Der Kabinentrakt des Heinz-Schneider-Eisstadions in Geretsried wird derzeit umgebaut, danach erhält die Sportstätte erhält ein neues Dach. Wir haben uns auf der Baustelle umgesehen.
Geretsried – Einladend sieht es in den Katakomben nicht aus: Nur noch ein kleines Spielerfoto und ein rotes „ESC“-Graffiti sind an den kahlen Wänden des unmöblierten Raums mit Löchern im Boden erhalten geblieben. Sie erinnern daran, dass sich Stadionvereins-Chef Enrico Lehwald und Stadtarchitekt Christian Müller in einer Eishockey-Kabine befinden. Derzeit wird der komplette Kabinentrakt des Heinz-Schneider-Eisstadions an der Jahnstraße umgebaut. Im nächsten Jahr steht der ganz große Wurf an: Die Sportstätte erhält ein neues Dach und eine neue Fassade. Auf einem Rundgang erklären Lehwald, Vize-Bürgermeister Hans Hopfner und die Bauamtsmitarbeiter Müller und Lorenz Kirmair die einzelnen Maßnahmen.
Das Gesamtpaket ist üppig: Über sechs Millionen Euro lässt sich die Stadt den Umbau kosten. Ein Teil davon wird bereits bald fällig: „Bis Oktober steht erst die Erneuerung der Kabinen an“, sagt Lehwald. Das sieht man, wenn man in dem kahlen Raum unterhalb des Stüberls steht.
Am 15. Oktober wird das Eis gemacht, damit die Mannschaften des ESC im heimischen Stadion in die neue Saison starten können. Die Kabinen müssen bis dahin fertig sein. „Es ist ein straffer Zeitplan, das ist uns bewusst. Aber ich glaube, dass das klappt“, sagt Lehwald. Für dieses Ziel haben bisher Spieler, Eltern und Ehrenamtliche des ESC selbst Hand angelegt. „Sämtliche Abbruch-Arbeiten haben wir in Eigenregie vorgenommen”, erklärt der Stadionvereins-Chef. Das sei in Absprache mit der Stadt geschehen. Die Kommune spare sich auf diesem Weg Kosten für Firmen. Das Ergebnis der ehrenamtlichen Arbeit: Die Räume sind komplett ausgeräumt, vereinzelt klaffen Löcher im Boden, wo einst Rohre verlegt waren. An den Wänden hinter den einstigen Spielerbänken sieht man nur noch deren Abdrücke und kleine Schraubenlöcher.
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Bevor sich hier zu den Heimspieltagen wieder 20 bis 25 ESC-Spieler kurz vor dem ersten Bully auf das Spiel einschwören, sind laut Lehwald neue Rohre zu verlegen, Malerarbeiten zu verrichten und neues Mobiliar geplant. Außerdem werden die Katakomben mit einer neuen, modernen Belüftungsanlage ausgestattet. Die ist notwendig, da die Räume unterhalb des ESC-Stüberls und Teilen der Tribüne liegen. Frischluft kommt nur über den Eingang in die Katakomben. Einen zweiten Zugang für die Mannschaft möchte Lehwald im Zuge der Fassadenrenovierung schaffen.
Die ist erst im nächsten Jahr geplant. Nach dem Ende der anstehenden Eis-Saison, also Mitte März 2019, steht der größte Teil des Stadion-Umbaus bevor. „Das momentane Tribünen-Dach, mit Ausnahme der Seite, auf der das Ice-Stüberl steht, wird abgebaut“, erklärt Müller. Auf der Seite zum Parkplatz hin wird außerdem der Erdwall komplett abgetragen, unter dem sich momentan die Gäste-Kabinen befinden.
Dann entsteht ein neues Dach. Der Stadtrat hat sich für eine Kuppellösung entschieden, die etwa 15 Meter über dem Eis aufgespannt wird. „Das war zwar die kostengünstigste Lösung“, sagt Müller. Eine Billigvariante sei es aber keinesfalls: „Das Dach gefällt uns sehr gut.“ Das sah der Stadtrat genauso und beschloss im November vergangenen Jahres den Umbau mit 25:5 Stimmen.
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In die endgültige Detailplanung des Baus möchte das Bauamt bald einsteigen. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten ausgeschrieben werden. Ein großer geschlossener Bogen soll die Eisfläche überdecken. Der Entwurf stammt von dem Architekturbüro Kiessler aus München, das Tragwerk plante die Firma Sailer Stepan. Die Stadt arbeitet mit Fachleuten zusammen: Die Firmen haben bereits unter anderem die Allianz Arena in München konzipiert. Um das Stadion herum ist eine neue Fassade geplant. „Die wird nicht wie bisher aus Glas sein“, sagt Müller. Stattdessen setzen die Planer auf eine geschlossene Leichtbau-Konstruktion, die nur an den Eingängen Fensterscheiben vorsieht.
Der Verein ist begeistert, dass der jahrelange Traum realisiert wird: „Dem ESC geht es beim Stadiondach vor allem darum, eine bessere Jugendarbeit abliefern zu können und die Trainingsbedingungen zu optimieren“, sagt Lehwald. Durch den Verlust des Allwetter-Schutzes 2006 habe man viele Eiszeiten eingebüßt, weil man witterungsabhängig planen musste. Auch in dieser Saison merken das die Verantwortlichen: „Vor dem 15. Oktober muss der Verein Eiszeiten auswärts anmieten“, sagt Lehwald. Für die Eissportler sind das kostspielige Trainingseinheiten auf fremdem Eis. Ab Ende 2019 soll es schon früher im Jahr aufs Eis gehen – nicht mehr unter freiem Himmel. Sondern im heimischen Stadion, das dann ein neues Gesicht hat. Die Kabinen sollen bereits bald wieder einen einladenderen Eindruck machen. Dominik Stallein
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