Es ist ein Termin mit Tradition: Im Kurhaus wurde nun die Reihenfolge für die Tölzer Leonhardifahrt ausgelöst. Dabei ging es auch um Grundsätzliches.
Bad Tölz – Die Tölzer Leonhardifahrt ist in den vergangenen Jahren mit einigen herausragenden Würdigungen bedacht worden: Sie wurde in das bayerische und in das deutsche Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen und überdies mit dem oberbayerischen Heimatpreis ausgezeichnet. „Das alles ist uns natürlich umso mehr Verpflichtung und Ansporn, die Wallfahrt in der althergebrachten Weise weiterzuführen“, stellte Bürgermeister Josef Janker jetzt bei der Zugnummernverlosung im Tölzer Kurhaus fest.
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„Die Leonhardifahrt wird jedes Jahr von Neuem gelebt und erlebt. Die wichtigste Rolle dabei habt ihr“, wandte sich das Stadtoberhaupt an die zahlreichen Gespannführer und Vertreter der Wagen-Besatzungen, die an diesem Abend durch ihren Griff in den Los-Topf ihren jeweiligen Platz in der Zugreihenfolge ermittelten.
Eine Neuerung hatte Leonhardilader Anton Heufelder zu verkünden: Und zwar ist an der Leonardikapelle der Platz vor dem Altar diesmal etwas weitläufiger abgesperrt als bisher. „Dadurch ist die Kurve zum Umrunden der Kapelle nicht mehr so eng. Wir möchten euch bitten, diesen dazugewonnenen Platz auch zu nutzen.“ Ständig gefeilt wird ebenso am Sicherheitskonzept, das die Stadt vorweisen muss. In die Planungen wurde laut Susanne Frey-Allgaier, stellvertretende Kurdirektorin und Leonhardi-Beauftragte der Stadt, ein externer Berater einbezogen. In Absprache mit allen beteiligten Sicherheitsinstitutionen werden heuer auch zwei externe Sicherheitskräfte zugegen sein.
Frey-Allgaier dankte Werner Gorn, der jüngst namens der Hengsthaltungsgenossenschaft in Wackersberg Probefahrten mit einem Gespann angeboten hatte. „Das ist eine gute Sache und kommt unserem Konzept entgegen“, sagte Frey-Allgaier.
Kein Schnaps in Plastikbechern
Auch bei Leonhardi legt man jetzt Wert auf die Vermeidung von Plastikmüll. Anton Heufelder richtete deshalb einen Appell an die Wageninsassinnen, ihre Schnapserl zum einen nicht an Fremde und zum anderen nicht in Plastikbechern auszuschenken. „Die vermüllte Kalvarienbergwiese ist wirklich kein schöner Anblick und es macht viel Mühe, das Plastikzeug wieder wegzuräumen.“ Beim Alkohol gelte auch an diesem besonderen Tag das Jugendschutzgesetz. Wie immer tabu ist für Gespanne und Vorreiter der Galopp durch die Marktstraße.
Dem Wunsch des Bürgermeisters nach einer andächtigen und prächtigen Wallfahrt schloss sich auch Stadtpfarrer Peter Demmelmair an. Zu diesem Festtag gehöre auch um sechs Uhr früh das Geläut der Tölzer Kirchenglocken, selbst wenn manche Menschen dies als Ruhestörung empfänden. „Manch einer möchte alles abschaffen, was nicht in seinen privaten Bereich passt.“ Doch sei das Glockengeläut in vielen Kulturen seit jeher „etwas Heiliges, ein Rufzeichen in guten und schlechten Tagen, ein spezielles Zeichen von Heimat. Wir sollten uns das nicht kleinmachen lassen“. Man müsse dahinterstehen und wissen, warum man etwas mache. So wie eben bei der Leonhardifahrt mit ihren umfangreichen Vorbereitungen auch. „Da steckt viel Liebe drin. Tradition ohne Liebe macht hohl.“ Rosi Bauer