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Mnozil Brass präsentierte am letzten Abend des Kulturherbstes eine bunte Musikshow voller Zaubertricks und Zirkuseinlagen, die das Publikum immer wieder staunen ließ.
Geretsried – „Sie sind das ungewöhnlichste Blasmusikorchester, das ich kenne“, versprach Assunta Tammelleo vor dem Auftritt. Die Vorsitzende des Kulturvereins Isar-Loisach sollte Recht behalten. Denn die sieben Mitglieder von Mnozil Brass präsentierten am letzten Abend des Kulturherbstes im fast ausverkauften Zelt eine bunte Musikshow voller Zaubertricks und Zirkuseinlagen, die das Publikum immer wieder staunen ließ.
Dabei begann das aktuelle Programm „Cirque“ eher zurückhaltend. Schüchtern betrat Robert Rother in gelber Latzhose die Bühne und pustete dem Publikum die Blütenblätter einer Rose entgegen. Doch mit der Ruhe war’s schnell vorbei, als er Thomas Gansch, Roman Rindberger, Leonhard Paul, Gerhard Füßl, Zoltan Kiss und Wilfried Brandstötter mit ihren Blechblasinstrumenten hereinwinkte.
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Was folgte, war eine wilde Wiener Melange, die die Werke berühmter Komponisten wie Liszt, Mahler, Haydn und Strauss in einem atemberaubenden Tempo vereinte. Zuschauern, die Mnozil Brass noch nicht kannten, wurde bei diesem mitunter recht lauten Brassklängen einiges abverlangt. Es gab jedoch auch jede Menge treuer Fans, die von weit her mit Kleinbussen nach Geretsried gereist waren und jedes Stück mit donnerndem Applaus feierten. Die nach dem Wiener Wirtshaus von Josef Mnozil benannte Band gönnte sich und dem Publikum nur eine kurze Verschnaufpause, um schließlich in der zweiten Konzerthälfte noch mehr aufzudrehen. Den Village-People-Hit „Y.M.C.A.“ persiflierten die Musiker ebenso genüsslich wie den Trauermarsch von Frédéric Chopin. Dazwischen war immer wieder Zeit für Sketche und Pantomime, die in einigen Momenten jedoch ins Kalauermilieu abdrifteten. So schlich der im Raubtierkostüm gekleidete Wilfried Brandstötter einmal auf allen Vieren zu einem anderen Bandmitglied, um ihm mit der Zunge das Ohr abzulecken. Ein anderer Musiker popelte kurz davor in der Nase.
Dass Mnozil Brass solche Trivialitäten eigentlich gar nicht nötig haben, bewiesen die sieben studierten Orchestermusiker in den von den Besuchern frenetisch geforderten Zugaben. So spielten sie die Melodie von Paul Ankas „Lonely Boy“ mit den Füßen auf den Instrumenten. Am Ende schmierte Wilfried Brandstötter den Zuhörern dann noch mal eine Extraportion Honig ums Maul: „Sie waren das beste Publikum, das wir je hatten“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Ein nicht ganz ernst gemeintes Kompliment, tourt die Band doch schon seit mittlerweile 25 Jahren erfolgreich durch ganz Europa. ph
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