Die Geretsrieder Mittelschüler haben die Natur vor der Haustür. Trotzdem kennen sich manche Mädchen und Buben nicht mit Umwelt und Ökologie aus. Ein Pilotprojekt soll das ändern.
Geretsried/Benediktbeuern – In der Vogelbeobachtungsstation am Kloster Benediktbeuern war jeder der 18 Schüler begeistert. Die Mädchen und Buben aus der Deutschklasse entdeckten einen Eisvogel – und wurden auch noch Zeuge, wie er sich einen Fisch aus dem Teich schnappte. Ein beeindruckendes Naturschauspiel.
Für Momente wie diese sind die Mittelschule Geretsried und das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) in Benediktbeuern Anfang des Jahres eine Kooperation eingegangen. Sie soll die Schüler für die Umwelt und Ökologie sensibilisieren, das soziale Lernen fördern und alternative Lernformen schaffen.
Der Erlebnis- und Sozialpädagoge Florian Schuster betreut die Heranwachsenden. Sieben Klassen haben bereits einen Schultag in Benediktbeuern verbracht, zwei davon sogar mehrere Tage. So wie die Deutschklasse von Judith Hausmann. Bei deren ersten Besuch im Kloster lag noch Schnee. „Ich war unsicher, ob es den Schülern bei dem Wetter gefällt“, gesteht sie. Doch jeder Einzelne hätte so eine Freude gehabt. „Sie haben tatsächlich versucht, Tierspuren im Schnee zu erkennen.“ Die Sichtung des Eisvogels sei natürlich sensationell gewesen. „Sicher kann man sich das auch in einer Doku anschauen, aber wenn man das real erlebt, wird man sich immer wieder daran erinnern“, sagt die Lehrerin. An anderen Tagen kamen die Schüler zwischen elf und 17 Jahren mit Fledermäusen in Kontakt, bauten ein Insektenhotel und machten teamorientierte Spiele, zum Beispiel auf einer Slackline.
Das ZUK kooperiert mit verschiedenen Schulen in der Region. Bei dem Projekt mit der Mittelschule handelt es sich dennoch um ein Pilotprojekt. „Es geht darum, das Miteinander zu fördern, aber auch Kindern aus einem medial geprägten Umfeld die Chance zu geben, rauszukommen“, erklärt Schuster. Das Klassenzimmer werde in die Natur verlegt, damit die Schüler ihre unmittelbare Umgebung kennenlernen. Den Anstoß für die Kooperation gab die damalige Schulleiterin Magdalena Singer. Möglich sind die Ausflüge dank verschiedener Förderer. „Die Schüler müssen nur einen Beitrag für die Busfahrt bezahlen“, so Hausmann.
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Die Lehrerin hält diese Möglichkeit für sehr wichtig. Bei der Kooperation gehe es ums „Lernen fürs Herz“. „Wenn wir bei den Schülern nicht den Grundstein für die Wertschätzung der Schöpfung legen und auf die Dinge aufmerksam machen, die wir zerstören, ist ihre Zukunft nicht gerade rosig“, sagt Hausmann. Sie hofft, dass das Projekt nächstes Schuljahr fortgesetzt wird.
Das hofft auch Schuster. „Es ist notwendig, dass wir die Kooperation fortführen“, lautet seine Einschätzung. Sich auch mal im Feld auszuprobieren, werkeln zu können und Dinge zu lernen, die nicht unbedingt in der Schule abgefragt werden, sei ein wichtiger Baustein in der Entwicklung.
sw
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