- VonPeter Herrmannschließen
Das Publikum hat Konstantin Wecker mit stehenden Ovationen gefeiert. Der Liedermacher überzeugte beim Kulturherbst - manchmal kam er allerdings plakativ daher.
Geretsried – Seine Auftritte sind mittlerweile eine feste Größe beim Kulturherbst. Bereits in den vergangenen Jahren füllte Konstantin Wecker das Zelt beziehungsweise die Ratsstuben, und auch an diesem Sonntagabend blieben nur ganz wenige Plätze unbesetzt.
Der mittlerweile 71-jährige Münchner kann sich auf den Zuspruch seiner großen Fangemeinde verlassen. Begleitet von der virtuosen Cellistin Fany Kammerlander und dem Pianisten Jo Barnickel stimmte der Liedermacher gleich zu Beginn sein wohl bekanntestes Lied vom „Willy“ an. Das in den 1970er Jahren geschriebene Stück über einen aufrechten Antifaschisten, der von Rechtsradikalen erschlagen wird, erscheint angesichts des Zulaufs für rechtspopulistische Parteien in ganz Europa aktueller denn je. „Neue Nazis drücken ins Parlament“, warnte Wecker. Er wolle mit Poesie und klaren Ansagen dagegenhalten. Manchmal wirken seine Tiraden gegen Fremdenfeindlichkeit und den „gnadenlosen Finanzkapitalismus“ für neutrale Besucher zwar eine Spur zu plakativ. Jedoch sind es gerade diese kompromisslosen Stellungnahmen, die ein Großteil des gleichgesinnten Publikums vom politisch seit jeher engagierten Wecker auch erwartet und laut beklatscht.
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Da tat es gut, dass der Liedermacher zwischendurch ein Gedicht des Romantikers Novalis vertonte oder ein schwungvolles Duett mit Fany Kammerlander sang. Darüber hinaus gab es per Einspielung ein seltenes Tondokument aus seiner Kindheit zu hören: Der damals zwölfjährige Bub sang mit seinem Vater Auszüge aus der Oper „La Traviata“.
Weitere Anekdoten aus seinem bewegten Leben gab Wecker nach der Pause preis. Mit Selbstironie räumte der Musiker ein, dass seine Lieder immer intelligenter waren als er selbst. So spazierte er einst mit einem „bodenlangen Nerzmantel“ durch München und musste sich daraufhin von linken Aktivisten Fragen zu seiner politischen Glaubwürdigkeit gefallen lassen. Dazu passt die Geschichte, dass Wecker kurz vor seinem Geretsrieder Auftritt eine Flasche Champagner in einem mit viel Eis gefüllten Kübel orderte. Ingrid Hammerschmied vom Festival-Organisationsteam meisterte auch diesen Wunsch des anspruchsvollen Gastes mit Bravour. Die später mit Standing Ovations gefeierten Musiker dankten es mit großer Spiellaune und verließen die Bühne erst nach mehreren Zugaben. „Es ist ein Geschenk, so ein Publikum zu haben, dass einem drei Stunden bei seinen Gedichten zuhört“, zeigte sich Wecker am Ende sichtlich gerührt.
ph
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