VonChristina Jachert-Maierschließen
Umgehungsstraße, Dorfmitte, Gewerbegebiet: Die großen Themen wurden bei der Waakirchner Bürgerversammlung schnell abgehandelt. Den Bürgern schien es recht zu sein: Keiner meldete sich zu Wort.
Waakirchen – „Und ich dachte, es gibt heute eine Rauferei“, raunte ein Zuhörer. Da war die Bürgerversammlung gerade beendet, um 22 Uhr. An heißen Themen fehlt es in Waakirchen auch wahrlich nicht. Die Projekte Dorfmitte und Gewerbegebiet stehen in der Kritik, zudem wartet der Ort darauf, dass sich der Gemeinderat in Sachen Umgehungsstraße oder Tunnel positioniert. Doch all das kam nur am Rande zur Sprache. Hartl handelte die heißen Eisen flugs ab, ohne neue Erkenntnisse hinzuzufügen. Die Bürger hakten nicht nach: Die für Nachfragen aufgestellten Mikrofone blieben unbenutzt.
Vielleicht auch, weil Bürgermeister Sepp Hartl und der Gemeinderat das Bürgerbegehren zum Wohnprojekt in der Dorfmitte am Vortag der Versammlung, also am Sonntag, einmütig für zulässig erklärt hatten. Gleichzeitig wurde ein Ratsbegehren auf den Weg gebracht. Wie berichtet, stimmen die Bürger am 7. Juli über die Zukunft der Fläche zwischen Bäckervoitl-Anwesen und Kreissparkasse ab. Zum Ratsbegehren, kündigte Hartl an, gebe es eine Auftaktveranstaltung. Sie findet am Dienstag, 30. April, um 19.30 Uhr in der Turnhalle statt.
Ein zweites Bürgerbegehren hatte den Stopp der Erweiterung des Gewerbegebiets Brunnenweg zum Ziel, wurde aber abgelehnt. Hartl verlas die zugehörige Begründung – das Begehren war mit dem Baurecht nicht vereinbar – und signalisierte Gesprächsbereitschaft bei der künftigen Gestaltung des Brunnenwegs. Dieser soll eine Verkehrsberuhigung erfahren: „Dazu machen wir einen Runden Tisch.“
So schnell Hartl die Großprojekte abhakte, so viel Zeit nahm er sich für den Rechenschaftsbericht. Ausführlich erläuterte er die Bevölkerungsstatistik und den Haushalt, sprach über kleine und größere Bauprojekte und erinnerte an den Katastrophenwinter. All das gewürzt mit lockeren Sprüchen. „Noch bin ich der Bürgermeister von Waakirchen und kann auch in eine gesperrte Straße fahren“, ließ er die Zuhörer beim Thema Schneechaos wissen.
Mit Stolz beleuchtete Hartl die Finanzlage. Waakirchen könne seine Ausgaben – zum Beispiel für freiwillige Schneeräumdienste – und Investitionen wie etwa den neuen Kindergarten aus dem Haushalt heraus stemmen. Möglich sei dies dank der Gewerbesteuer, die es mit der Erweiterung des Gewerbegebiets Brunnenweg zu sichern gelte. Darauf zu verzichten, hieße, dem Ort die Nabelschnur abzuschneiden.
Dass die Gemeinde sich in den nächsten Monaten für eine Variante der Verkehrsentlastung – Umgehung oder Tunnel – entscheiden sollte, daran erinnerten sowohl die Bürgerinitiative Verkehr als auch die Bürgerbewegung Entlastung der B472 in schriftlichen Anfragen. Eine konkrete Antwort blieb Hartl schuldig. Noch stehe das Ergebnis der Analyse des Fachbüros aus, das die Gemeinde beauftragt habe, meinte der Bürgermeister. Er erwarte es Ende Juni. Anfang Juli solle es eine große Bürger-Information zu diesem Thema geben. Hartl sicherte Transparenz und Mitsprache zu: „Es geht ja um uns alle.“
