VonSascha Karowskischließen
Im Rathaus wird falsch gespielt. Das behauptet Roland Hefter (SPD) und Hans Peter Mehling (Freie Wähler). Allerdings geht es nicht um politische Intrigen.
München - Schräge Töne sind im Münchner Rathaus keine Seltenheit, und auch die ein oder andere Verstimmung an der Stadtspitze ist verbrieft. Jetzt allerdings herrschen tatsächlich hörbar Misstöne am Marienplatz - und zwar ganz oben an der Spitze: beim Glockenspiel. Die Stadträte Roland Hefter (SPD) und Hans Peter Mehling (Freie Wähler) - beide Musiker - haben festgestellt: Es klingt nicht mehr wie früher. In einem Antrag fordern sie gemeinsam mit CSU, FDP, Bayernpartei, Volt, ÖDP und München-Liste eine Klang-Korrektur. „Die Rathausglocken sollten Gäste und Besucher schließlich erfreuen und nicht vertreiben“, sagt Mehling.
Verstimmtes Glockenspiel im Rahtausturm am Marienplatz: Anlage wurde zuletzt 2007 instand gesetzt
Das Glockenspiel im Rathausturm ist täglich um 11 und 12 Uhr zu hören, von März bis Oktober auch um 17 Uhr. Gespielt werden jeweils vier unterschiedliche Stücke oder Lieder. Das Programm wechselt dabei monatlich. Es stellt zwei Ereignisse aus der Münchner Stadtgeschichte nach: Zum einen die im Februar 1568 gefeierte Hochzeit von Herzog Wilhelm V. mit Renate von Lothringen. Zu Ehren des Brautpaares fand damals ein Ritterturnier auf dem Marienplatz statt. Dabei triumphierte der bayerische Ritter über seinen Gegner aus Lothringen.
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Die untere Etage zeigt den Schäfflertanz. Nach einer schweren Pestepidemie sollen sich die Fassmacher als erste wieder auf die Straßen gewagt und tanzend die von der Pest verängstigte Bevölkerung erheitert haben.
Glockenspiel am Marienplatz: „Das sollte nicht nur schön aussehen, sondern auch gut klingen“
Das Musikspiel besteht aus 43 Glocken, die sich aber offenbar seit der letzten Sanierung, Reinigung und Ertüchtigung im Jahr 2007 deutlich hörbar verstimmt haben. „Unser Rathaus ist die Visitenkarte der Stadt“, sagt Hefter. „Das sollte nicht nur schön aussehen, sondern auch gut klingen, wenn wir schon ein Glockenspiel haben.“ Als Musiker wisse man, dass man auf einem verstimmten Instrument keine Chance habe, das Publikum zu begeistern. „So kann ein gestimmtes Glockenspiel auch ein Vorbild sein für alle, die politisch tätig sind. Es geht um ein Zusammenspiel - einzelne falsche Töne vergraulen das Publikum und fördern die Politikverdrossenheit. Daher freue ich mich auf ein gestimmtes Glockenspiel.“
Mehling betont, auch wenn der Antrag den Titel „Verstimmungen im Rathaus beseitigen“ trage, seien damit lediglich die Misstöne im Glockenspiel gemeint. Wie aus dem gemeinsamen Ansinnen nahezu aller Fraktionen erkennbar sei, funktioniere das Zusammenspiel ansonsten ja ganz gut.
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