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82 Absolventen und Absolventinnen haben an der Penzberger Realschule ihre Zeugnisse zur Mittleren Reife erhalten. Den besten Notenschnitt schaffte Marina Konnerth mit einer 1,09. Schulleiter Severin Hammel sagte, er zolle allen Absolventen größten Respekt, der Abschluss sei ein Meilenstein – die Worte hatte ihm ChatGPT als Rede vorgeschlagen.
Penzberg – 82 der 83 Schüler, die heuer zur Prüfung angetreten waren, schafften die Mittlere Reife, sechs davon mit einem Schnitt, der besser als 1,4 ist. Umrahmt wurde die Feier in der Aula von viel Musik, darunter auch von neun ukrainischen Schülern, die mein „Herz ist mein Kompass“ von Udo Lindenberg sangen und zu Dodomu“ von Kalush rappten. Einen Gag hatte sich Schulleiter Severin Hammel für seine Rede einfallen lassen. Er fragte – wie heuer schon sein Kollege vom Gymnasium – einfach ChatGPT: eine kurze Rede, zusammengestellt von Künstlicher Intelligenz und zugleich etwas floskelhaft.
Schulleiter Hammel: „Das zeigt, wie schnell die Entwicklung voranschreitet“
Mit Künstlicher Intelligenz, erzählte Hammel danach, hätten einige Schüler in Hamburg angeblich ihr Abitur geschrieben, obwohl gesagt wird, dass das dort ohnehin nicht allzu schwer ist. In Bayern, so der Schulleiter, habe KI zunächst die Abi-Aufgaben nicht geschafft, in Informatik sogar eine Sechs bekommen. In der Nachfolgeversion kam dann allerdings eine Zwei heraus. „Dies zeigt, wie schnell die Entwicklung voranschreitet.“ Auch als Schule müsse man sich darauf einstellen, zum Beispiel, wenn es um Aufgaben geht, die bisher zu Hause bearbeitet werden, und bei der Medienbildung.
„Nicht die hellste Kerze“
Der Schulleiter erzählt ebenso, er habe ChatGPT gefragt, wer Severin Hammel sei. Die Antwort: ein „großer Künstler“ mit „Gespür für neueste Trends und Technologie“. Er habe da den Eindruck bekommen, dass ChatGPT nicht die „hellste Kerze unter den Künstlichen Intelligenzen ist“. Als er dann gefragt habe, wie KI die Arbeitswelt verändern werde, habe es geheißen, dass Arbeitsprozesse optimiert und neue Arbeitsplätze entstehen würden. Die exakt gleiche Antwort, so Hammel, habe es gegeben, als er bei der Frage die Worte „Künstliche Intelligenz“ durch „Roboter“ und „Computer“ ersetzte. „Nach der Dampfmaschine habe ich dann nicht mehr gefragt.“
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„Der Mensch ist nie überflüssig geworden“
Was er damit sagen wolle, so der Schulleiter: „Es gab schon immer Sprünge in der Entwicklung der Arbeitswelt.“ Der Mensch sei aber nie überflüssig geworden. Deshalb sei ihm nicht bange, was den künftigen Weg der Absolventen angeht. Gefragt habe er ChatGPT auch nach dem Sinn des Lebens. Die Antwort in Kurzform: Dies müsse jeder auf seine Weise beantworten. Was Hammel als Antwort gar nicht so schlecht fand. Er wünsche allen Absolventen, sagte er, den eigenen Sinn im Leben zu finden.
Dritter Bürgermeister Lenk: „Wir brauchen euch“
Dritter Bürgermeister Hardi Lenk (SPD) riet den Absolventen, die Noten auf dem Zeugnis nicht so wichtig zu nehmen. Als Arbeitgeber (einer Zimmerei) sage er, dass es auf andere Dinge ankomme, wie Teamfähigkeit, Solidarität, Hilfsbereitschaft, Respekt, Vertrauen, Wertschätzung und Engagement. Mit der Mittleren Reife hätten sie die besten Voraussetzungen im Berufsleben: „Wir brauchen euch.“
Der stellvertretende Landrat Michael Marksteiner (FW) sagte den Absolventen, dass ihnen die Welt offen stehe, der Landkreis sich aber auch freuen würde, wenn sie bleiben oder irgendwann zurückkehren: „Wir brauchen qualifizierte und motivierte junge Leute.“ Elternbeirat Anton Drexler empfahl den Absolventen, mit großer Offenheit und Neugierde in den neuen Lebensabschnitt zu gehen. „Und pflegt Freundschaften, die ihr in der Schulzeit geschlossen habt.“
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