Dachauer Kreistag stimmt Geothermie-Projekt zu

GfA Geiselbullach will den Wärmeschatz heben

+
Die Verbrennungsanlage in Geiselbullach liefert Strom und Wärme für etliche Fernwärme-Kunden. Jetzt soll Geothermie dazukommen.
  • schließen

Die Dachauer Kreisräte haben dem Geothermie-Projekt in Geiselbullach grünes Licht gegeben ein rund 20 Millionen Euro teures Projekt.

Dachau – Was das Kommunalunternehmen für Abfallwirtschaft der Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau – Kurz: GfA – darf und was nicht, war bis vor sieben Monaten im Kreislaufwirtschaftsgesetz klar geregelt. Das GfA sollte demnach die Abfälle der beiden Landkreise beseitigen und die bei der Beseitigung freigesetzte Energie bestmöglich verwerten. Der durch die thermische Abfallverwertung entstandene Strom wurde daher in die Verteilnetze eingespeist und – seit 2001 – zudem als Fernwärme nach Olching und Bergkirchen geliefert.

Die Rechtslage hat sich geändert

Der Wunsch, dieses Fernwärmenetz auszubauen, war bislang daran gescheitert, dass der zur GfA in Geiselbullach gelieferte Müll endlich ist. Sprich: Ohne eine Steigerung der Müll-Menge gibt es auch keine Steigerung der Energie-Menge. Und sich aktiv auf die Suche nach neuen Energiequellen zu machen, war der GfA – wegen besagtem Kreislaufwirtschaftsgesetz – nicht möglich.

Doch diese Rechtslage änderte sich am 1. Januar dieses Jahres. Da trat nämlich das bayerische Klimaschutzgesetz in Kraft, das laut GfA-Chef Thomas König „deutschlandweit einzigartig und vorbildhaft“ ist. Nun nämlich dürfen nicht nur Städte und Gemeinden Energie erzeugen, sondern auch Landkreise. Die GfA als Kommunalunternehmen der zwei Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau darf damit ihre Energie nicht nur verwerten, sondern auch neue gewinnen. GfA-Chef König formulierte es so: „Es gibt jetzt mehr Esser am Tisch.“

Um zu einem „Esser“ zu werden, braucht König aber die Zustimmung der Kreisräte. Im Werkausschuss des Brucker Kreistags war er bereits erfolgreich, am Freitag war er nun in Dachau auf Werbetour für ein zwar zunächst sehr teures, aber langfristig potenziell sehr gewinnbringendes Projekt: Geothermie am Standort Geiselbullach.

In rund 2,1 Kilometern Tiefe heißes Wasser vermutet

Der Großraum München eigne sich demnach gut für hydrothermale Projekte. „Alle Wärmebohrungen“ seien bislang erfolgreich verlaufen, so König. Er gab sich daher optimistisch, dass man auch in Geiselbullach in rund 2,1 Kilometern Tiefe auf heißes Wasser stoßen dürfte, das sich für eine Erweiterung des GfA-Fernwärmenetzes nutzen ließe. Eine erste Probebohrung solle, in enger Absprache mit den zuständigen Behörden sowie dem Landeserdbebendienst, im Jahr 2025 stattfinden.

Doch, das gab er auch zu, das Projekt birgt Risiken. So stelle sich zum einen die Frage der „Fündigkeit“. Oder einfacher ausgedrückt: „Wir müssen mit einem armdicken Bohrer in zwei Kilometern Tiefe eine Pfütze treffen.“

Versichern lasse sich das Fündigkeitsproblem ohnehin nicht. König betonte daher: „Will der Bund die Geothermie besser fördern, geht das nur mit einer stärkeren Risikoabsicherung.“

Doch die Fündigkeit ist nicht das einzige Problem. Im Bundesberggesetz gilt auch das Prinzip der Beweislastumkehr. Der Anlagenbetreiber muss demnach nachweisen, dass etwaige Schäden nicht von ihm stammen. „Da, wo wir aktiv sind und Schäden auftreten, werden wir zahlen“, stellte König klar.

Dachauer Kreisräte sehen die Chancen des Projekts

Für die Dachauer Kreisräte aber überwogen am Ende die Chancen des Projekts. Landrat Stefan Löwl fand es „faszinierend, was uns die Erde bietet“. Klar habe es früher Vorbehalte gegenüber der Geothermie gegeben. „So viele gute Beispiele“ würden heute jedoch zeigen, dass das Verfahren „gut und sicher“ ist. Bedarf nach weiterer Fernwärme im Landkreis gebe es ohnehin „mehr als genug“.   

Roderich Zauscher (Grüne) fand den von König vorgeschlagenen Weg „richtig, vernünftig und nachvollziehbar“. Stephanie Burgmaier (CSU) betonte: „Wir haben den Wärmeschatz Bayern vor der Haustür. Wir haben in Geiselbullach die Infrastruktur und das Know-How. Also machen wir one step after the other!“

Lediglich Dagmar Wagner und Martina Purkhardt (Freie Wähler) wollten diesen Optimismus nicht teilen und stimmten gegen die sogenannte – so stand es auf der Tagesordnung – „Erweiterung des Unternehmensgegenstands des GfA um den Bereich Energieerzeugung und erstes Projekt Geothermie“. Wagner begründete dies so: „Mir fällt es schwer, für Geothermie zu stimmen, wenn ich nicht weiß, wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis ausfällt. Mir fehlen einfach die Zahlen!“

GfA-Chef König räumte ein, dass man für 20 Millionen Euro, die das Projekt wohl kosten dürfte, einfach auch Windräder aufstellen und daraus Energie gewinnen könnte. Allerdings sei es keine Frage des „Ent- oder Weder. Wir brauchen beides. Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, um aus der Umwelt möglichst viele Erneuerbare Energien herauszukitzeln“.

Weitere Nachrichten aus der Region Dachau lesen Sie hier.

Kommentare