„Helfen zu können, ist ein schönes Gefühl“

Mutige Mädchen retten Baby aus Kanal – Polizei hat sich ein Geschenk ausgedacht

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Selbstloser Einsatz: Polizeichef Franz Schöttl bedankt sich bei Luzie Rebhan (li.) und Magdalena Münster für ihre Rettungsaktion am Loisach-Isar-Kanal. Foto: Polizei
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Magdalena Münster und Luzie Rebhan aus Gelting sind zwei Lebensretterinnen. Die Schülerinnen handelten sofort, als im April ein Baby im Kinderwagen in den Loisach-Isar-Kanal gestürzt war. Diesen Einsatz würdigt nun die Polizei. Doch für die Mädchen war ihre Hilfe selbstverständlich.

Gelting – Es ist ein Albtraum für alle Eltern: Weil eine Mutter vergessen hatte, die Bremsen am Kinderwagen festzuziehen, stürzte ihr Baby in den Loisach-Isar-Kanal (wir berichteten). Zum Glück waren Luzie Rebhan und Magdalena Münster zur Stelle und eilten der Wolfratshauserin sofort zu Hilfe. Für diesen Einsatz bedankte sich nun der Polizeipräsident persönlich bei den beiden Mädchen aus Gelting.

„Wir haben uns natürlich gefreut, aber waren überrascht, als wir das Geschenk von der Polizei bekommen haben“, sagt die 13-jährige Luzie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Was wir getan haben, ist ja eigentlich selbstverständlich.“ Die gleichaltrige Magdalena pflichtet ihrer Freundin bei: „Einfach wegfahren? Das würden wir nie tun.“

Die Mädchen sind oft am Kanal unterwegs und kennen sich dort gut aus. Diese Ortskenntnis war an dem Mittwochnachmittag im April ein entscheidender Vorteil, als die beiden Schülerinnen des Geretsrieder Gymnasiums zum Eisessen nach Wolfratshausen radelten. „Auf dem Weg am Kanal war die Frau mit dem Kinderwagen und einem Bub auf einem Laufrad unterwegs“, erzählt Luzie. Als der Mutter auf der Strecke Radfahrer entgegenkamen, eilte sie zu ihrem dreijährigen Sohn, um ihn an den Wegrand zu ziehen. Doch in der Eile vergaß sie, die Bremsen am Kinderwagen, in dem ihr jüngerer Bub lag, festzuziehen.

„Es war eine super Teamarbeit“

Dann ging alles ganz schnell: Der Kinderwagen rollte die steile Böschung nach unten und stürzte in den Kanal. „Die Mutter schrie, rannte nach unten und holte ihr Baby aus dem Wagen“, erinnert sich Luzie. „Ich bin auch nach unten gelaufen, weil die Frau alleine nicht mehr den steilen Weg nach oben kam.“ In der Zwischenzeit kümmerte sich Magdalena um das ältere Kind und setzte den Notruf ab. „Erst hatte ich ein bisschen Panik, aber dann hab’ ich mir gedacht: ,ruhig bleiben’“, erzählt die 13 Jahre alte Schülerin. „Und zum Glück hat alles gut geklappt.“

Durch das beherzte Eingreifen der Siebtklässlerinnen gelang es der Mutter, ihr Baby zu retten und in Sicherheit zu bringen, bevor der Kinderwagen im kalten Wasser unterging. Ein Anwohner öffnete ihnen die Tür, damit sie sich aufwärmen konnten, bis der Notarzt eintraf. Nach der Erstversorgung wurde das leicht unterkühlte Baby ins Kinderkrankenhaus nach Starnberg gebracht.

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Noch heute sind Luzie und Magdalena froh, dass damals alles so gut geklappt hat. „Es war eine super Teamarbeit“, sagt Luzie, die seit sechs Jahren Mitglied der Geretsrieder DLRG ist. „Ich wusste also schon ein bisschen, was zu tun ist.“ Aufgeregt sei sie natürlich trotzdem gewesen – genauso wie Magdalena. „Aber Helfen zu können, ist ein schönes Gefühl“, sind sich die Mädchen einig.

Um ihren Einsatz zu würdigen, überreichte Franz Schöttl, Chef der Geretsrieder Polizei, den Mädchen zwei Wertgutscheine sowie ein persönliches Dankschreiben von Polizeipräsident Robert Kopp. „Die Mädchen haben sehr gut reagiert und genau richtig gehandelt“, betont Schöttl. Mit ihrem „couragierten Verhalten“ seien die Schülerinnen Vorbilder für Kinder und Erwachsene. mh

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