VonAndreas Daschnerschließen
Grünen Wasserstoff will die Gemeinde Grafrath im Wald Richtung Jesenwang produzieren. Dazu soll dort eine Windkraftanlage entstehen – und zwar beim ehemaligen Nato-Munitionsdepot.
Grafrath – Das Gerücht um ein Windrad hält sich, seit die Gemeinde das frühere Nato-Areal im vergangenen Jahr gekauft hat – zu einem bislang nicht genannten Preis. Grafraths Bürgermeistermeister Markus Kennerknecht sagt lediglich, es seien marktübliche Konditionen gewesen. Kurz darauf deutete Gewerbereferent Gerald Kurz (CSU) an, dass die Fläche für die Wasserstofferzeugung genutzt werden könnte, was das Thema Windkraftanlage befeuert hat.
Es wäre das fünfte Windrad in diesem Gebiet. Die Bürgerenergiegenossenschaft Freising will auf Jesenwanger Flur nämlich auch vier Anlagen bauen. Das ehemalige Nato-Munitionsdepot auf Grafrather Flur liegt südöstlich von diesen vier Windrädern.
Gemeinde will Kooperation
Bei einer Veranstaltung zur Energiewende in Grafrath erklärte Kennerknecht nun offiziell, dass der Strom für die Erzeugung des grünen Wasserstoffs tatsächlich durch ein Windrad gewonnen werden soll. Auf Tagblatt-Nachfrage erklärte der Rathauschef außerdem, dass die Gemeinde dazu eine Kooperation mit Energie Südbayern (ESB) eingehen will. „Der Vorteil ist, dass die ESB über das Gasnetz verfügen und den Wasserstoff so direkt ins Netz einspeisen können“, sagt Kennerknecht. Außerdem soll ein Eigenverbrauch durch die Gemeinde möglich sein.
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Derzeit laufen noch die Machbarkeitsuntersuchungen für die Wasserstoffproduktion. „Eine erste Voruntersuchung durch die ESB fiel aber sehr positiv aus“, sagt Kennerknecht. Dass die durch das Windrad erzeugte Strommenge für die Wasserstoffproduktion ausreicht, ist dennoch eher fraglich. „Die Frage wird deshalb auch sein, wo wir eventuell noch Strom zukaufen“, sagt der Rathauschef. Auch werden noch die Fördermöglichkeiten abgeklopft.
Kosten sind noch unklar
Für die neue Windkraftanlage hat laut Kennerknecht bereits die behördlich vorgeschriebene spezielle artenschutzrechtliche Prüfung begonnen. Diese dauert in der Regel ein Jahr. „Parallel dazu werden wir die Antragsunterlagen für die Anlage vorbereiten“, berichtet der Rathauschef.
Wie viel das Vorhaben die Gemeinde kosten wird, ist laut Kennerknecht noch völlig unklar – auch weil noch nichts zu einer möglichen staatlichen Förderung bekannt ist. Unabhängig davon sieht Kennerknecht die Gemeinde mit dem Projekt Wasserstoffproduktion aufgrund des mittlerweile recht hohen Effizienzgrades des Energieträgers aber auf dem richtigen Weg. Die Gemeinde will in der Pfingstzeit (genauerer Termin wird noch bekannt gegeben) eine Info-Veranstaltung für Bürger anbieten.
Energiewende
Wie die Gemeinde die Energiewende schaffen will, haben rund 90 Grafrather bei einer Infoveranstaltung im Bürgerstadl erfahren. Neben einem Windrad beim ehemaligen Nato-Munitionsdepot ist auch die Freiflächenphotovoltaikanlage des Mauerner Landwirts und Gemeinderats Max Riepl-Bauer ein wichtiger Baustein. „Sie ist in einer Größe von 20 Hektar geplant und soll einen jährlichen Ertrag von etwa 20 000 Megawattstunden bringen“, sagte Bürgermeister Markus Kennerknecht.
Dass die Kommune damit nur einen Bruchteil dessen schafft, was rein rechnerisch für die Energiewende nötig wäre, machte Guido Grotz deutlich, der den Abend mit weiteren Mitstreitern, darunter Klimareferentin Monika Glammert-Zwölfer (Grüne), vorbereitet hatte: „Wenn der gesamte Energiebedarf in Deutschland auf alle Menschen umgelegt wird, ergibt sich ein Tagesverbrauch pro Kopf von 120 Kilowattstunden.“ Neben dem persönlichen Verbrauch sind darin auch anteilig Industrie und Transport eingeschlossen.
Das wäre notwendig
Energiewende heiße, diese Energie regenerativ herzustellen, so Grotz weiter. Für eine komplett regionale Versorgung im Landkreis seien dazu sechs Geothermie-Kraftwerke, 600 Hektar Freiflächen-PV-Anlagen und 77 Windräder nötig.
Bei den Workshops gab es vor allem großen Redebedarf zur PV-Anlage in Mauern. Viele Anwohner machten deutlich, dass sie besser informiert werden möchten und es noch viele offene Fragen gebe. Sowohl Kennerknecht als auch Riepl-Bauer stellten sich der Diskussion vor Ort.
Weitere Themen der Workshops waren das Thema Bürgerbeteiligung, der Windkraft-Ausbau, private Dach-PV-Anlagen, generell Energiesparen und sogenannte Agri-Photovoltaikanlagen, die auf landwirtschaftlichen Flächen eine weitere Bewirtschaftung erlauben. Die Bürgergenossenschaft Sonnensegler aus dem Landkreis stellte zudem Modelle der Bürgerbeteiligung vor, die auch auf großes Interesse stießen. ad
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