VonKatrin Kleinschmidtschließen
Eine Baustelle unter der Ammer, Glasfaserausbau und das Ausarbeiten von Plänen fürs Hallenbad: Bei den Stadtwerken Weilheim rührt sich heuer einiges.
Weilheim – Schwankende Strom- und Gaspreise sowie der Ausbau erneuerbarer Energien beschäftigen die Stadtwerke Weilheim schon lange – und auch künftig (wir berichteten). Doch die Agenda des Kommunalunternehmens ist noch länger. Viel länger. Die Heimatzeitung sprach mit Stadtwerke-Vorstand Peter Müller über einige laufende und anstehende Projekte und den aktuellen Stand. Ein Überblick:
Breitbandausbau
Internet ist für viele Menschen zuhause mittlerweile ähnlich wichtig wie Wasser, Heizung und Strom. In Weilheim sind viele Privatleute und Firmen schon recht gut versorgt, zum Teil auch über Kupferleitungen, deren Leistung aber begrenzt ist. Die Stadtwerke treiben deshalb den Ausbau mit Glasfaser, der aktuell schnellsten Leitungsart, voran. Laut Müller liegen vor rund 50 Prozent aller Weilheimer Haushalte Glasfaserkabel in der Straße – insgesamt zehn Prozent haben bereits den Hausanschluss. Die restlichen Haushalte sollen in den kommenden Jahren ebenfalls die Möglichkeit bekommen, sich das bisher schnellste Internet zu holen. Der Glasfaserausbau werde noch sechs, sieben Jahre dauern, schätzt der Stadtwerke-Vorstand.
„Wir verlegen schon fleißig“, sagt er. Jedes Mal, wenn ohnehin im Rahmen einer Baustelle der Stadtwerke eine Straße geöffnet wird, werden Leitungen gleich mit verlegt. „Da nutzen wir Synergien“, sagt Müller. „Bei allen Baustellen sind alle Sparten dabei. So müssen wir die Straße nur einmal und nicht dreimal öffnen.“
Hallenbad-Pläne
Im Mai vergangenen Jahres hat der Stadtrat die Stadtwerke damit beauftragt, Möglichkeiten für den Bau eines neuen Hallenbads zu prüfen. „Wir sind dran und werden sie dem Stadtrat präsentieren“, sagt Müller. Voraussichtlich im Februar sollten drei bis fünf Varianten ausgearbeitet sein, „die man benennen könnte“. Dann müsse vom Stadtrat eine Entscheidung her, wie es weitergehen soll.
„Nach wie vor ist es eine Finanzierungsfrage“, sagt Müller. Er rechnet damit, dass der Bau eines Bads mittlerweile mehr als 25 Millionen Euro verschlingen würde. Der Betrieb an sich sei „nicht das Problem“ – die Baukosten aber müssten erst einmal gestemmt werden.
Sollte die Stadt ein neues Bad wollen, würden mit Planung und Bau laut Müller noch mindestens fünf Jahre bis zur Öffnung vergehen. „Solange muss der Altbestand dann noch durchhalten.“ Dass sich viele in der Stadt auch weiter ein Bad wünschen – vor allem auch für Schüler und Vereine – „ist schon gerechtfertigt“, findet Müller. „Man muss es sich halt leisten können.“
Fernwärmenetz
Die Genehmigungen liegen nun vor, im März sollen die Bauarbeiten beginnen: Im Rahmen des neu entstehenden Parkhauses an der Krumpperstraße wird auch eine Energiezentrale gebaut. Über sie können Weilheimer künftig Fernwärme beziehen – erste Leitungen dafür wurden bereits im vergangenen Jahr verlegt. Neben Wärme wird in der Heizzentrale auch Strom gewonnen, schildert Müller.
Eine weiteres Heizkraftwerk planen die Stadtwerke zudem am Kranlöchl nahe des Dietlhofer Sees. „Die Nachfrage nach Fernwärme ist relativ groß“, sagt Müller. Bei vielen Menschen stehe ein Heizungstausch an. Müller betont, man werde sich Mühe geben, dass sich das Gebäude „gut einfügt. Es wird mit Sicherheit ein Vorzeigeprojekt werden“. Rund um das Vorhaben gibt es aber dennoch Kritik. Ein Aktionsbündnis will per Bürgerbegehren einen anderen Standort für das Heizkraftwerk, direkt am Narbonner Ring, erzwingen.
Neuer Ammerdüker
Eine große Baustelle steht an der Ammer auf Höhe Merckstraße an. Dort schaut ein so genannter Düker, eine Leitung unterhalb eines Flusses, heraus. „Den müssen wir neu bauen“, sagt Müller. Vor Jahrzehnten wurde dieser unter der Ammer hindurch erstellt, um Abwasser zur Kläranlage zu leiten. Doch die Ammer wurde mit der Zeit tiefer, legte die Rohre schließlich frei. Nun soll ein neuer Düker unter dem Fluss entstehen – mit einem Meter Durchmesser, der untere Rand soll drei Meter unter dem Flussbett liegen. „Das wird ein großes Loch“, sagt Müller über die anstehende Baustelle. „Aber wir sind froher Hoffnung, dass der neue Düker dann 50 Jahre hält.“
Im vergangenen Jahr war mit Bohrungen getestet worden, ob der Ammerdamm die Arbeiten aushält. Das wurde bestätigt. Die Baufahrzeuge sollen heuer oder spätestens 2024 anrücken. Die Kosten belaufen sich auf rund zwei Millionen Euro. Künftig soll durch den Düker nicht nur Abwasser laufen. Im Zuge der Arbeiten werden unter anderem auch Leerrohre, Strom- und Gasleitungen verlegt.
Stadtbuslinien
Seit Oktober läuft der Probebetrieb für die Linien 5, 6 und 7 des Stadtbusses, die unter anderem nach Marnbach, Deutenhausen und Polling führen. Bis Ende März sind die Fahrzeuge nach Plan unterwegs. Danach müssen die Fahrgastzahlen ausgewertet werden – erst dann ist klar, ob die Haltestellen auch künftig in dieser oder anderer Form bedient werden.
Wasserstofftankstelle
In der Vergangenheit hatte Müller auch schon mal von der Idee gesprochen, eine Wasserstofftankstelle zu errichten. Doch was ist daraus geworden? „Momentan greifen wir das nicht auf“, sagt der Stadtwerke-Vorstand. „Es ist das Henne-Ei-Problem.“ Soll heißen: Aktuell gäbe es kaum Abnehmer für Wasserstoff. Die allerdings werden sich ohne Tankstelle vor Ort auch kaum finden lassen. Eine festgefahrene Situation.
Laut Peter Müller wäre wohl die Einrichtung der Tankstelle der sinnvolle erste Schritt. „Doch dafür müssten wir locker eine Million Euro hinlegen“, sagt er. Das sei nur denkbar, „wenn auf Sichtweite erkennbar ist, dass jemand auch Wasserstoff tanken möchte“. Sollte also ein großes Unternehmen mit dem Gedanken spielen, seine Fahrzeugflotte auf Wasserstoff umzustellen, könne die Idee vom Tankstellenbau wieder aufgegriffen werden.
