Das Bahnhofsareal soll schöner werden. Im Gemeinderat wurde jetzt auch über die Idee für ein Parkhaus diskutiert, das anstelle einer Tiefgarage die Autos schlucken soll.
Gmund – „Die Planung zur Neugestaltung des nördlichen Bahnhofsareals und der Wiesseer Straße ist auf sehr gutem Weg.“ So informierte Bürgermeister Alfons Besel (FWG) jetzt im Gemeinderat erstmals wieder öffentlich über ein ehrgeiziges Vorhaben, das in einer Bürgerversammlung im September letzten Jahres der Öffentlichkeit präsentiert worden war.
Vorgesehen sind unter anderem eine Tiefgarage und oberirdische Stellplätze auf dem Areal des jetzigen Pendlerparkplatzes. Auch der neue Busbahnhof mit einem Bussteig und geordneten Verkehrsverhältnissen sollte dorthin verlagert werden. Zwischen Bahnhofsgebäude und Café Wagner ist ein begrünter Aufenthaltsplatz mit Sitzbänken geplant, im Anschluss daran weitere Pkw- und Fahrradstellplätze.
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Jetzt scheint die Planung eine Art Eigendynamik zu entwickeln. Der Eigentümer des Waitzinger Hofs, die Raiffeisenbank Gmund, hat neue Pläne mit dem Gebäude, in dem derzeit die Gmunder Tafel und die Teestube sowie das Bistro Roxane untergebracht sind: Das Haus soll abgebrochen und durch ein Parkhaus mit etwa 137 Stellplätzen ersetzt werden. Auch die Kreissparkasse hat für ihr Anwesen einen Vorschlag eingebracht: Sie könne sich eine Öffnung des Café Wagner nach Süden mit einer Sonnenterrasse zum Bahnhof hin durchaus vorstellen.
„Ein super Platz und eine sehr gute Ausgangslage für ein Parkhaus“, beurteilte Professor Lothar Zettler vom Planungsbüro LARS-Consult die Idee. Er unterstützt die Gemeinde bei der Planung. Und ein Zugewinn an Parkraum, zumal die ursprüngliche Lösung mit Tiefgarage und Parkdeck lediglich 90 Stellplätze erbringen würde. „Mit dem Parkhaus könnte sich die Gemeinde die Kosten für Tiefgarage und Parkplätze ersparen und würde ein Baufeld von etwa 1030 Quadratmetern gewinnen“, machte er zusätzliche Optionen deutlich. Neben der Möglichkeit für die Schaffung von Wohnraum brachte Zettler eine Fahrradzentrale ins Spiel, die das Ziel einer fahrradfreundlichen Kommune befördern würde. So könne man hier Stellplätze für 150 Fahrräder schaffen, eine E-Bike-Ladestation installieren und eventuell auch einen Fahrradverleih ansiedeln.
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Das Thema bot Anlass zu einer ausführlichen und lebhaften Diskussion. „Ein totaler Gewinn“ wäre das Parkhaus für CSU-Gemeinderätin Martina Ettstaller angesichts der „katastrophalen Parksituation“ vor allem am Gasthof Oberstöger. „Aber natürlich ist es ganz wichtig, dass vorher neue Räume für die Tafel gefunden werden“, betonte sie. Ein Punkt, in dem sich die Ratsmitglieder einig waren, ebenso wie in der Frage der Optik: Da es sich um einen Zweckbau handle, werde hier wohl kaum eine Verschönerung des Ortsbildes zu erwarten sein, die doch gerade mit der Umgestaltung des Areals erreicht werden soll.
„Der Platz ist zwar gut gewählt, aber das wäre das erste Parkhaus, das mir gefällt. Da kommt der Gast an und schaut als erstes auf ein Parkhaus“, skizzierte Christine Zierer (FWG) die Situation. Ihre Alternative: Eine Tiefgarage unter dem gesamten Platz. „In Deggendorf liegt eine Tiefgarage unter dem gesamten Marktplatz, und der Platz sieht sehr schön aus“, brachte sie als Beispiel. Allerdings wurde an diesem Punkt auf die Problematik der instabilen Bodenverhältnisse hingewiesen. Eine Beteiligung der Bürger an der Diskussion strebte Michael Huber (SPD) an, die der Rathauschef zusagte. Ein endgültiger Beschluss wurde in diesem Punkt nicht gefasst.
Mit lediglich einer Gegenstimme stimmte das Gremium einer Klärung der Sachlage durch die Verwaltung zu.
Dach über dem Bahnsteig in Schieflage
Pünktlich zu dem Zeitpunkt, an dem Dynamik in die Pläne zur Neugestaltung des Gmunder Bahnhofsareals kommt, gab es auch Bewegung im wörtlichen Sinne an der Gmunder Bahnstation. Eine hölzerne Überdachung im Anschluss an das Bahnhofsgebäude ist merklich in Schieflage geraten.
Bei dem in die Jahre gekommenen Bauwerk handelt es sich um eine ehemalige Bahnsteigüberdachung, erklärte Florian Ruml, Geschäftsleiter der Gemeinde Gmund auf Nachfrage: „Früher gab es in Gmund mehrere Gleise. Ein Gleis führte direkt am Gebäude entlang.“ Heute hingehen stehen nur zwei Gleise zur Verfügung – eines davon als Wartegleis bei einem Aufeinandertreffen von zwei Zügen. Eigentümer der Bahnstrecke selbst sei allerdings nicht die Gemeinde, betont Ruml, sondern die Tegernsee-Bahn-Betriebsgesellschaft, die damit auch für das „schiefe Dach“ zuständig ist.
„Auf der einen Seite hat die Sonne den Schnee weggeschmolzen, auf der Schattenseite ist er liegen geblieben. Durch das einseitige Gewicht der Schneelast hat sich das Dach dann geneigt“, erläutert Heino Seeger, Geschäftsführer der Tegernseer Bahn das Dilemma. Die Überdachung wird derzeit auf der Schattenseite mit zusätzlichen Pfeilern abgestützt, „bis das Ganze wieder im Gleichgewicht ist.“Der Bereich ist zudem mit rotweißen Banderolen abgesperrt. Eine Gefährdung für Fahrgäste bestehe nicht, betont Heino Seeger. Repariert wird vorerst nichts. „Bekanntlich ist eine Überarbeitung des Areals geplant, wir stehen mit der Gemeinde im Gespräch. Wenn die Pläne konkret sind, wird sich zeigen, ob die Überdachung in Stand gesetzt, erneuert oder ganz entfernt wird“, sagte Seeger.
Stefan Gernböck
