VonGerti Reichlschließen
Die Steuereinnahmen sprudeln in Rottach-Egern. Die Gemeinde kann damit heuer kräftig in die Infrastruktur investieren. Dennoch mahnt Rathauschef Christian Köck (CSU) vor zu viel Übermut.
Rottach-Egern – Das komplette dicke Haushaltsbuch hatte der Finanzausschuss schon vorbesprochen. Im Gemeinderat legte Kämmerer Martin Butz jetzt eine kompakte Zusammenfassung der wichtigsten Daten vor. Demnach umfasst der Gesamthaushalt ein Volumen von knapp 23,9 Millionen Euro. Der Verwaltungshaushalt liegt bei knapp 19,5 Millionen Euro und damit um rund 566.000 Euro über dem des Vorjahres.
Knapp über 11,7 Millionen Euro wird die Gemeinde heuer an Steuern einnehmen. Mit 4,2 Millionen Euro liegt die Beteiligung an der Einkommenssteuer um rund 300.000 Euro über dem Ansatz des Vorjahres. Rund 3,5 Millionen Euro werden an Gewerbesteuer in die Kasse fließen, die Grundsteuer A und B für bebauten und unbebauten sowie landwirtschaftlichen Grund bringt knapp 1,8 Millionen Euro ein, die Hundesteuer macht 30.000 Euro aus. Die Personalausgaben verschlingen rund 3,6 Millionen Euro und erhöhen sich laut dem Kämmerer nur „in gewöhnlichem Maße“.
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Wegen der sehr guten Steuerkraft im Jahr 2017 müssen 243.000 Euro mehr an den Landkreis abgeführt werden als 2018 – insgesamt 4,87 Millionen Euro. Die Steuerkraft je Einwohner zur Berechnung der Kreisumlage beträgt 1584,42 Euro, erläuterte Butz.
Im Vermögenshaushalt, der in Einnahmen und Ausgaben bei knapp 4,4 Millionen Euro liegt, stehen rund 866.300 Euro an Haushaltsresten für heuer zur Verfügung. Ausgeglichen wird der Haushalt laut Butz mit rund 1,5 Millionen Euro, die der Rücklage entnommen werden. Das Finanzpolster wird zum Ende des Jahres bei knapp 7 Millionen Euro liegen.
Bei den Schulden rechnet der Kämmerer damit, dass diese zum Jahresende bei 1,996 Millionen Euro liegen werden. Jeder Einwohner steht also mit 344 Euro in der Kreide. Der Landesdurchschnitt lag 2017 bei einer Pro-Kopf-Verschuldung von 695 Euro. Eine Darlehensaufnahme sei auch in diesem Jahr nicht geplant, berichtete der Kämmerer.
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Das meiste Geld, so zeigt der Investitionsplan, fließt heuer in die Sanierung und den Neubau der Gemeindehäuser in Ellmösl. Für die Sanierung Ellmösl 23 sind 1,1 Millionen Euro eingeplant, der Neubau Nummer 19 ist mit 700.000 Euro veranschlagt, an Planungskosten für Nummer 21 sind 40.000 Euro vorgesehen, 180.000 Euro werden allgemein für die Sanierung von Gemeindehäusern verwendet. In Straßenbaumaßnahmen in der Ganghoferstraße fließen 400.000 Euro, die Anschaffung eines Lkw mit Winterdienstausrüstung und Ladekran ist mit 280.000 Euro vorgesehen.
Zusammenfassend stellte der Kämmerer fest, dass die Gemeinde die nach wie vor gute Steuerkraft und die vorhandenen Rücklagen nutze, um Investitionen in die Infrastruktur voranzutreiben, „insbesondere, um in den nächsten Jahren bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und gemeindeeigene Wohnungen zu sanieren“. Da sich diese Steuereinnahmen „mit Sicherheit“ nicht dauerhaft auf dem aktuellen Niveau bewegen würden, empfahl Butz, wie in den Vorjahren umsichtig mit den vorhandenen Mitteln umzugehen. „Der Knick wird auch uns ereilen“, mahnte Butz.
„Für Übermut ist nicht die richtige Zeit“, fand auch Rathaus-Chef Köck, wenngleich er sich überzeugt zeigte, „dass viele Gemeinden uns um unsere finanzielle Ausstattung beneiden“. Die Gemeinde werde die Gelder verantwortungsbewusst einsetzen und mit Augenmaß vorangehen, versicherte Köck. Alle Investitionen seien Dinge, die den Ort zukunftsfähig machen, „und keine persönlichen Vorlieben“.
Mit dem Dank an den Kämmerer, der nach den Worten Köcks einen „hervorragenden Job“ mache, wurde der Haushalt einstimmig und ohne Wortmeldung der Fraktionssprecher am Ratstisch abgesegnet.
gr
