VonSebastian Grauvoglschließen
Dramatische Rettungsaktion auf dem Schliersee: Ein 23-Jähriger ist alkoholisiert von einem Boot ins Wasser gesprungen und wäre fast ertrunken. Die Wasserwacht kam gerade noch rechtzeitig.
Schliersee – Mit letzter Kraft reckt der 23-jährige Münchner eine Hand nach oben. „Sein Kopf war schon unter der Wasseroberfläche“, schildert Simon Horst. Der stellvertretende technische Leiter der Schlierseer Wasserwacht und Vize-Kreisgeschäftsführer des BRK Miesbach ist einer der Augenzeugen dieses dramatischen Vorfalls am Samstagabend in der Nähe der Insel Wörth – und wird mit seinem Kollegen auf dem Boot zum Lebensretter. Sie ergreifen den ausgestreckten Arm des total erschöpften und nur noch bedingt ansprechbaren jungen Mannes und ziehen ihn aus dem See.
Wie lange er schon unter Wasser war, wissen sie nicht. Doch sein Zustand ist laut Horst „hochkritisch“. Noch während der Rückfahrt zur Wachstation leiten die Retter erstversorgende Maßnahmen ein – alles weiter übernehmen die bereits am Ufer wartenden Kollegen des Rettungsdienstes aus Fischbachau und Rottach-Egern und ein Notarzt aus Gmund. Wie knapp die Aktion war, weiß auch Wachleiter Tobias Huber, der den Einsatz vom Wasserwacht-Steg aus koordiniert hat. „Ein paar Sekunden später, und aus der Rettung wäre eine Suche geworden.“
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Schliersee: Stand-Up-Paddler hört Hilferufe
Alarmiert wird die Wasserwacht am Samstag gegen 17.45 Uhr. Ein Stand-Up-Paddler hört Hilferufe aus der Richtung der Insel Wörth. So schnell es geht paddelt er zur Wachstation der Wasserwacht und meldet den Vorfall. Dort ist man zunächst mit einer unklaren Lage konfrontiert, schildert Horst. An diesem lauen Sommerabend tummeln sich viele Schwimmer und Wassersportler auf dem See. Dennoch treffen die Wasserwachtler bald auf den Ursprung der Hilferufe: einen erschöpften jungen Mann, der sich selbst kaum mehr über Wasser halten kann. Die Einsatzkräfte ziehen ihn ins Boot – und erfahren erst jetzt, dass die eigentliche Rettung noch bevorsteht.
Der ebenfalls 23-Jährige aus Elsterwerda (Brandenburg) schildert ihnen, dass er eigentlich seinem Freund helfen wollte, der kurz zuvor von einem von den beiden gemieteten Elektroboot aus ins Wasser gesprungen sei. Angeblich, weil er ein bisschen schwimmen wollte. Und tatsächlich: ein paar Dutzend Meter entfernt entdecken die Wasserwachtler den eingangs geschilderten, aus dem See gereckten Arm.
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Mann aus Schliersee gerettet - „Keine Hinweise auf Fremdverschulden“
Die Ursache des Unglücks, das um ein Haar noch viel schlimmer geendet wäre, kann weder die Wasserwacht, noch die Polizeiinspektion Miesbach abschließend klären. Entsprechend der Schilderungen des Freundes des beinahe Ertrunkenen sei dieser aber stark alkoholisiert gewesen. Diesen Eindruck hat auch Retter Horst gewonnen. Aus Erfahrung weiß er, dass dieser Zustand in Kombination mit (wie auch in diesem Fall) schlechten Schwimmkenntnissen und einem See mit nur 21 Grad Wassertemperatur, Wind und kalten Strömungen schnell in eine lebensgefährliche Situation münden könne. Die Polizei teilt derweil auf Nachfrage mit, dass aktuell keine weiteren Ermittlungen notwendig sind. „Es gibt keine Hinweise auf Fremdverschulden.“
Wasserwacht mahnt zur Vorsicht
Während sich die beiden geretteten Männer im Krankenhaus erholen, wiederholt Horst den Appell, den die Schlierseer Wasserwacht erst Anfang Juni auf ihrer Facebook-Seite gepostet hat: „Die Gefahren im und am Wasser werden oft unterschätzt, wodurch es häufig zu Unfällen, auch mit tragischen Folgen, kommt. Jeder Badeunfall ist einer zu viel!“ sg
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