13 Schafrisse von Wölfen hat es im vergangenen Sommer im Ammergebirge gegeben. Solche Szenarien wollen die Almbauern nicht mehr hinnehmen. Bezirksalmbauer Josef Glatz hofft auf die EU und Berlin.
Garmisch-Partenkirchen – Zusammenarbeit, Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis – drei Schlagwörter, die bei der Versammlung der Werdenfelser Almbauern in der Garmisch-Partenkirchner Almhütte untermauern sollten, dass die Betroffenen zur Kooperation mit den verschiedenen Ämtern jederzeit bereit sind. Bezirksalmbauer Josef Glatz vom almwirtschaftlichen Verein und Landrat Anton Speer (FW) gingen auf die aktuelle Probleme ein: Neben dem Umgang mit dem zunehmenden Massentourismus in den Bergen kamen sie schnell zum Wolf, der auf Reviersuche immer mehr in den Landkreis drückt.
Allein seit Oktober gab es im Landkreis elf vom Landesamt für Umwelt (LfU) bestätigte Wolfsmeldungen. Die letzte kurz vor der Versammlung in Obernach nördlich von Wallgau. Genetische Analysen ergaben, dass es sich um mehrere Tiere beider Geschlechter handelt, die in der Region für die Risse verantwortlich sind. Die amtlichen Resultate lassen darauf schließen, dass die Wölfe nicht nur durchziehen, sondern sesshaft werden. Die klare Botschaft: Ereignisse wie die 13 Schafrisse im Ammergebirge im vergangenen Sommer oder die vielen versprengten Schafe will keiner mehr hinnehmen. Hans Hibler aus Farchant und der Garmischer Anton Hornsteiner stellten gar den Auftrieb in Frage. Die Forderung: Es müsse Druck auf die Politik ausgeübt werden. Hibler betonte: „Solche Aufbrüche wollen wir heuer nicht mehr sehen.“
Unbeweidete Almen für Gäste keine Augenweide
Glatz riet zu Besonnenheit. In Sachen politischem Druck will er versuchen, mit Kollegen bei der EU in Brüssel Verbesserungen in Hinblick auf eine Entnahme des Wolfs zu verhandeln. Auch Berlin ist demnächst sein Ziel. Ein steiniger Weg, der gut vernetzt begangen werden muss.
Bei der Landesregierung sei man schon weiter, versicherte Glatz: „Ministerpräsident Markus Söder und Agrarministerin Michaela Kaniber (beide CSU) sind auf unserer Seite.“ Zudem soll die Tourismusbranche mehr ihre Interessen vertreten. Denn unbeweidete Almen seien für Gäste, von denen die Region lebt, keine Augenweide und auch keine bewirtschafteten Anlaufpunkte mehr.
Viel steht bis zum bald bevorstehenden Viehauftrieb noch auf dem Programm. Deshalb regte der Krüner Alois Kramer an, umgehend einen Arbeitskreis einzuberufen, mit dem Ziel eine schlagkräftige Strategie zu entwickeln. „Derzeit ist der Autofahrer der größte Verbündete für unsere Interessen“, betonte Glatz.
Region von Tierseuchen verschont
Dass ihm anderweitig auch die Erhaltung der Kulturlandschaft am Herzen liegt, bekräftigte Speer. „Das Unesco-Weltkulturerbe ist auf einem guten Weg. Die Bewerbung hat Bestand und liegt derzeit zur Beurteilung in Paris.“ Glatz zeigte sich froh darüber, dass im Landratsamt die Untere Naturschutzbehörde voll hinter den Bauern steht.
Dr. Stefan Gabler, Leiter des Weilheimer Amts für Landwirtschaft und Ernährung, versprach eine gute Betreuung bei den Förderungen der 3000 Betriebe, von denen zwei Drittel Anträge zum Kulturlandschaftsprogramm gestellt haben. Auch die vom neuen Almfachberater Sebastian Luttenbacher betreute Akademie in Eschenlohe wird gut angenommen. Deren Nutzer sind unter anderem die Bayerischen Staatsforsten. Der neue Oberammergauer Leiter, Markus Achhammer, stellte sich vor und zeigte sich interessiert an einer guten Zusammenarbeit. „Nützen, schützen und unterstützen, werde ich fortführen“, versprach er.
Bayerischer Verdienstorden für Josef Glatz
Veterinärin Dr. Ellen Baum berichtete erfreut, dass die Region von Tierseuchen wie Geflügelpest und Rotwild-Tuberkulose verschont wurde. Das zeige das Rotwild-Monitoring mit 180 negativ ausgewerteten Proben. Über die vielfältige Honorierung für Naturschutz-, Agrar- und Umweltmaßnahmen setzten Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, und die Fachberater Luttenbacher und Susanne Krapfl die Anwesenden in Kenntnis. Auf den ersten Blick viel Bürokratie. Doch boten die Experten ihre Hilfestellung an. Luttenbacher informierte über Bildungsangebote, erläuterte das Bergbauernprogramm. 2022 sind drei Almgebäude, 13 Weideeinrichtungen und Wasserversorgungen, die in trockenen Sommern immer wichtiger werden, gefördert worden.
Rührig wurde es dann noch bei zwei speziellen Personalien: Josef Glatz erhielt den Bayerischen Verdienstorden. Abschied zu nehmen, hieß es dagegen für Krapfl, ein wandelndes Lexikon in allen Almfragen. Ein Stamperl selbstgebrannter Schnaps für alle linderte jedoch den Abschiedsschmerz. (Leonhard Habersetzer)
