Unstimmigkeiten wegen „Energiezentrale Kranlöchl“

Geplantes Heizkraftwerk nahe dem Dietlhofer See: Stadträte und Agenda nicht einig

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Das Gärtnerei-Areal zwischen Kranlöchl und Stadtwald ist als Standort des Heizkraftwerks vorgesehen.
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Unstimmigkeiten zwischen der Stadtspitze und der Weilheimer Agenda 21 gibt es bezüglich der geplanten „Energiezentrale Kranlöchl“ nahe dem Dietlhofer See. Über die Stellungnahmen von Agenda-Gruppen zu dem Projekt zeigen sich einige Stadträte „enttäuscht“.

Weilheim – Gegen das Heizkraftwerk selbst – das Weilheim via Fernwärmenetz mit Wärme und Strom versorgen soll – haben die Vertreter der Agenda 21 nichts einzuwenden. Im Gegenteil: „Um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, sind Heizkraftwerke eine sehr zu begrüßende Maßnahme, die wir vom Grundsatz her voll unterstützen“, betonen die Agenda-Arbeitskreise „Natur“ und „Stadtentwicklung-Bauen-Wohnen“ in einer gemeinsamen Stellungnahme mit der Ortsgruppe des Bund Naturschutz.

Allerdings müsse „vor finalen Entscheidungen“ eine Reihe von Fragen zu dem Projekt der Stadtwerke beantwortet werden, mahnen die Aktiven und fordern eine „offene und transparente Behandlung“ seitens der Stadt. Um einen breiten Konsens zu erreichen, gelte es, das Vorhaben „für alle Beteiligten und vor allem für die Bevölkerung offener zu gestalten“ – zumal daraus ein „Musterverfahren“ für weitere geplante Energiezentralen in der Kreisstadt werden könne.

Agenda-Gruppen fordern, „Vorgehensweise bei der Standortauswahl zu überprüfen“

In einem zweiten Schreiben beantragen die Agenda-Gruppen, „die Vorgehensweise bei der Standortauswahl zu überprüfen“ und die Ergebnisse „der Weilheimer Öffentlichkeit in nachvollziehbarer Weise transparent darzulegen“. Denn der geplante Standort „Gärtnerei Lotter“ seit bei öffentlichen Sitzungen auch mit der Aussage begründet worden, dass die Bundesimmissionsschutzverordnung für solche Anlagen einen Mindestabstand von der Wohnbebauung fordere – was aber nicht stimme. Es bedürfe deshalb „einer objektiven Klärung“, so die Agenda-Vertreter, „um ausschließen zu können, dass auf Grund nicht zutreffender Annahmen keine anderen Standorte als das Gärtnereigelände für die geplante Energiezentrale in Frage kommen bzw. besser geeignete Standorte wie zum Beispiel der Bolzplatz an der Einmündung der Kranlöchl-Allee in den Narbonner Ring a priori ausgeschlossen werden“.

Aktuell läuft das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes für eine Sonderbaufläche „Energiezentrale Kranlöchl“. Die Stellungnahmen dazu werden am kommenden Donnerstag im Stadtrat öffentlich besprochen. Bei der Vorberatung im Bauausschuss gab es deutliche Kritik an den Einwendungen der Agenda-Kreise. Sie sei „enttäuscht“ über deren Stellungnahmen, sagte BfW-Fraktionssprecherin Brigitte Holeczek und rügte eine Mentalität nach dem Motto „wasch’ mich, aber mach’ mich nicht nass“. Dezentrale Energieversorgung bedeute auch Sichtbarkeit vor Ort, so Holeczek: „Wer die Energiewende will, muss auch akzeptieren, dass sich etwas verändert.“

Klaus Gast: „Schade, dass bei so einer guten Idee so viele Vorbehalte kommen“

Auch CSU-Vertreter Klaus Gast fand „schade, dass bei so einer guten Idee so viele Vorbehalte kommen“. Der Idee, das Heizkraftwerk näher an den Narbonner Ring heranzurücken, erteilte er eine Absage. Dass es „weit genug von Wohnbebauung weg“ sei, ist für Horst Martin (SPD) einer der „vielen Vorteile“ des Gärtnerei-Areals für das Kraftwerkprojekt: „Der einzige Nachteil ist vielleicht ein Energieverlust durch die Leitungslänge, aber das nehme ich in diesem Fall in Kauf.“

Für Alfred Honisch (Grüne) ist fraglich, ob alle Bedenken gegen das Projekt auszuräumen sind: „Wir werden hier Zeugen, was passiert, wenn die Energiewende vor der Haustür ankommt.“ Gleichwohl betonte er, dass das Planungsverfahren „in Ordnung“ sei. „An der Stelle“, so Honisch, „müssen wir mal sagen: Wir müssen anfangen.“ Einen eindringlichen Appell in dieser Hinsicht formulierte die Klimaschutzmanagerin der Stadt. Bei der Wärmeversorgung sei „dringendes Handeln notwendig“, sagte Katharina Segerer, und der Standort am Kranlöchl sei „sorgfältig geprüft“. Etwas „provokativ“ fügte sie an: „Wenn wir jetzt nicht zügig vorankommen, wird in 50 Jahren der Standort dieser Anlage unser geringstes Problem sein.“

Flyer und „Bauzeitung“ zum Projekt geplant

„Um noch mehr Leute mitzunehmen“, empfahl Klaus Gast „mehr Öffentlichkeitsarbeit“ seitens der Stadt, etwa eine Sonder-Bürgerversammlung. „Wir werden natürlich in die Öffentlichkeit gehen“, kündigte auch Stadtwerke-Vorstand Peter Müller an; doch das sei erst möglich, wenn das Projekt grundsätzlich stehe. Dann werde es Flyer und eine „Bauzeitung“ geben; man habe dafür bereits „eine Fachfirma beauftragt“.

Die Stadtratssitzung beginnt am kommenden Donnerstag, 24. November, um 18.30 Uhr im Rathaus. Info: www.weilheim.de.

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