FT-Serie „Landwirtschaft und die Pandemie“ (Teil 2)

„Die Leut’ haben gekauft wie narrisch!“ Gemüsebauer hofft durch Corona auf ein Umdenken

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Die Nachfrage nach frischem Gemüse und Salat sei zu Beginn der Corona-Krise enorm gewesen, berichtet Gemüsebauer Florian Kreilinger. Erst waren Kartoffeln begehrt, dann Karotten.

Florian Kreilinger ist ein Gemüsebauer aus Goldach aus vollster Überzeugung. Die Corona-Krise hat ihm beruflich bislang nicht geschadet. Doch der Landwirt hofft auf ein Umdenken der Bevölkerung.

Goldach Florian Kreilinger ist ein Gemüsebauer aus vollster Überzeugung. Im Goldacher Familienbetrieb gibt es alles, was sich ein vegetarisches Herz vorstellen kann. Und obwohl ihm die Corona-Krise beruflich nicht geschadet hat, hofft er dennoch auf ein Umdenken.

Nicht nur der Bedarf an Gemüse war hoch

Zurzeit gibt es natürlich wieder viel zu tun: Diverse Salate und Kräuter, Rhabarber und Radieserl gibt’s zu ernten. Seine Frau und die Eltern stehen dem 35-Jährigen hilfreich zur Seite. Alles sind Freiland-Bepflanzungen, kein Gewächshaus. Deshalb gibt’s beim Kreilinger auch keine Tomaten und keine Paprika. Um die sieben Hektar nutzt der Goldacher für sein Gemüse, die restliche landwirtschaftliche Fläche unter anderem für Sommergerste. Den allergrößten Teil seiner Waren verkauft er auf den Münchner Wochenmärkten, zudem beliefert er einen Gasthof mit frischer Ware, und daheim wird das selbst Angebaute auch gern gegessen: „Es ist nicht so wie der Metzger, der nur Marmeladen-Brot isst – wir mögen schon gern Gemüse.“ Im Januar und Februar, bevor es wieder richtig losgeht, gibt es jedes Jahr eine kurze Auszeit.

Kreilinger kann sich noch gut an die erste Woche der Corona-Krise erinnern: „Die Leut’ haben Kartoffeln gekauft wie narrisch!“ Danach kam bald der „Run“ auf Karotten, so der Landwirt. Im Gegensatz zu anderen Orten hatten die Münchner Wochenmärkte aufgrund der Virus-Lage nie ein Verkaufsverbot erleiden müssen, sodass Kreilinger schon sehr früh die Stimmungen seiner Gäste hatte spüren können: „Die Leute haben einfach Angst gehabt. Und sie standen unter Stress, sie waren angespannter.“ Der Bedarf an frischem Gemüse sei sehr hoch gewesen – aber auch das Bedürfnis nach persönlichem Kontakt und Small-Talk sei seiner Meinung nicht zu unterschätzen gewesen.

Sein Wunsch: Weniger kaufen, dafür auf Qualität achten

So hat Kreilinger sogar ein wenig mehr Absatz gemacht als gewohnt – wenngleich er eine ungute Vermutung äußert: Auch wenn sich die Leute jetzt über freie Zeit freuten, sei es vielen „noch gar nicht bewusst, was noch kommen kann.“ Sprich: Jobverlust und finanzielle Engpässe – und dann hat Kreilinger auch die Befürchtung, dass die Leute wieder mehr auf günstigeres Gemüse aus dem Discounter zurückgreifen werden, um zu sparen. Sein Wunsch wäre allerdings: Weniger kaufen, dafür aber gute Qualität. Vor allem, weil ein grundsätzlicher Trend zu „alten“ Gemüsesorten, beispielsweise Grünkohl für Smoothies, durchaus schon erkennbar sei. Auch das Zurückgreifen auf alte Methoden wie das Einmachen fände er grundsätzlich nicht verkehrt, oder überhaupt einer Rückbesinnung auf saisonales Kochverhalten: „Ich brauch keine Erdbeeren zu Weihnachten.“ Was ihn außerdem stört: Die Leute wüssten sehr wenig über das, „was wann und wie wächst“. Auch die Wertschätzung der Arbeit, die im Gemüse steckt, sei noch viel zu gering.

Persönlich hat Kreilinger nicht allzu viel Angst vor dem Coronavirus, man müsse eben aufpassen. Und natürlich hofft der Gemüsebauer auf eine baldige Normalisierung, vor allem, weil sein rumänischer Mitarbeiter seit Beginn der Krise nicht mehr heimreisen kann.

Noch ein Tipp für die Lagerung von Gemüse in Notzeiten: „Das ist schwierig geworden, die Leute haben ja keinen Kartoffelkeller mehr. Am besten ist es, Gemüse am kühlsten Ort der Wohnung aufbewahren – zur Not im Schlafzimmer.“ Richard Lorenz

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