Gottesdienste unter strengen Auflagen

Kirchen öffnen wieder: „Hauptsache, Wort Gottes wird verkündet“

+
Das Tragen einer Schutzmaske wird in den Kirchen zur neuen Gottesdienst-Normalität dazugehören.
  • schließen

Für viele Gläubige ist es eine wichtige Erleichterung: Es finden wieder christliche Gottesdienste statt, in den meisten Kirchen im Landkreis erstmals in den kommenden Tagen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Von einer Rückkehr zur Normalität kann dennoch keine Rede sein, denn es gelten strenge Auflagen. In vielen Kirchen ist zum Beispiel eine vorherige telefonische Anmeldung nötig.

Im Dekanat Bad Tölz hat man das Vorgehen gemäß den Infektionsschutzvorgaben des Erzbistums in den vergangenen Tagen intensiv besprochen. Um das Abstands- und Hygienekonzept einzuhalten, mussten in jeder Pfarrei oder Pfarreiengemeinschaft die Zeiten und Orte der Gottesdienste individuell angepasst werden. Zwei Messen, die kurz hintereinander stattfinden, seien zum Beispiel nicht möglich, erklärt Dekan Thomas Neuberger aus Dietramszell. „Denn dazwischen müssen alle Bänke gereinigt und desinfiziert werden.“

Zudem ist die Zahl der Personen, die sich gleichzeitig in den Kirchen aufhalten dürfen, limitiert. In kleinen Gotteshäusern, „in die wegen der Abstandsregeln womöglich nur acht Leute hineindürften“, könne keine Messe gefeiert werden, so Neuberger. So werde es in Gaißach und Reichersbeuern lediglich Freiluftgottesdienste geben: in Reichersbeuern am Friedhof, in Gaißach an der Schule. Dort werden Sitzgelegenheiten aufgestellt. „Natürlich sind wir dann vom Wetter abhängig“, räumt Neuberger ein. Bei Regen würden die Gottesdienste ausfallen. „Das ist eine Notlösung“, sagt der Dekan. „Aber innerhalb der Kirchen hätten wir sonst nur 18 Sitzplätze. Außen können bis zu 50 Personen teilnehmen.“

Gläubige zurückzuweisen, fällt extrem schwer

In der Dietramszeller Kirche, in der laut Neuberger zu besonderen Anlässen schon mal „hunderte Menschen“ Platz fänden, dürften nun maximal 50 Personen anwesend sein. Zieht man Pfarrer, Lektor, Mesner und Ordnungsdienst ab, bleibe Raum für höchstens 42 Gläubige.

Um niemanden an der Kirchentür abweisen zu müssen, gibt es in vielen Pfarreien ein Anmeldesystem. Im Dietramszeller Pfarrbüro sei zum Beispiel von Montag bis Samstag täglich von 9 bis 19 Uhr jemand persönlich erreichbar. „Es ist uns sehr wichtig, die Anmeldung im persönlichen Gespräch abzuwickeln, damit man gegebenenfalls Alternativen persönlich besprechen kann“, sagt der Pfarrer.

Bei der Anmeldung würden auch Namen und Telefonnummern notiert. Sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass auch ein nachweislich Infizierter am Gottesdienst teilnahm, könne man auf diese Weise jeden einzelnen verständigen.

Ob am Telefon oder an der Tür: Gläubigen im Ernstfall sagen zu müssen, dass für sie kein Platz mehr in der Kirche ist, „das ist das, womit wir am meisten hadern“, sagt der Geistliche. Bei Gottesdiensten sei der Grundgedanke wichtig, „dass jeder kommen kann“. Eine Zurückweisung sei „theologisch nicht vertretbar“ und „unglaublich schwierig“. Doch derzeit gebe es keinen anderen Weg, sagt Neuberger. Und die Auflagen dienten schließlich vor allem „dem Schutz der Gläubigen“.

