VonMagdalena Höcherlschließen
Vom Rand ins Rampenlicht: Das Rathaus soll Mittelpunkt der „Neuen Mitte“ werden. Zeit, das denkmalgeschützte Gebäude näher zu betrachten. Heute fangen wir klein an.
Geretsried – Das Reich von Katja Holzer ist keine acht Quadratmeter groß. „Es sind exakt 7,63“, sagt die 42-Jährige schmunzelnd. Und sie muss es wissen, ist sie doch für die Kostenleistungsrechnung und das Controlling im Geretsrieder Rathaus zuständig. Im ersten Obergeschoss, hinter einer weißen Holztür mit der Zimmernummer 103 verbirgt sich Holzers Büro – das kleinste im Gebäude.
„,Als ich vor vier Jahren hier eingezogen bin, habe ich gleich meinen Mann angerufen und gesagt: ,Es ist klein, aber mein‘“, erinnert sich Holzer. Schwer sei es ihr nicht gefallen, sich an den beengten Raum zu gewöhnen. Holzer sieht das pragmatisch: „Ich richte mich in dem Büro ein, das mir zugewiesen wird.“ Trotzdem mag sie den hellen, freundlichen Raum 103 sehr gerne. „Doch außergewöhnlich finde ich meinen Arbeitsplatz eigentlich nicht.“
Im Gegenteil: Er sei perfekt für ihre Tätigkeit. Holzer bereitet Daten auf, macht sie anschaulicher. „Ich arbeite eher nach innen, Bürgerverkehr findet bei mir nicht statt.“ Ein kleiner Besprechungstisch war der Geretsriederin trotzdem wichtig. „Auch wenn auf dem Stuhl außer dem Kollegen, mit dem ich mich immer wieder bespreche, kaum jemand sitzt“, gibt sie zu.
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An den runden Tisch aus hellem Holz schließt Holzers Schreibtisch an, auf dem der Rechner, ein paar Ordner sowie weiße Ablagefächer stehen. Einen großen Drehstuhl hat Holzer nicht, sie sitzt lieber auf einem ergonomischen Hocker. Ein Aktenschrank und zwei Sideboards bieten Stauraum. „Zum Glück habe ich nicht viele Ordner, sonst würde es eng werden“, sagt Holzer. Apropos eng: Als sie das Büro bezog, wurden die Möbel ausgetauscht. „Die Planer mussten sich was überlegen, um die wenigen Quadratmeter bestmöglich zu nutzen“, erzählt Holzer.
Mit dem Ergebnis ist sie sehr zufrieden, denn es gibt immer noch genügend Platz für persönliche Dinge. Am wichtigsten ist die Teemaschine. „Ohne eine Tasse grünen Tee am Morgen geht nichts.“ Auf ihrem Schreibtisch zeigt ein Schwarz-Weiß-Foto ihre Familie. An der Pinnwand gegenüber hängen nicht nur Notizen, sondern auch selbst gemalte Bilder und Briefchen von ihrem Sohn. Auf einem Regal steht eine gelbe Orchidee, auch hinter dem weiß-grünen Lammellenvorhang spitzen Pflanzen hervor.
„Ich fühle mich hier einfach wohl“
Das Fenster dahinter zeigt nach Südosten auf den Karl-Lederer-Platz. Jeden Tag wirft die 42-Jährige einen Blick nach draußen, um sich die Fortschritte auf der Baustelle anzusehen. „Es ist spannend, so nah am Geschehen zu sein“, sagt Holzer. „Aber zwischendrin ist es sehr laut.“ Im Rathaus wurden extra Räume eingerichtet, in die die Mitarbeiter im Notfall ausweichen können. Aber solange es nicht notwendig ist, will Holzer ihr kleines Reich nicht verlassen. „Ich fühle mich hier einfach wohl.“
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Nur einen Nachteil gibt es: „Ein kleiner Raum wird viel schneller unordentlich. Deshalb muss ich öfter aufräumen“, sagt Holzer lachend. Einsam hat sie sich in ihrem Einzelbüro übrigens noch nie gefühlt. „Es liegt zentral, die Wege zu den Kollegen sind nicht weit.“ Eigentlich muss sie nur die Tür neben dem Aktenschrank öffnen. Im Nebenraum ist die Abteilung für Tourismus und Stadtmarketing. „Ein kurzer Plausch ist also immer möglich.“ mh
