Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger wird auf dem CSU-Parteitag „Opfer“ in der „Heute Show“ von ZDF. Das Echo in seiner Heimat zu seinem Auftritt ist enorm.
Krün/Augsburg – Wenn sich Lutz van der Horst mit dem Mikro unters Volk mischt, dann herrscht bei Politikern aller Couleur Alarmstimmung. Dann machen selbst medien-gestählte Regierungschefs oder Minister einen großen Bogen um den Außenreporter der „Heute Show“. Denn der aalglatte, provokante und schlagfertige Komiker mit ordentlich Gel in den Haaren hat im Namen der Satiresendung von Oliver Welke nur einen Auftrag: Seine jeweiligen Gesprächspartner – oder sollte man lieber Opfer sagen – bestenfalls wie Deppen aussehen zu lassen. Beim CSU-Parteitag in Augsburg knöpfte er sich den Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger vor – und ein Millionenpublikum schaute zu.
ZDF „Heute Show“: Krüns Bürgermeister erhält nach Auftritt „Glückwünsche“
„Also stolz bin ich auf den Auftritt nicht“, gibt sich der 52-Jährige durchaus selbstkritisch. Doch ganz so schlimm war sein 30-Sekunden-Auftritt dann auch wieder nicht. Doch das Echo in seiner Heimat ist enorm. Kurz nach Ausstrahlung des Beitrags in der Heute Show will Schwarzenbergers Handy schon am Freitagabend nicht mehr still stehen. „Es hat nur noch plingpling gemacht.“ Und am Samstag geht der sarkastische Glückwunsch-Reigen munter weiter.
Ja, den CSU-Parteitag in der Messe Augsburg wird der Krüner so schnell nicht vergessen. Dabei will er sich an diesem Nachmittag nur eine Tasse Kaffee besorgen. Denn – man glaubt es kaum – selbst eine politische Klausur kann echt langatmig, bisweilen ermüdend sein. Als Thomas Schwarzenberger gedankenversunken in seiner Trachtenjoppe Richtung Erfrischungsstand schlendert, stellt sich ihm plötzlich ein Mann mit elegantem Jacket in den Weg. Da der Isartaler Rathauschef sträflicherweise den berühmt-berüchtigten Außenreporter nicht kennt, bleibt Schwarzenberger brav stehen. „Bauen oder brauen?“, fragt ihn das Schlitzohr vom ZDF. Was der Krüner Bürgermeister in diesem Moment nicht weiß: Lutz van der Horst zielt damit auf ganz andere Vorlieben ab: Cannabis oder Bier.
„Also sind sie eher für Joints?“
Der überrumpelte Schwarzenberger versucht es mit einer vermeintlich salomonischen Antwort. „Bauen um zu brauen – das wäre die Lösung.“ Schon hat ihn der Mann der Heute Show am Wickel. „Also sind sie eher für Joints?“ In diesem Moment fällt Thomas Schwarzenberger buchstäblich die Kinnlade herunter. „Sie haben’s so gesagt“, stellt Lutz van der Horst fest. „Nein, ich hab’ Sie falsch verstanden.“
Was dann passiert in der Messehalle sehen die Fernsehzuschauer nicht mehr. „Plötzlich dreht der sich um und lässt mich stehen“, erzählt der Bürgermeister. Die gewünschte Sequenz ist im Kasten, der ZDF-Reporter macht längst Jagd auf frische Beute. Sein Auftrag in Augsburg: Der Biertrinker-Partei CSU in puncto Cannabis mal auf den Zahn fühlen. Schwarzenberger hat sich zwar aufs Glatteis führen lassen, doch seine Präferenz fürs bayerische Nationalgetränk war im zweiten Anlauf klar herauszuhören. Damit liegt der Bezirksrat aus Krün auf der vorgegebenen stramm konservativen Parteilinie.
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Bürgermeister lernt aus TV-Aufritt: „Jetzt weiß ich, dass man Joints baut“
Bekanntlich soll Cannabis in Deutschland legalisiert werden. So jedenfalls will es Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Nach den Plänen der Ampel-Koalition soll Marihuana und der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) künftig rechtlich nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft werden.
Was diese Art von Rauschmittel betrifft, erweist sich Schwarzenberger als absoluter Laie. „Mittlerweile weiß ich, dass man Joints baut. Ich dachte immer, die dreht man.“ Diese TV-Lehrstunde kommt bei Schwarzenbergers Kindern Thomas (24) und Antonia (19) bestens an. „Die zwei haben sich köstlich amüsiert.“ Wie viele andere Werdenfelser sicherlich auch, wie die vielen Kommentare auf Schwarzenbergers Mobiltelefon verraten.
Dem Bürgermeister, der zweimal bereits ein Weltereignis wie den G7-Gipfel in Schloss Elmau mit ausrichten durfte, sind Interview-Wünsche von Fernsehteams keineswegs fremd – auch auf Parteitagen. „Die rennen doch überall herum.“ Eine Beobachtung aus den zurückliegenden 15 Jahren. So lange folgt der Krüner schon dem Ruf der CSU zu überregionalen Treffen. Warum ihm Star-Reporter Lutz van der Horst gänzlich fremd war, liegt auch daran, dass Thomas Schwarzenberger selten die „Heute Show“ konsumiert. „Ich kann mit dieser Art von Humor einfach nichts anfangen“, gibt er unumwunden zu. Doch der Name Lutz van der Horst hat sich in sein Gedächtnis gefressen – soviel ist sicher.
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