VonChristian Fellnerschließen
Auch fünf Tage nach der Tragödie vom Eibsee bei Grainau bleibt die Suche nach den Vermissten erfolglos. Das riesige Suchgebiet erschwert die Arbeit.
Grainau – Die Suche nach den beiden mutmaßlich Ertrunkenen am Eibsee beschäftigt die Einsatzkräfte noch immer. Fünf Tage nach dem tragischen Unglück, bei dem am Samstag kurz nach 11 Uhr ein sechsjähriger Bub von einem Tretboot in den See stürzte, der Vater das Kind retten wollte und beide ertranken, gibt es jedoch noch immer keine Spur. Neben Tauchern und Sonartechnik wurden gestern erstmals auch Spürhunde eingesetzt, um die Suche zu unterstützen – bisher ohne Erfolg. „Es ist sehr schwierig, weil die Fläche, die abgesucht werden muss, unheimlich groß ist“, sagt Polizeisprecher Stefan Sonntag vom Präsidium in Rosenheim. Ein Ende der Aktion ist aktuell noch nicht in Sicht.
Nach Unglück am Eibsee: Auch Spürhunde führen bei der Suche nach den Vermissten nicht zum Erfolg
Man könnte fast meinen, es herrscht normaler Betrieb am Eibsee hoch über Grainau. Der Parkplatz ist voll, wenn man oben ankommt. Touristen strömen auf die Zugspitze, wo der Neuschnee eine Attraktion darstellt. Auch am See ist einiges los, obwohl ein kalter Wind pfeift. Dass dort noch immer die große Suchaktion nach den beiden offiziell Vermissten läuft, erkennt man erst, wenn man den ersten Blick aufs Wasser erhascht, die Wasserwachthütte erreicht. Dort stehen die Fahrzeuge der Einsatzkräfte, der Tauchergruppe der Münchner Bereitschaftspolizei. Neun Experten waren auch gestern abwechselnd im Wasser, um in die Tiefe zu gehen, wenn über das Sonar oder den Tauchroboter irgendeine Auffälligkeit zu erkennen war.
Eine Welle der Hilfsbereitschaft erreicht derweil die Polizei. „Das ist ein tolles Signal, eine schöne Geste“, betont Sonntag. Firmen meldeten sich, die technische Möglichkeiten hätten. Aber auch Suchhundestaffeln. „Wir sammeln alles und bewerten es, ob es uns wirklich helfen kann.“ Eines gibt Sonntag aber zu bedenken: „Unsere Taucherstaffel ist sehr gut ausgerüstet, das müssen die Experten sagen, was sie unterstützen könnte.“
Das sind gestern beispielsweise fünf Polizeihunde gewesen, die speziell ausgebildet sind und menschliche Spuren sogar auf dem Wasser wahrnehmen können. „Wir versuchen wirklich alles, um die zwei Vermissten noch zu finden, dieses Versprechen haben wir gegeben.“ Am Vormittag wurden die Hunde mit einem Boot der Wasserwacht auf den See gebracht, um dort „zu schnüffeln“, wie Sonntag es beschreibt. „Ein Hund kann das so 30 bis 45 Minuten tun, dann muss er zurück an Land.“ Schlägt einer der tierischen Helfer an, wird ein zweiter Hund geholt, der unabhängig vom ersten den Verdacht quasi bestätigen soll. Erfolgsmeldungen dieser Art gab es am Vormittag tatsächlich an zwei Stellen. „Eine davon hatte die Tauchergruppe am Nachmittag untersucht, blieb allerdings ohne Ergebnis.“ Der zweite Ort sollte ebenfalls gestern noch untersucht werden. Eine Rückmeldung dazu stand am Abend noch aus.
Die Größe des Eibsees macht die Suche nach den beiden Personen schwierig. Am Mittwochmittag hatten die Einsatzkräfte rund 38 000 Quadratmeter abgesucht, das sind gerade einmal zwei Prozent der Seefläche, die 1,77 Millionen Quadratmeter beträgt. „Und dann muss man sich das Ganze noch in die Tiefe bis zu 35 Metern hinzurechnen.“ Zudem müssen die Vermissten nicht unbedingt auf den Grund des Sees abgesunken sein, sondern könnten sich in verschiedenen Wasserschichten befinden, dort womöglich von Strömungen erfasst worden sein, sagt Sonntag. „Der Suchraum ist riesig und dann auch noch ein System, das sich bewegt.“
Manuel Achtner, Einsatzleiter der Wasserwacht, unterstreicht dies. „Es ist in jedem See schwierig, jemanden zu finden, weil es halt einfach diese verschiedenen Wasserschichten gibt.“ Das betrifft den Staffelsee als Moorsee mit wenig Sicht, wo immer noch ein 79-Jähriger vermisst wird (wir berichteten), wie den Eibsee als Bergsee, in dem Felsen und Baumstämme trotz besserer Sicht das Unterfangen erschweren. „Man muss den See jetzt wahrscheinlich Meter für Meter von allen Seiten rastern.“
Abgesperrt wurde das Gewässer nicht. Geht auch nicht. „Das macht man bei einem klassischen Tatort, aber nicht an einem See“, sagt Sonntag. Viele Gäste tummelten sich daher in den vergangenen Tagen an den Ufern, auch Badegäste waren gestern zu beobachten. Der Betrieb des Bootsverleihs läuft normal. Auch das betroffene Tretboot ist mittlerweile von den Ermittlern begutachtet worden und zurück am See. Wie lange die Suche noch andauert, kann Sonntag nicht abschätzen. „Wir setzen sie heute fort, wir haben auch keine Deadline, eine Entscheidung dazu gibt es nicht. Wir wollen unser Möglichstes tun, um die Vermissten zu finden – auch für die Angehörigen.“


