VonChristina Jachert-Maierschließen
Hans Hagleitners Büro hat die EU-weite Ausschreibung zur Waakirchner Dorfmitte gewonnen. Die Pläne werden bei einer Bürgerversammlung präsentiert. Das entspricht einem Antrag der Bürgerwerkstatt.
Waakirchen – Vier Wohn- und Geschäftshäuser will die Gemeinde zwischen Bäckervoitl-Anwesen und Kreissparkasse hochziehen. 28 bezahlbare Wohnungen vor allem für Senioren sollen so entstehen, dazu Läden, gern auch ein Café. Kostenvolumen: rund 9 Millionen Euro. Einen Entwurf des ortsansässigen Architekten Hans Hagleitner hatte der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung bereits im Herbst 2017 abgesegnet – in nicht öffentlicher Sitzung. Das erwies sich als verfrüht. Nachdem das Projekt nur realisiert werden kann, wenn Fördergelder fließen, war eine EU-weite Ausschreibung des Planungsauftrags Pflicht. Sie ist jetzt abgeschlossen. Sieger: das Büro Hagleitner.
„Hagleitner hat im Verfahren mit Abstand die meisten Punkte bekommen“, erklärte Gemeinde-Geschäftsleiter Markus Liebl im Gemeinderat. Dabei war die Zahl der Bewerber beachtlich. Zehn Büros hatten sich an der Ausschreibung beteiligt, vier kamen in die engere Wahl. Bei den Bewerbungsgesprächen, geführt von einem externen Beraterbüro, setzte sich Hagleitner durch. Und kann jetzt an seine Skizzen von damals anknüpfen.
In Stein gemeißelt ist noch nichts. Bei der Ausschreibung sei es nur um das Preis-Leistungsverhältnis gegangen, erklärte Liebl. Es habe keine Einsprüche gegeben, das Verfahren sei somit rechtssicher abgeschlossen. Was nicht heißt, dass die Planung auch sicher umgesetzt werden kann. Dies ist nur möglich, wenn Fördergelder fließen. Schließlich darf die Miete 8,50 Euro pro Quadratmeter nicht überschreiten. Die Regierung von Oberbayern lässt dazu eine Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellen. Hartl hätte deren Ergebnis gern abgewartet, um die Pläne dann der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Aber viel Zeit bleibt nicht. Michael Futschik, Initiator der Bürgerwerkstatt, hat eine Bürgerversammlung zum Thema Dorfmitte beantragt. 237 Waakirchner haben dies mit ihrer Unterschrift unterstützt. „Wir machen das auch, das ist der Bürgerwille“, versicherte Hartl und kündigte eine Präsentation in der Turnhalle an. Er danke „dem Michi“, der das „sauber ausgearbeitet“ habe. Michael Futschik war als Zuhörer zur Sitzung gekommen. Wie berichtet, hatte Futschik am 7. Mai eine Bürgerwerkstatt zum Thema Dorfmitte initiiert und ein Fachbüro beauftragt. Auf dem Großteil der Kosten von 3200 Euro blieb er sitzen. Der Gemeinderat bewilligte lediglich einen Zuschuss von 500 Euro.
Auslöser des Bürgertreffs war die Sorge, von einer im stillen Kämmerlein entworfenen Planung überrollt zu werden. Das Bestreben des Gemeinderates, in der Dorfmitte ein großes Wohnprojekt umzusetzen, löst Ängste aus. In der Bürgerwerkstatt entstanden andere Ideen. Unter anderem wurden ein Skulpturenpark, ein Heimatmuseum und ein Mehrgenerationenhaus vorgeschlagen. Nicht wenige finden auch: Der Dorfanger soll weiterhin grün bleiben.
In der Bürgerversammlung sollen diese Ideen und das Wohnprojekt der Gemeinde vorgestellt und diskutiert werden. Die Realisierung der Neubauten könnte das Kommunalunternehmen Wohnbaugesellschaft Waakirchen übernehmen. Vorsitzender des Verwaltungsrates ist FW-Gemeinderat Andreas Hagleitner, Bruder des Architekten. Zuletzt stand Andreas Hagleitner wegen eines Grundstücksgeschäfts mit der Gemeinde unter Beschuss. Es wurde von der Aufsichtsbehörde rechtlich aber nicht beanstanden, die Details legte Hartl in der Sitzung dar (Bericht folgt).
Die Planung der Dorfmitte offenzulegen, sei immer die Intention der Gemeinde gewesen, merkte Norbert Kerkel (FW) an, der eine öffentliche Ortsplanungsausschusssitzung anregte. Die Gemeinde habe viel „zum Vorzeigen“. Die Detailplanung beginnt aber erst. In nicht öffentlicher Sitzung erhielt Hagleitner den Auftrag, Entwürfe zu zeichnen.
