Gewerbegebiet

Dieselweg sperren? Idee im Stadtrat wirft Fragen auf

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Die freie Fahrt durch den Dieselweg könnte bald ein Ende haben. Eine Sperrung zwischen der Bäckerei Burger am Benzweg und der Zufahrt zur Firma Rudolf steht im Raum.
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Der Stadtrat bringt die Neuordnung des Gewerbegebiets Süd auf den Weg. Dabei könnte der DIeselweg gesperrt werden. Er dient aber auch als Rettungsweg.

Geretsried – Welche Auswirkung auf den Verkehr hätte es, wenn der Dieselweg in der Mitte gesperrt wird? Um diese Frage ging es am Dienstag in der Stadtratssitzung. Das öffentliche Interesse war groß. Wie berichtet ordnet die Stadt das Gewerbegebiet Süd neu. In diesem Zuge steht die Idee im Raum, den Dieselweg von beiden Seiten aus zur Sackgasse zu erklären.

Geretsried: Dieselweg könnte bei Neuordnung des Gewerbegebiets Sackgasse werden

Entsprechend dem städtebaulichen Entwicklungskonzept arbeitet der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München an einem neuen Bebauungsplan für das Areal südlich der Sudetenstraße und westlich des Bunsenwegs. in Geretsried. „Ziele sind die Stärkung des vorhandenen Gewerbes und die sinnvolle Nachverdichtung“, erläuterte Susanne Ermer vom Bauamt. Mehrere ansässige Unternehmen hätten Flächenbedarf angemeldet. Wie jüngst im Entwicklungs- und Planungsausschuss bekannt wurde, würde Rudolf Chemie gern auf der gegenüberliegenden Seite des Dieselwegs erweitern. Die zu verarbeitenden Stoffe über die öffentliche Fläche von Firmengelände zu Firmengelände zu transportieren, wäre aber mit Sicherheitsvorkehrungen verbunden, die nicht mit dem Betriebsablauf vereinbar sind.

Wie Ermer auf Nachfrage von Andreas Rottmüller (CSU) berichtete, seien Alternativen zur Straßensperrung durchaus geprüft worden. „Eine Brücke würde einen enormen Flächenbedarf bedeuten, ein Tunnel geht wegen der wassergefährdenden Stoffe nicht. Sogar über eine Aufzugsanlage hat man nachgedacht“, berichtete die Rathausmitarbeiterin.

Experte: Kappung des Dieselwegs „verkehrsverlagerungstechnisch unbedenklich“

Das Ingenieurbüro Schlothauer & Wauer hat untersucht, wie sich der Wegfall der Durchfahrtsmöglichkeit auf die umliegenden Straßen auswirken würde. Im Jahr 2019 seien durchschnittlich pro Tag 670 Kraftfahrzeuge durch den Dieselweg gefahren, erklärte der Leiter des Münchner Büros, Tobias Schendzielorz. Er gehe von einer geringfügigen Steigerung auf 700 Mobile aus. Demnach würden etwa 100 Fahrzeuge pro Tag auf die umliegenden Straßen ausweichen, etwa den Brahmsweg oder die Altvaterstraße. Im Bunsenweg wären es weniger als 50 Autos pro Tag. „Eine Kappung des Dieselwegs wäre verkehrsverlagerungstechnisch unbedenklich“, sagte Schendzielorz. Er gab aber auch zu bedenken, dass es sich um ein Modell handle. „Wie viele tatsächlich durchfahren, müsste man genau nachmessen.“ Seiner Ansicht nach wäre das angesichts der Fahrzeugzahl aber mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

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Das sah Patrik Kohlert anders. „Wir brauchen eine genaue Erfassung, um die Interessen abwägen zu können“, so der Stadtrat der Geretsrieder Liste. Edmund Häner (FDP) vermisste eine Zählung des Fußgänger- und Radverkehrs. Und Felix Leipold (Freie Wähler) gab zu bedenken, dass sich Feuerwehr und Rotes Kreuz in unmittelbarer Nähe an der Jeschkenstraße befinden. „Für die ist der Dieselweg Hauptanfahrts- beziehungsweise -abfahrtsweg bei Einsätzen“, sagte er. Es müsse untersucht werden, wie viel länger die Blaulicht-Fahrzeuge brauchen würden beim Ausweichen. „Der Dieselweg ist immer frei“, so Leipold.

Kritik an Sackgassen-Idee: „grundsätzlich dagegen, eine Straße für eine Firma durchzuschneiden“,

Solche Themen würden im Verfahren abgewogen, betonte Bürgermeister Michael Müller (CSU). Feuerwehr und Rotes Kreuz würden beteiligt. Auch Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU) beschwichtigte: „Ich stimme zu, um überhaupt auf den Weg zu kommen, diese Fragen zu klären.“

Bei zwei Gegenstimmen billigte der Stadtrat, den Bebauungsplan für die erste öffentliche Auslegung auszuarbeiten. Wie bereits in der vorangegangenen Ausschusssitzung stimmte Franz Wirtensohn (CSU) gegen das Vorhaben. „Das Gewerbegebiet neu zu ordnen ist in Ordnung, aber ich bin grundsätzlich dagegen, eine Straße für eine Firma durchzuschneiden“, erklärte er. Auch Christos Saridis (CSU) verwehrte seine Zustimmung.

sw

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