VonSilke Schederschließen
Markus Söder scheint die Tölzer Leonhardifahrt gut gefallen zu haben: Zum zweiten Mal in Folge hat der bayerische Ministerpräsident sein Kommen für 6. November zugesagt. Der hochrangige Politiker ist aber nicht der Grund, warum die Stadt die Sicherheitsvorkehrungen heuer deutlich verschärft hat.
Bad Tölz – Konkrete Drohungen für Anschläge gab es nie. Seit die Tölzer Leonhardifahrt in das bayerische und das deutsche Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden ist, steht die Wallfahrt aber noch mehr im Fokus des überregionalen Interesses, davon ist Susanne Frey-Allgaier überzeugt. Deshalb will die Leonhardi-Beauftragte der Stadt alle Mittel ausschöpfen, um die Sicherheit von Wallfahrern und Zuschauern zu gewährleisten. Deshalb werden heuer zusätzlich zur Polizei erstmals auch zwei dutzend Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma die neuralgischen Punkte wie den Maierbräugasteig oder die Zufahrt zur Jägergasse sichern und dafür sorgen, dass beispielsweise die Zuschauer innerhalb der Absperrungen bleiben.
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Maßnahmen wie diese stoßen nicht bei allen auf hundertprozentige Gegenliebe, sagt Frey-Allgaier. „Ich finde die Entwicklung auch nicht nur prickelnd.“ Argumente wie: „Das hat es noch nie gebraucht“ lässt die stellvertretende Kurdirektorin trotzdem nicht gelten. „Seit Duisburg hat sich die Veranstaltungswelt nachhaltig verändert“, sagt Frey-Allgaier in Anspielung auf die Love Parade 2010. Bei einer Massenpanik starben damals 21 Menschen, mindestens 500 wurden verletzt. Von der Größenordnung sind Loveparade und Tölzer Leonhardifahrt zwar schwer vergleichbar. Die Tölzer Marktstraße sei aber dennoch nicht optimal für Veranstaltungen dieser Größenordnung, sagt Frey-Allgaier mit Blick auf die Rettungswege.
Wie berichtet hat die Stadt einen externen Berater engagiert, der das Sicherheitskonzept der Stadt optimieren soll. „Er kümmert sich auch um die Sicherheit auf der Wiesn“, verrät die Leonhardi-Beauftragte. Etliche Vorschläge werden heuer noch nicht umgesetzt, andere bekommen die Zuschauer gar nicht mit. Alle Mitarbeiter beispielsweise werden untereinander besser vernetzt sein, sagt Frey-Allgaier. Die Erstellung des Konzepts sieht sie als laufenden Prozess. Jahr für Jahr sollen die gemachten Erfahrungen einfließen und Nachbesserungen jederzeit möglich sein.
Seine eigenen Sicherheitskräfte mitbringen dürfte Markus Söder. Der Ministerpräsident ist der prominenteste von 140 Ehrengästen. Söder wird Frey-Allgaier zufolge beim Empfang in der Franzmühe ein Grußwort sprechen.
Da die Wallfahrt heuer auf einen Dienstag fällt, rechnet Frey-Allgaier nicht mit einem übermäßigen Besucherandrang. Andererseits sind die Wetteraussichten deutlich besser als im vergangenen Jahr. Das zumindest sagt der Ellbacher Meteorologe Kai Zorn. „Nasskaltes Regenwetter oder gar Schnee sind aber nicht in Sicht, übrigens nicht vor Sankt Martin“, prognostiziert der Mitarbeiter bei wetter.com. Die Details allerdings seien noch schwer vorherzusagen: „Entweder hält sich Nebel bei einstelligen Temperaturen, oder es setzt sich der Föhn durch.“ Dann gäbe es Zorn zufolge Sonne und über 10 Grad.
Gutes Wetter käme den Autofahrern unter den Besuchern durchaus entgegen. Wegen der Teilsperre des Zentralparkhauses an der Bockschützstraße müssen sie heuer unter Umständen auf weiter entfernte Stellflächen wie die Parkplätze an der Wee-Arena ausweichen – und damit längere Fußmärsche in Kauf nehmen. Kurdirektorin Brita Hohenreiter befürchtet trotzdem kein Parkchaos: „Die freien Plätze werden im Parkleitsystem aktuell ausgewiesen, sodass die Besucher auf andere Parkplätze umgeleitet werden.“ Grundsätzlich habe Bad Tölz ein großes Angebot an zentrumsnahen Parkplätzen, von denen aus die Innenstadt zu Fuß gut erreichbar sei, sagt Frey-Allgaier. „Die Komfortzone ist diesmal aber etwa geringer.“
