Zwei Frischlinge und viele alte Bekannte

Kommunalwahl 2020: Das ist der neue Geretsrieder Stadtrat

Die Geretsrieder Liste zieht auf Anhieb in den Stadtrat ein. Die SPD befindet sich am „absoluten Tiefpunkt“

Geretsried – Frischen Wind bringen gleich zwei junge Männer in den Geretsrieder Stadtrat. Mit dem 21-jährigen Rundfunkvolontär Felix Leipold (Freie Wähler) und dem 22-jährigen BWL-Studenten Peter Curtius (Grüne) verjüngt sich das Gremium. Ältester Stadtrat mit 77 Jahren ist Volker Witte von den Grünen. Neu mischen Martin Huber und Robert Meyndt-Schmidt für die CSU sowie Dr. Elmar Immertreu und Patrik Kohlert für die Geretsrieder Liste mit. Die Bürgermeisterkandidaten Martina Raschke (Grüne) und Larry Terwey (FDP) sind nun ebenso vertreten wie Michael Müllers dritter Herausforderer, der amtierende SPD-Stadtrat Wolfgang Werner.

Stimmenkönigin ist Martina Raschke mit 5652 Kreuzchen, gefolgt von Seniorenreferentin Dr. Sabine Gus-Mayer (CSU) mit 5582 Kreuzchen. Der Geltinger Landwirt Franz Wirtensohn ist von Listenplatz 10 deutlich nach vorne gehäufelt worden, ebenso wie sein Fraktionskollege Hans Ketelhut, der auf Platz 11 kandidierte. Bei der SPD bekam Vize-Bürgermeister Hans Hopfner mehr Stimmen (3290) als Bürgermeisterkandidat Wolfgang Werner (2843). Dominik Irmer führt die Freien Wähler (FW) mit 3994 Stimmen an.

Noch-CSU-Stadtrat Volker Reeh, Gründer der neu im Stadtrat vertretenen Geretsrieder Liste (GL), ist in der Bevölkerung mit 3266 Stimmen nach wie vor beliebt. Zahnarzt Dr. Walter Immertreu von der GL schaffte einen Sprung von Platz 7 der Liste auf Platz 2 noch vor Listenanführer Patrik Kohlert.

Abgewählt wurden Michael Lasidis und Edith Peter (SPD), Manfred Freiseisen und Vera Kraus (FW), der von der CSU zu den FW gewechselte Wolfgang Möckel sowie Günther Fuhrmann (FDP). Nicht mehr angetreten waren Gerda Bretz (CSU) und Lorenz Weidinger (FW).

„Drei Mandate – das ist das Maximale, was wir erwartet hatten“, freut sich Volker Reeh. Das dritte Mandat stand am Montagabend erst nach einer Zitterpartie fest. Zwischen Volker Reeh und Michael Müller hatte es während der vergangenen Amtsperiode heftige Differenzen gegeben. „Ich will versuchen, mit dem Bürgermeister künftig einen vernünftigen Arbeitskontakt zu pflegen“, kündigt Reeh an. Seine Fraktion wolle „zum Wohl der Stadt entscheiden“ und eine konservativ geprägte Politik betreiben. Persönliche Angriffe werde es seitens der GL nicht geben, verspricht der langjährige Kommunalpolitiker.

Einen 13. Sitz (ohne Bürgermeister) hätte sich Ewald Kailberth von der CSU zwar gewünscht, doch mit dem Ergebnis ist er zufrieden. „Der Wähler hat auf Bewährtes gesetzt“, kommentiert er die Tatsache, dass außer Huber und Meyndt-Schmidt, der für Michael Müller nachrutscht, die „alte Garde“ wiedergewählt wurde.

Larry Terwey, Einzelkämpfer für die FDP wie vor ihm Günther Fuhrmann, möchte in den nächsten Tagen mit einigen Fraktionen Gespräche darüber führen, ob er mit ihnen eine Ausschussgemeinschaft bilden kann. In Frage kämen für ihn momentan die Freien Wähler, die Geretsrieder Liste und die Grünen. „Zu ihnen hatten wir im Wahlkampf einen guten Draht.“ Als IT-Spezialist kritisiert Terwey die erheblichen Verzögerungen bei der Online-Veröffentlichung der Wahlergebnisse (siehe Kasten). Wenn er in diesem Bereich seine Erfahrung einbringen könne, dann gerne, bietet er an.

Enttäuscht über den Verlust von zwei Mandaten sind nicht nur die Freien Wähler, sondern auch die SPD. „Vier Sitze stellen für uns einen absoluten Tiefpunkt in der Geschichte dar“, erklärt Wolfgang Werner. Für den engagierten, jungen Michael Lasidis und die erfahrene Edith Peter tue es ihm sehr leid. Mit nunmehr fünf Fraktionen werde die Arbeit im Gremium nicht leichter, befürchtet Werner.

Die beiden Youngster Felix Leipold und Peter Curtius, beide ehemalige Jugendräte, kündigten unabhängig voneinander in Gesprächen mit unserer Zeitung an, sich parteiübergreifend für die Belange der Jugend stark machen zu wollen. Bei einem Treffen im PapperlaPub mit jungen Wählern hatten die zwei sich eifrig Notizen zu den Ideen und Wünschen der Jugendlichen gemacht (wir berichteten). „Diese Liste wollen wir auf alle Fälle arbeiten“, sagt der Grüne Curtius.

Der Freie Wähler Leipold freut sich, dass es sich für ihn gelohnt hat, im Wahlkampf „richtig Gas gegeben“ zu haben – bei Veranstaltungen wie auch in den sozialen Medien. Er habe trotz des aussichtsreichen Listenplatzes vier nicht gedacht, dass er sich gegen ein „Urgestein“ wie Manfred Freiseisen durchsetzen werde. Auch wenn der Rundfunkvolontär im Sommer eine zweite Ausbildung zum Verwaltungssekretär in München beginnt, möchte er in Geretsried wohnen bleiben.

tal

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