Was für die Gläubigen ebenfalls ungewohnt wird: Bei den Gottesdiensten gibt es einen „Ordnungsdienst“. Darunter dürfe man sich aber keine „Türsteher“ vorstellen, betont Neuberger. Es seien Ehrenamtliche aus der Gemeinde, die diese Aufgabe übernehmen. „Sie begrüßen die Besucher, helfen bei der Platzsuche und unterstützen, wenn jemand unsicher ist.“

Neuberger bittet alle Gläubigen, frühzeitig zu den Gottesdiensten zu erscheinen, damit sich nicht kurz vor Beginn lange Schlangen am Einlass bilden. Es werde kein Weihwasser und keine Gesangsbücher geben, auch der Friedensgruß per Händedruck entfalle selbstverständlich.

Salesianer im Kloster Benediktbeuern bleiben weiter unter sich

Während des gesamten Gottesdienstes müssen alle Besucher Mundschutz tragen, den sie nur zum Empfang der Kommunion abnehmen dürfen. Der Kommunionspender werde sich davor die Hände desinfizieren und außerdem Handschuhe anziehen. Die Hostien – bis dahin werden sie in einem abgedeckten Behälter stehen – würden dann unter Einhaltung des maximal möglichen Abstands auf die Hand übergeben.

Orgelmusik wird es laut Neuberger in den Gottesdiensten geben. Der Gesang der Gemeinde werde aber stark eingeschränkt auf zwei Lieder pro Gottesdienst.

Zum Hygienekonzept der evangelischen Kirchen gehört es unter anderem, dass am Eingang Spender mit Handdesinfektionsmittel stehen, wie Dekan Martin Steinbach aus Bad Tölz erläutert. Zudem werden statt der Gesangsbücher Liedzettel ausgeteilt. „Predigen werden wir nicht von der Kanzel aus, weil wir dort den Kirchenbesuchern zu nahe wären“, sagt Steinbach. Der Abstand müsse vier Meter betragen. „Wir werden hinter den Altar gehen.“

Vorerst keine Abendmahlsfeier in Johanneskirche

In den Kirchenbänken werden die Plätze, die benutzt werden dürfen, gekennzeichnet, beziehungsweise werden überzählige Stühle aus dem Kirchenraum entfernt. In die Tölzer Johanneskirche zum Beispiel dürfen laut Steinbach 50 Personen, in die Lenggrieser Waldkirche 20.

Auf eine Anmeldung verzichten die evangelischen Gemeinden. „Ich denke, der Platz wird ausreichen“, meint Steinbach. Zuletzt – als Corona bereits ein Thema, Gottesdienste aber noch erlaubt waren – seien in Bad Tölz etwa 30 Gläubige statt wie sonst üblich 60 gekommen. Für diejenigen, die in Lenggries in der Andacht um 9.30 Uhr keinen Platz finden, gebe es um 10.15 Uhr eine zweite.

Auf die Abendmahlfeier – die es normalerweise jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat gibt – verzichten die Protestanten laut Steinbach fürs Erste ganz. Ihre Wiedereinführung fasse man zu Pfingsten wieder ins Auge – „wenn, dann aber nur als Wandelkommunion und nur mit Hostien und ohne Kelch“. Man stehe also nicht wie gewohnt im Kreis und reiche sich die Hände.

Pfarrei findet Lösung: Auch in Bichl gibt es wieder Gottesdienste

Theologisch sei der Verzicht auf die Abendmahlfeier unproblematisch, da in der evangelischen Kirche „Wort und Sakrament gleichwertig“ seien, sagt Martin Steinbach. Insgesamt würden die Gottesdienste verkürzt, erklärt der Dekan weiter. „Sie sollen auf alle Fälle weniger als eine Stunde dauern.“ Insgesamt blickt der Dekan dem Gemeindeleben unter strengen Auflagen entspannt entgegen. „Hauptsache, das Wort Gottes wird wieder verkündet.“

Musikunterricht übers Internet: So geht es der Musikschule und privaten Einrichtungen

Kommentare