VonAlexandra Korimorthschließen
In Gmund sind die Frauen auf dem Vormarsch. Nicht nur, dass mittlerweile 15 Prozent der Wettkämpfer beim Merkur-Schafkopfturnier weiblich sind. Bei der jüngsten Auflage holte sich eine Frau den Sieg.
Gmund – Mit sagenhaften 78 Punkten (bei zehn Soli) konnte Beate Kreichgauer aus Benediktbeuern das traditionelle Schafkopfturnier der Tegernseer Zeitung auf dem Gmunder Volksfest für sich entscheiden. Sie gehörte zu den 27 weiblichen Teilnehmerinnen, über die Organisator und Turnierleiter Josef Hundegger zu Beginn der Veranstaltung noch mit einem Hauch Ironie gesagt hatte, dass „die Frauenquote in Gmund ins Unermessliche steige“. Es ist ein Traum-Ergebnis, mit dem die Versicherungsagentin das Preisgeld von 500 Euro holen und den 124 männlichen Teilnehmern zeigen konnte, wo der Ober-Hammer hängt: Sie gewann mit drei Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten Werner Christ aus Bad Wiessee, Dritter wurde mit weitem Abstand Jürgen Kummer aus Weilheim (41 Punkte). Bester Spieler aus Gmund war übrigens auf Platz vier (39 Punkte) Georg von Preysing junior, der ebenso wie sein Vater, Altbürgermeister Georg von Preysing, regelmäßig im Festzelt zum Trumpfspiel antritt.
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Gelegenheit zum Schafkopfen – ein Spiel, das man bereits im 19. Jahrhundert pflegte, das Teil der bayerischen Wirtshauskultur ist und heute regelrecht als bayerisches Brauchtum gilt – gibt es mittlerweile eher selten: Die Wirtshäuser, in denen gekartelt wird, werden immer weniger. Umso beliebter sind die Schafkopfturniere der Heimatzeitungen des Münchner Merkur.
Sie würden aus Spaß an der Freud’ teilnehmen und überall dorthin fahren, wo es sich anbietet, erklärten Anton Feistl aus Aschau, Peter Schweiger aus Wolfratshausen, Martin Brandstätter aus Tutzing und der Weilheimer Jürgen Kummer am Samstag unisono. Letzteren haben das Glück und sein stetes, schon 15 Jahre dauerndes Engagement schließlich auf den dritten Platz gebracht. Das Quartett hat sich auf den Merkur-Turnieren kennen gelernt. Alle vier schätzen sich als Spielpartner und -gegner. Blickt man auf die 20 Jahre, in denen Feistl schon mit dabei ist und in denen er mehrfach als Sieger unter anderem mit 1000 Euro Preisgeld, einem Motorroller und einem Fernseher nach Hause ging, wird aber klar, dass auch Ehrgeiz im Spiel ist.
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„Das ist halt mein Sport, und mir geht es schon um den Wettkampf“, sagt etwa Paul Wirth (Platz 7) aus Bad Wurzach. Er war der Teilnehmer mit der weitesten Anreise, die er aber jedes Jahr vier bis fünf Wochen lang während der Merkur-Turnierzeit in Kauf nimmt. Im Schwäbischen gebe es solche Turniere gar nicht, sagt er schulterzuckend. Dann müsse man halt ins Bayerische. Umso besser, wenn es dann auch noch an den schönen Tegernsee gehe. Als Training der besonderen Art indes sieht Liselotte Gabriel (Platz 31) ihre jahrelange Teilnahme an den Turnieren. „Schafkopfen ist wie Gehirnjogging. Es hält fit“, weiß die 92-jährige Münchnerin, während sie en passant den Wert ihres Blatts berechnet und die Anzahl der Cent-Münzen überprüft, bevor sie schwungvoll in ihr blaues Merkur-Schälchen wirft. Aber in erster Linie sei es eine Riesengaudi.
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