VonMagnus Reitingerschließen
Zur geplanten „Energiezentrale Kranlöchl“ soll es kommendes Jahr eine große „Bürger-Infoveranstaltung“ geben. Das versprach Bürgermeister Markus Loth in der jüngsten Stadtratssitzung – bei der das Projekt einen kleinen Schritt weiterkam.
Weilheim – Noch geht es nicht um die konkrete Planung des Heizkraftwerks am Kranlöchl, sondern „nur“ um die Änderung von Weilheims Flächennutzungsplan. Die ist Voraussetzung für die Aufstellung eines Bebauungsplanes – und führte bereits zu einer ganzen Reihe von Einwendungen. Neben einem Protestbrief, den über 330 Bürger unterzeichnet haben, gibt es beispielsweise Kritik aus Reihen der Weilheimer Agenda 21: So begrüßen die Arbeitskreise „Natur“ und „Stadtentwicklung-Bauen-Wohnen“ zwar grundsätzlich ein solches Kraftwerk, das Weilheim via Fernwärmenetz mit Wärme und Strom versorgen soll. Doch sie halten das bisherige Gärtnerei-Areal zwischen Tennishalle und Dietlhofer See für den falschen Standort (wir berichteten). Dagegen unterstützen die Agenda-AKs „Wirtschaft“ sowie „Energie-Klima-Umwelt“ auch diese Standortwahl ausdrücklich.
Im Rathaus gingen in der ersten Runde zur geplanten Flächennutzungsplan-Änderung insgesamt neun Stellungnahmen ein. Sie alle wurden in der jüngsten Stadtratssitzung besprochen und abgewogen. Demnach hat die Regierung von Oberbayern aus Sicht der Landesplanung kein Problem mit dem Heizkraftwerk, das die Stadtwerke Weilheim errichten und betreiben wollen. Allerdings verweist die Regierung auf die angrenzenden Natur- und Landschaftsschutzgebiete, denen Rechnung zu tragen sei – wie auch dem nahen Vorranggebiet der (Wielenbacher) Wasserversorgung. All das erfolge im Rahmen der späteren Bauleitplanung, hieß es dazu aus dem Stadtbauamt.
Landratsamt sieht die langen Leitungswege bis zum Stadtrand kritisch
Zu dieser gehöre dann auch eine artenschutzrechtliche Prüfung, wie sie die Naturschutzbehörde des Landratsamtes mit Blick auf Haselmäuse und Zauneidechsen sowie die Biotope am Südende des Dietlhofer Sees anmahnte. Kritisch werden im Landratsamt auch die langen Leitungswege gesehen, die vom Kranlöchl bis zum Stadtrand nötig sind. 700 Meter bis zum ersten Wärme-Abnehmer seien jedoch „nicht ungewöhnlich lang“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Die Stadt sieht keine Alternative zum Standort Kranlöchl – auch nicht im Bolzplatz am Narbonner Ring, der zu nah an der Wohnbebauung sei.
Radfahrer und Spaziergänger im Bereich des Kranlöchls werden laut Stadtbauamt kaum beeinträchtigt durch die geplante Energiezentrale, denn die Frequenz von Holzlieferungen und Asche-Abtransport sei „gering“. Auch handle es sich bei dem vorhandenen Garten auf dem Gelände nicht um ein Biotop. Insgesamt wird die geplante Energienutzung „im Sinne des Klimaschutzes“ höher gewertet als die dafür nötigen Eingriffe vor Ort.
Ullrich Klinkicht hält den Standort am Kranlöchl für „indiskutabel“
Der Stadtrat stimmte all diesen Abwägungen mit großer Mehrheit zu. Dagegen votierte einzig Ullrich Klinkicht (WM Miteinander), der den Standort aufgrund der Senke, des beliebten See-Rundwegs, der weiten Entfernung und der Weg-Ertüchtigung, die für die Transporte notwendig würde, für „indiskutabel“ hält.
Grünen-Vetreterin Brigitte Gronau bemängelte, dass in der Abwägung „die Sorge um die Alleebäume nicht vorkommt“. Die nötigen Fernwärmeleitungen könnten innerhalb der Kranlöchl-Allee verlegt werden, ohne die Bäume zu schädigen, versicherte Stadtwerke-Chef Peter Müller. Genauso gut wären sie aber auch neben der Allee denkbar. Zu Gronaus Bitte, die Energiezentrale „nicht nur funktionell, sondern auch schön zu bauen“, sagte Müller, dass eine Holzverkleidung sowie Dach- und Fassadenbegrünungen vorgesehen seien. Zudem würden „drei Viertel der Fläche nicht benötigt“ und deshalb „entsprechend bepflanzt“. Das Holz für das Heizkraftwerk komme gänzlich „aus nachhaltiger Bewirtschaftung“, erklärte der Stadtwerke-Vorstand auf eine Nachfrage von Klaus Gast (CSU).
Claus Reindl: „Wir müssen das Projekt flott voranbringen“
Der Standort sei „gut überlegt“ und die „gewisse Kollision mit der Freizeitnutzung ist hinnehmbar“, sagte CSU-Fraktionssprecherin Marion Lunz-Schmieder und forderte, die Energiezentrale „unbedingt voranzutreiben“. Vehementer noch äußerte sich Claus Reindl (BfW): „Wir müssen dieses Projekt flott voranbringen, es herrscht Zeitdruck.“ Handle man nicht schnell, werde „die Natur irgendwann nicht mehr so aussehen, wie sie jetzt aussieht“.
Bürgermeister Loth (BfW) kündigte an, zusammen mit den Stadtwerken eine „Bürger-Infoveranstaltung“ zu dem Projekt abzuhalten – aber erst, „wenn der Bebauungsplan aufgelegt wird“. Das wird noch einige Wochen dauern. Aktuell muss zunächst die Flächennutzungsplan-Änderung überarbeitet und dann erneut öffentlich ausgelegt werden.
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