeben werden.