VonChristiane Mühlbauerschließen
Musikunterricht in Corona-Zeiten stellt derzeit Schüler und Lehrer vor eine große Herausforderung. Die verschiedenen Einrichtungen im Tölzer Land lösen es auf eigene kreative Art und Weise.
Bad Tölz/Lenggries/Reichersbeuern – Klavierlernen übers Internet? Was bislang undenkbar schien, ist in Corona-Zeiten oft der einzige Weg, um mit Schülern in Kontakt zu bleiben. „Am Anfang mussten wir uns alle dran gewöhnen, aber eigentlich läuft es sehr gut“, sagt Natalia Panina-Rummel, Pianistin und Sängerin aus Reichersbeuern. Ihre 40 Klavierschüler unterrichtet sie zurzeit via Skype und Zoom. „Die Kinder sind sehr konzentriert bei der Sache“, sagt Panina-Rummel.
Sie lädt zudem Videos auf YouTube hoch, um ihren Schützlingen etwas zu zeigen. „Die Jugendlichen sind mit diesen Medien ohnehin vertraut“, sagt sie lächelnd. Bei einigen Kindern, die in der näheren Umgebung wohnen, kann sie auch Hausbesuche machen.
Lehrer machen vereinzelt Hausbesuche
Auch im Tölzer Musikzentrum „Trommelfell“, wo 30 Lehrer knapp 400 Schüler unterrichten, ist man kreativ. „Der Einzelunterricht wird bei uns online fortgeführt. Das wird sehr gut angenommen und klappt besser als erwartet, eine gute Internetverbindung vorausgesetzt“, berichtet Leiter Johannes Deißenböck. Nur größere Gruppen, etwa das Djembe-Ensemble und Bands, müssten leider pausieren.
Für ihn selbst sei Online-Unterricht kein Neuland, denn schon seit September betreue er ein Mädchen, das zurzeit als Aupair im Ausland sei, berichtet Deißenböck. Die Unterrichtsgestaltung sei online jedoch eine andere. „Durch die leichte Zeitverzögerung zwischen den Monitoren spielt man weniger zusammen, sondern erklärt und zeigt mehr“, sagt der Musiker. Die Lehrer würden bei Bedarf noch zusätzlich kleine Videos machen, die sie den Schülern dann per Whatsapp oder E-Mail zuschicken. Natürlich hoffe man, bald wieder regulär unterrichten zu können. „Wir werden aber trotzdem den Online-Unterricht künftig als Alternative sowohl bestehenden als auch neuen Schülern anbieten.“
Diskussion über Gebühren bei Ausfall der Stunden
Die Nachricht, dass die Tölzer Musikschule ab Mai von den Eltern teilweise keine Gebühren mehr verlangen werde, solange kein regulärer Unterricht möglich sei, sorgte in der Branche für Diskussionen. „Weil wir den Unterricht online fortführen, laufen bei uns auch die Gebühren weiter“, sagt Deißenböck dazu. Einige Gruppen werden von den Lehrern online mit Noten, Übungen und Videos versorgt. „Alles, was in dem Bereich jedoch nicht möglich ist, wird finanziell zurücküberwiesen“, sagt Deißenböck. Und auch im „Trommelfell“ könnten sich Eltern vertraulich melden, die finanziell gebeutelt seien und den Musikunterricht für ihre Kinder in Gefahr sehen. „Auch wir versuchen, für die Eltern Lösungen zu finden.“
Ähnlich gestaltet sich die Situation in der „Müsikwerkstatt“ von Sepp Müller und seiner Frau Nicole Müller-Pürzer in Lenggries. Hier betreuen 30 Lehrer rund 500 Schüler. Auch in der „Müsikwerkstatt“ wird online unterrichtet und „nur abgerechnet, was stattfindet“, sagt Nicole Müller-Pürzer. Für einige Lehrer, die gleichzeitig auch freischaffende Künstler seien, würden aber Einnahmen wegbrechen. „Das tut mir im Herzen weh“, schildert Müller-Pürzer die Situation.
Online-Unterricht klappt beim Notenlernen gut
Wenn Online-Unterricht möglich sei, laufe dieser aber sehr gut, berichtet Müller-Pürzer von den Rückmeldungen der Eltern und Jugendlichen. „Viele schreiben: ,Jetzt müssen wir alle zusammenhalten.‘ Dafür bin ich sehr dankbar.“ Gemeinsam mit ihrem Mann und zwei weiteren Lehrern macht sie seit wenigen Tagen bei Familien auch Hausbesuche. Einige Kinder, hat Müller-Pürzer festgestellt, seien jetzt seelisch in einer schwierigen Situation. „Ich spüre, dass bei ihnen jetzt oft Ängste hochkommen, wie alles weitergeht.“ Deshalb, sagt die Lenggrieserin, wäre es jetzt wichtig, wieder zum normalen Unterricht zurückzukehren. Der Bundesverband der Freien Musikschulen habe einen Aufruf gestartet, Einzelunterricht wieder zu ermöglichen.
„Aufwand für Lehrkräfte nicht geringer“
Auch in der Tölzer Sing- und Musikschule hofft man, schrittweise den regulären Unterrichtsbetrieb wiederaufnehmen zu können. Hygienemaßnahmen wurden umgesetzt, berichtet Schulleiter Harald Roßberger. An der Tölzer Schule unterrichten derzeit 34 Lehrer knapp 1000 Schüler, vielfach ebenfalls online. „In der Tat ist der Aufwand für die Lehrkräfte nicht geringer“, stimmt Roßberger einer Leserbriefschreiberin im Tölzer Kurier zu. Der Fernunterricht sei wertvoll, könne aber „Mensch zu Mensch nicht ersetzen“.
Weil man die vereinbarte Leistung nicht in vollem Umfang erbringen könne, habe man entschieden, den Eltern teilweise eine Erstattung oder Unterbrechung der Unterrichtszahlung anzubieten, so Roßberger. Die Schule wird übrigens nicht wie berichtet von einem Verein finanziert. „Der Trägerverein schafft lediglich den rechtlichen und organisatorischen Rahmen für den Unterrichtsbetrieb“, präzisiert Roßberger. Die Schule finanziere sich zu 60 Prozent über Elternbeiträge, 30 Prozent kommen von der Stadt und zehn Prozent vom Freistaat. Grundlage für die Arbeit an der Schule sei die bayerische Sing- und Musikschulverordnung, die ein bestimmtes Angebot vorschreibe und auch in Bezug auf die Lehrkräfte verschiedene Vorschriften, etwa hinsichtlich der pädagogischen Ausbildung, mache.
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