Felder bestellen und gleichzeitig Kinder betreuen: Corona stellt Landwirt Georg Schmid vor große Herausforderungen. Vor allem aber bereitet bereitet ihm der Markt Kopfschmerzen.
Unterberghausen – In den letzten Wochen, in denen die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus griffen, war Georg Schmid oft draußen. Als Ackerbauer verbrachte er viel Zeit auf seinem Traktor. Allerdings war er da selten allein. Seine beiden jüngeren Töchter, Christina und Susanne, saßen neben ihm. Mit dem Papa „Schlepper fahren“, das sei ihre ganz große Leidenschaft, verrät Schmid und lacht. Für den Landwirt und seine Gattin ist es jedoch keine leichte Zeit. Großes Problem: „Wir müssen aufgrund der Kita- und Schulschließung die drei Töchter betreuen.“ Eine große Herausforderung, wie Schmid anmerkt. Seine Frau sei ganztags berufstätig.
Es ist noch zu trocken
Als das FT-Mitarbeiterin ihn trifft, ist der frühere Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband gerade dabei, Gewässerrandstreifen entlang der Ortsverbindungsstraße zwischen zwischen Oftlfing und Langenbach zu bestellen. Die Schutzbereiche an Bächen, Flüssen oder Seen helfen dabei, Wasser zu speichern und die Gewässer vor Düngemittel und Pestiziden zu schützen. „Hoffentlich wächst die Saat an“, grübelt Schmid. Nach einigen trockenen Jahren hatte der Landwirt auf ein normales Jahr gehofft. Der Regen bisher war aber noch zu wenig.
Die Logistik streikt
Er zeigt auf eine Ackerfläche etwa zweihundert Meter entfernt. Als Landwirt muss er vorausplanen. Deswegen hat Schmid vor Wochen Saatgut, Verschleißteile und Dünger bestellt. Sein etwa hundert Hektar großes Ackerland bewirtschaftet er in Fruchtfolge: Erbsen, Ackerbohnen, Mais, Raps, Weizen, Triticale und Gerste. Gerade beim Saatgut für Sojabohnen, habe sich gezeigt, dass die Logistik aufgrund von Corona nicht mehr rund laufe. „Eine Sorte ist gekommen, die zweite, die ich eigentlich in diesen Tagen säen wollte, lässt auf sich warten.“
Ähnliche Erfahrungen habe er bei Verschleißteilen an den landwirtschaftlichen Geräten erfahren. Ein bestimmtes Ersatzteil für Traktoren zu bekommen, das erweise sich derzeit als fast unmöglich. Die Fabrikation seines Fuhrparks finde in mehreren europäischen Staaten statt. „Ein Teil kommt aus Frankreich, das andere aus Spanien und das dritte aus Belgien.“ Corona habe gezeigt, wie anfällig alles durch die Globalisierung geworden sei.
Der Absatz bricht ein
Rund tausend Schweine stehen in seinem Stall in Unterberghausen in der Gemeinde Marzling. Den Ackerbau- und Schweinemastbetrieb hat der Landwirt, der ein Universitätsstudium als Diplom-Ingenieur in der Landwirtschaft abgeschlossen hat, vor 20 Jahren von den Eltern übernommen.
Schon vor Wochen, als Gastronomie- und Kantinenbetriebe geschlossen wurden, sei der Absatz eingebrochen und schwer kalkulierbar. „Oft erfahre ich erst am Vormittag, wie viele Tiere am Nachmittag abgeholt werden.“ Der Absatz sei nicht mehr so konstant wie früher.
Kopfschmerzen bereite ihm auch der Preisanstieg bei den Futtermitteln. Wichtige Zusatzstoffe wie etwa Aminosäuren würden aus China angeliefert. Da gebe es Engpässe. Weil der Ölpreis falle, werde auch das Schrot, das aus anderen Ländern nach Deutschland transportiert werde, teurer. Corona zeige, wie wichtig heimische Produktion sei.
Vielleicht sei das auch ein positiver Aspekt in der derzeitigen Situation. „Manche besinnen sich wieder darauf, welchen Wert der Bauer vor Ort hat.“ Die anhaltende Trockenheit bereite darüber hinaus Sorge. „Es fehlt das Keimwasser“, sagt Schmid. Auch der Feuchtigkeitsfilm, der bei der Herbizid-Behandlung der Felder unerlässlich sei. „Die Natur wartet nicht, bis es irgendwann regnet.“
Homeschooling am Hof
Zur Mittagszeit steuert sein Schlepper den heimatlichen Hof an. Das Mittagessen muss auf den Tisch. Für die beiden Kleinen, die den Vormittag beim Papa sein durften und für die ältere Tochter Amelie, die bereits ein Freisinger Gymnasium besucht. „Unser allergrößtes Problem ist zur Zeit die Beschulung“, gesteht der Landwirt. Für die unteren Klassen finde ja kein Unterricht statt.
Maria Martin
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