VonChristina Jachert-Maierschließen
Ein zusätzlicher Mann an der Spitze und neue Aufgaben: Die Wohnbaugesellschaft Waakirchen (WBW) legt zu. Sie wird das Feuerwehrhaus bauen. So hat es der Gemeinderat in geheimer Sitzung beschlossen.
Waakirchen – Luitpold Grabmeyer (37) ist seit Juni Vorstand des Kommunalunternehmens Wohnbaugesellschaft Waakirchen (WBW). Ehrenamtlich, wie der Miesbacher dem Gemeinderat erklärte. Dort stellte sich Grabmeyer zu Beginn der öffentlichen Sitzung vor. Als Kommunalkundenbetreuer der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee ist Grabmeyer vielfältig aktiv, zudem fungiert er als Geschäftsführer des Sport- und Tourismuscenters Irschenberg und leitete von 2014 bis 2017 den Gewerbeverband Miesbach.
„Er ist der richtige Mann an der richtigen Stelle“, meinte Bürgermeister Sepp Hartl (FW). Grabmeyer habe die Gemeinde stets gut beraten und beim Bau des neuen Hochbehälters für ein „vernünftiges Darlehen“ gesorgt.
Grabmeyer selbst hielt sich kurz. Die Pläne der WBW umzusetzen, werde „Spaß machen“, meinte er. Auch Andreas Hagleitner, Vorsitzender des Verwaltungsrats, machte öffentlich nicht viele Worte. Das Gremium habe Grabmeyer berufen, weil größere Projekte anstünden, erklärte Hagleitner. Die gehe das Kommunalunternehmen mit einem zusätzlichen Mann im Team an. Berufen hatte der Verwaltungsrat Grabmeyer im Dezember 2017. Wegen einer unfallbedingten Verletzung konnte er sein Amt erst jetzt antreten.
Klartext wurde in der nicht öffentlichen Sitzung gesprochen. Dort beschloss der Gemeinderat, dem WBW den Bau des Feuerwehrhauses zu übertragen. Dies erleichtere die Abläufe, erklärt Hartl. Die WBW wickle den Bau im Auftrag der Gemeinde ab. Dies ändere nichts an der Beteiligung des Gemeinderates. Dieser habe über den Bauantrag zu entscheiden und werde laufend informiert. Wie berichtet, entsteht das Feuerwehrhaus als zweistöckiges Gebäude mit fünf Garagen am Kreisel in Hauserdörfl. Der Entwurf wird derzeit mit der Regierung von Oberbayern abgestimmt. Der Bau soll möglichst schnell realisiert werden.
Auf die WBW warten unterdessen weitere Aufgaben. Möglicherweise wird sie auch den Schaftlacher Kindergarten errichten. Die Entscheidung darüber trifft der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung. „Vielleicht übertragen wir der WBW alle Gebäudlichkeiten“, erklärt Hartl. Dazu gehören auch die rund 60 Gemeindewohnungen. Viele davon sind sanierungsbedürftig.
Das größte Projekt zeichnet sich erst am Horizont ab: das umstrittene Wohnbauprojekt in der Dorfmitte. Aktuell läuft die EU-weite Ausschreibung des Planungsauftrags. Er umfasst 30 Wohnungen, einige Läden und eine Tiefgarage. Kostenvolumen: neun Millionen Euro. Ziel ist die Schaffung von bezahlbarem und behindertengerechten Wohnraum, vor allem für Senioren. Die Gemeinde will das Projekt in eigener Regie realisieren. Ob auch hier die WBW übernimmt, ist noch nicht entschieden.
Für operative Geschäft ist künftig Grabmeyer zuständig. Er leite das Kommunalunternehmen in eigener Verantwortung, erklärt die WBW in einer Pressemitteilung. Bislang war der Vorstandsposten unbesetzt. Der Verwaltungsrat unter der Führung Hagleitners hatte die WBW seit ihrer Gründung vor drei Jahren allein geführt. Künftig bleibt dem Verwaltungsrat offiziell nur die Kontrollfunktion. Das dürfte das Gremium aus der Schusslinie bringen. Dessen Mitglieder, allesamt Gemeinderäte, mussten viel Kritik einstecken. Das erste Projekt, der Bau von zwei Häusern mit acht Wohnungen in Schaftlach, gefiel nicht jedem. Zehn Jahre lang dienen die Neubauten als Flüchtlingsunterkunft. Zuletzt sorgte ein Grundstücksgeschäft, das Hagleitner als Privatmann mit der Gemeinde getätigt hat, für Gerede. Ob bei dem Handel alles korrekt ist, untersucht derzeit die Regierung von Oberbayern.
In der Praxis dürfte der WBW-Verwaltungsrat weiterhin gut beschäftigt sein. „Wenn die Arbeit noch mehr wird, brauchen wir einen hauptamtlichen Vorstand“, weiß Hartl. Noch warte man die Entwicklung ab. Grabmeyer erhält von der WBW für seine – zeitlich nicht festgelegte Arbeit – wie die Verwaltungsräte eine Aufwandsentschädigung. Pro Sitzung und Nase gibt es 35 Euro. Für Aufgaben, die sonst an Externe bergeben würden, ist ein Stundenlohn von 35 Euro vereinbart.
